Max Nestler
March 11, 2026
Lesezeit
7
Minuten
Photovoltaik + Batterie
Arten & Systemleistung

Photovoltaik vs. Solarthermie: Der große Vergleich 2026

Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie erzeugt Wärme: Für die meisten Hausdächer ist Photovoltaik 2026 die wirtschaftlichere Lösung. Solarthermie bleibt sinnvoll bei hohem Warmwasserbedarf ohne Wärmepumpe im Haus. Dieser Vergleich zeigt Kosten, Förderung, Wirkungsgrad und die passende Wahl für Ihr Dach.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Photovoltaik-Wirkungsgrad: 20-24 % (Fraunhofer ISE, 2026), Solarthermie-Systemwirkungsgrad: ca. 50 %
  • Solarthermie-Förderung: 30 % Grundförderung + 16 % Klimageschwindigkeitsbonus über KfW 458 (ab 21.07.2026)
  • Photovoltaik: kein Investitionszuschuss, aber Nullsteuersatz (§12 Abs.3 UStG) + EEG-Vergütung 7,78 ct/kWh
  • Amortisation (Modellrechnung): PV ca. 8,5 Jahre vs. Solarthermie ca. 17,5 Jahre
  • Flächenbedarf: Solarthermie 3-20 m² vs. Photovoltaik 4,5-6 m²/kWp

Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie?

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht in Strom um, Solarthermie wandelt Sonnenlicht in Wärme um. Beide Technologien nutzen Kollektoren auf dem Dach, aber unterschiedliche physikalische Prinzipien. Photovoltaik-Module bestehen aus Halbleiterzellen, meist aus Silizium. Solarthermie-Kollektoren enthalten schwarze Absorberflächen mit einer Wärmeträgerflüssigkeit. Für Hausbesitzende ist die Entscheidung zwischen beiden Technologien vor allem eine Frage des Energiebedarfs.

Wie funktioniert eine Photovoltaikanlage?

Eine Photovoltaikanlage nutzt den photovoltaischen Effekt: Sonnenlicht löst in der Halbleiterzelle Elektronen aus und erzeugt Gleichstrom. Ein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom um. Aktuelle monokristalline Module erreichen einen Wirkungsgrad von 20 bis 24 Prozent (Fraunhofer ISE, 2026). Spitzenmodule mit Heterojunction-Zellen erreichen bis zu 26 Prozent. Für 1 kWp installierte Leistung benötigen Sie etwa 4,5 bis 6 Quadratmeter Dachfläche. Details zu Aufbau und Technologie der Zelle finden Sie im Beitrag Solarzelle – Aufbau, Funktion und Technologien.

Wie funktioniert eine Solarthermieanlage?

Eine Solarthermieanlage erhitzt eine Wärmeträgerflüssigkeit im Kollektor und überträgt die Wärme per Wärmetauscher auf Trinkwasser oder Heizungswasser. Die Rohrleitungen im Solarkreis sind mit einem Wasser-Glykol-Gemisch gefüllt (Verbraucherzentrale, 2025). Glykol schützt die Anlage vor Frost im Winter. Es gibt 2 Kollektortypen: Flachkollektoren und Vakuum-Röhrenkollektoren. Flachkollektoren erreichen einen optischen Wirkungsgrad von rund 81 Prozent bezogen auf die Absorberfläche (Viessmann-Datenblatt, Vitosol 200-FM). Vakuum-Röhrenkollektoren benötigen weniger Fläche und erreichen höhere Temperaturen, kosten aber mehr.

Welche Technologie hat den höheren Wirkungsgrad?

Solarthermie erreicht einen höheren Wirkungsgrad als Photovoltaik – der direkte Vergleich ist trotzdem irreführend. Solarthermie-Kollektoren wandeln im Gesamtsystem rund 50 Prozent der Sonneneinstrahlung in Wärme um. Photovoltaik-Module wandeln 20 bis 24 Prozent der Einstrahlung in Strom um. Beide Zahlen sind korrekt, der Schluss "also effizienter" übergeht aber die Energieform. Wärme ist nur lokal nutzbar und lässt sich kaum verlustfrei speichern. Strom ist universell einsetzbar: Sie laden damit ein Elektroauto, betreiben eine Wärmepumpe oder speisen den Überschuss ins Netz ein. Die Verbraucherzentrale beschreibt einen Vorteil der Solarthermie so: "Der Energieertrag je Quadratmeter ist höher als bei Photovoltaik." Im selben Atemzug nennt sie auch Netzeinspeisung und Flexibilität als Vorzüge der Photovoltaik. Ein hoher Wirkungsgrad allein entscheidet nicht über die passende Technologie.

Was kostet Photovoltaik im Vergleich zu Solarthermie?

Photovoltaik kostet in der Anschaffung meist mehr, amortisiert sich aber schneller als Solarthermie. Die folgende Tabelle zeigt aktuelle Richtwerte für 2025/2026.

AnlagentypKosten (Richtwert)Bezugsgröße
Photovoltaik, ohne Speicherca. 1.200–1.800 €/kWpMarktbeobachtung 2025/2026
Solarthermie, nur Warmwasserca. 6.000–10.000 €Altbau-Nachrüstung (Verbraucherzentrale, 2025)
Solarthermie, mit Heizungsunterstützungca. 9.000–17.000 €Altbau-Nachrüstung (Verbraucherzentrale, 2025)
PVT-Hybridkollektorca. 2.000 €/kWpzzgl. Wärmepumpe (Verbraucherzentrale, 2025)

Ein Batteriespeicher erhöht die PV-Investition zusätzlich um rund 700 bis 1.000 Euro pro kWh Speicherkapazität. Eine detaillierte Aufschlüsselung aller Preisbestandteile liefert der Beitrag Photovoltaik Kosten 2026.

Welche Förderung gibt es 2026 für Photovoltaik und Solarthermie?

Photovoltaik erhält 2026 keinen direkten Investitionszuschuss, Solarthermie schon. Für reine Stromerzeugungsanlagen zahlt der Staat keinen Zuschuss. Stattdessen gilt seit dem 1. Januar 2023 der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG: 0 Prozent Umsatzsteuer auf Kauf und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp. Diese Steuerbefreiung gilt ausschließlich für Photovoltaik-Komponenten, nicht für Solarthermie-Kollektoren. Zusätzlich zahlt die Bundesnetzagentur eine EEG-Einspeisevergütung. Für Anlagen bis 10 kW mit Inbetriebnahme zwischen dem 1. Februar 2026 und 31. Juli 2026 gilt: 7,78 Cent pro kWh bei Teileinspeisung, 12,34 Cent pro kWh bei Volleinspeisung.

Solarthermie-Anlagen zur Heizungsunterstützung fördert der Staat direkt über das KfW-Programm 458. Ab dem 21. Juli 2026 gelten laut KfW-Information für Multiplikatoren vom 9. Juli 2026 neue Fördersätze. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent. Der Klimageschwindigkeitsbonus liegt bei 16 Prozent beim Austausch einer alten fossilen Heizung. Der Einkommensbonus erreicht bis zu 40 Prozent bei einem Haushaltseinkommen bis 30.000 Euro. Die Kombination ist gedeckelt bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten, bei einem Einkommen bis 40.000 Euro bei 80 Prozent. Der Förderhöchstbetrag für die erste Wohneinheit liegt bei 28.000 Euro und sinkt ab dem 1. Februar 2027 stufenweise. Voraussetzung ist ein Kollektor von der BAFA-Liste förderfähiger Solaranlagen. Alle Fördermöglichkeiten für die PV-Seite bündelt der Beitrag Photovoltaik Förderung 2026.

Wie schnell amortisiert sich Photovoltaik im Vergleich zu Solarthermie?

Eine Photovoltaikanlage amortisiert sich in dieser Modellrechnung nach rund 8,5 Jahren, eine vergleichbare Solarthermieanlage nach rund 17,5 Jahren. Die folgende Rechnung macht alle Annahmen offen.

Photovoltaik, 8 kWp, Investition 11.200 Euro (1.400 €/kWp, ohne Speicher):

  • Jahresertrag: rund 950 kWh pro kWp, macht 7.600 kWh im Jahr.
  • Eigenverbrauch 30 Prozent: 2.280 kWh, Ersparnis bei 39,7 ct/kWh Haushaltsstrompreis (BDEW, 2025): 905 Euro.
  • Einspeisung 70 Prozent: 5.320 kWh, Vergütung bei 7,78 ct/kWh: 414 Euro.
  • Jährlicher Vorteil: 1.319 Euro. Amortisation: 11.200 € geteilt durch 1.319 € ergibt 8,5 Jahre.

Solarthermie, 12 m² Kollektorfläche, Warmwasser und Heizungsunterstützung, Investition 10.000 Euro:

  • Förderung: 30 Prozent Grundförderung über KfW 458, macht 3.000 Euro. Nettoinvestition: 7.000 Euro.
  • Energieeinsparung: 300 kWh pro m² und Jahr (Verbraucherzentrale, 2025), macht 3.600 kWh Erdgas-Äquivalent.
  • Ersparnis bei 11,10 ct/kWh Gaspreis (BDEW, 2026): 400 Euro pro Jahr.
  • Amortisation: 7.000 € geteilt durch 400 € ergibt 17,5 Jahre.

Beide Rechnungen basieren auf eigenen Annahmen zu Ertrag, Verbrauch und Energiepreisen. Ihre individuellen Werte weichen je nach Standort, Dachausrichtung und Verbrauchsprofil ab. Wie sich Eigenverbrauch und Einspeisung im Detail gegenrechnen, zeigt der Beitrag Photovoltaik: Eigenverbrauch vs. Einspeisung.

Wie viel Dachfläche brauchen Photovoltaik und Solarthermie?

Solarthermie benötigt für den gleichen Ertrag weniger Fläche als Photovoltaik, deckt aber nur einen Teil des Wärmebedarfs. Die folgende Tabelle vergleicht typische Flächenwerte für ein Einfamilienhaus.

AnlagentypFlächenbedarfQuelle
Solarthermie, nur Warmwasser3–6 m²Verbraucherzentrale, 2025
Solarthermie, mit Heizungsunterstützung9–20 m²Verbraucherzentrale, 2025
Photovoltaik4,5–6 m² pro kWpFraunhofer ISE, 2026
PVT-Hybridkollektorwie Photovoltaik, liefert zusätzlich WärmeC.A.R.M.E.N. e.V., 2026

Eine typische 8-kWp-PV-Anlage benötigt demnach 36 bis 48 Quadratmeter Dachfläche.

Photovoltaik oder Solarthermie: Was ist die richtige Wahl bei begrenzter Dachfläche?

Bei begrenzter Dachfläche entscheiden 3 Faktoren: vorhandenes Heizsystem, Stromverbrauch und Warmwasserbedarf. Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Fälle zu.

AusgangslageEmpfehlung
Wärmepumpe vorhanden oder geplantPhotovoltaik bevorzugen, Solarthermie ist meist redundant
Fossile Heizung bleibt, hoher WarmwasserbedarfSolarthermie sinnvoll, deckt bis zu 70 Prozent des Warmwasserbedarfs
Hoher Stromverbrauch, E-Auto oder Wallbox vorhandenPhotovoltaik priorisieren, erhöht den Eigenverbrauch
Dachfläche reicht für beide SystemeKombination aus Photovoltaik und Solarthermie oder PVT prüfen

Haushalte mit Wärmepumpe profitieren stärker von Photovoltaik. Der erzeugte Strom deckt einen Teil des Wärmepumpen-Stromverbrauchs direkt. Haushalte ohne Wärmepumpe und mit hohem Warmwasserbedarf sparen mit Solarthermie mehr Energie pro Quadratmeter ein. Wie viel Warmwasserbedarf sich allein mit PV-Strom über einen Heizstab decken lässt, erklärt der Beitrag Warmwasser mit Photovoltaik.

Lohnt sich Solarthermie noch, wenn Sie eine Wärmepumpe haben?

Solarthermie lohnt sich bei einer Wärmepumpe vor allem für die Warmwasserbereitung im Sommer. Eine Wärmepumpe braucht für Warmwasser Temperaturen von rund 60 Grad Celsius. Diese hohen Temperaturen senken die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe im Sommer. Solarthermie deckt den Warmwasserbedarf in den Sommermonaten fast vollständig ab (Verbraucherzentrale, 2025). Die Wärmepumpe bleibt in dieser Zeit abgeschaltet und spart Strom. Für die reine Raumheizung mit niedrigen Vorlauftemperaturen bringt Solarthermie neben einer Wärmepumpe dagegen wenig zusätzlichen Nutzen. Wie sich beide Systeme technisch kombinieren lassen, zeigt der Beitrag Wärmepumpe und Solarthermie: Hybrid-System.

Was sind PVT-Hybridkollektoren und lohnt sich die Kombination?

PVT-Hybridkollektoren erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme in einem Bauteil und lösen damit die Flächenkonkurrenz auf dem Dach. PVT steht für photovoltaisch-thermisch. Der Kollektor kombiniert eine PV-Zelle mit einem thermischen Absorber. Der deutsche Markt für PVT-Kollektoren ist noch jung. Eine Marktübersicht von C.A.R.M.E.N. e.V. listet aktuell rund 20 verfügbare Systeme (Stand Mai 2026). Anbieter sind unter anderem Consolar und Sunmaxx. Die Investitionskosten liegen bei rund 2.000 Euro pro kWp, zuzüglich der Wärmepumpe. Anders als reine Photovoltaik kann PVT über das BEG-Programm bezuschusst werden.

Der Gesamtmarkt entwickelt sich zugunsten kombinierter Systeme. Solarthermie-Neuanlagen gingen 2024 um 49 Prozent und 2025 um weitere 23 Prozent zurück (BSW-Solar, 2026). Photovoltaik-Neuanlagen im Eigenheim-Segment sanken 2025 um 28 Prozent, deutlich moderater. Rund 80 Prozent der neuen privaten PV-Dachanlagen wurden 2025 mit Batteriespeicher installiert. Rund 40 Prozent kamen zusammen mit einer Wärmepumpe oder einem Elektroauto (BSW-Solar, 2026). BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig beschreibt den Trend so: "Das Dream-Team aus Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto wird immer mehr zum Standard."

Wie lange halten Photovoltaik- und Solarthermieanlagen?

Photovoltaik-Module und Solarthermie-Kollektoren halten beide 20 bis 30 Jahre, einzelne Komponenten müssen aber früher erneuert werden. Die folgende Tabelle zeigt Lebensdauer und Wartungsaufwand im Vergleich.

KomponenteLebensdauerWartung
PV-ModuleLeistungsgarantie 25–30 JahreSichtprüfung alle 2–4 Jahre
Wechselrichter10–15 JahreHerstellergarantie 5–20 Jahre je nach Modell
Solarthermie-Kollektor20–30 JahreJährliche Inspektion empfohlen
Solarthermie-Pumpengruppe/Regler10–15 Jahre (Richtwert)Wechsel der Wärmeträgerflüssigkeit alle 5–10 Jahre

Der Wechselrichter ist bei Photovoltaik meist die erste Komponente, die vor Ende der Anlagen-Lebensdauer einen Austausch braucht. Bei Solarthermie betrifft das die Pumpengruppe und den Regler.

Häufige Fragen zu Photovoltaik und Solarthermie

Kann ich Photovoltaik und Solarthermie gleichzeitig aufs Dach bauen?

Ja, Photovoltaik und Solarthermie lassen sich auf einem Dach kombinieren, wenn die Fläche ausreicht. Reine Warmwasser-Solarthermie benötigt nur 3 bis 6 Quadratmeter. Der Rest der Dachfläche eignet sich dann für Photovoltaik. Alternativ ersetzt ein PVT-Hybridkollektor beide Systeme auf derselben Fläche.

Ist Solarthermie 2026 noch zukunftsfähig?

Solarthermie bleibt 2026 eine geförderte, aber schrumpfende Nischentechnologie. Die Neuinstallationen sanken 2024 und 2025 deutlich stärker als bei Photovoltaik. Für Haushalte ohne Wärmepumpe und mit hohem Warmwasserbedarf bleibt Solarthermie dennoch wirtschaftlich sinnvoll.

Brauche ich für Solarthermie eine Baugenehmigung?

In den meisten Bundesländern benötigen Sie für eine dachintegrierte oder dachparallele Solarthermieanlage keine Baugenehmigung. Ausnahmen gelten bei Baudenkmälern oder in Gestaltungssatzungen der Kommune. Prüfen Sie die Vorgaben vor Baubeginn bei Ihrer Gemeinde.

Welche Rolle spielt die Dachausrichtung bei beiden Technologien?

Süddächer liefern bei beiden Technologien den höchsten Ertrag. Südost- und Südwest-Ausrichtung bringen laut Verbraucherzentrale (2025) noch einen guten Ertrag. Bei Ost- oder West-Ausrichtung sinkt der Ertrag um rund ein Viertel. Eine Dachneigung von 30 bis 70 Grad eignet sich für Solarthermie gut.

Quellen & Belege

Fraunhofer ISE, Verbraucherzentrale, Bundesnetzagentur, KfW-Information für Multiplikatoren, BAFA, BSW-Solar, C.A.R.M.E.N. e.V., § 12 Abs. 3 UStG, Viessmann-Herstellerdatenblätter, BDEW.