Spreizung Wärmepumpe: Optimalwert und Berechnung
Die Spreizung liegt bei Wärmepumpen optimal zwischen 5 und 7 Kelvin – der Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf und Rücklauf im Heizkreis. Klassische Gas- und Ölheizungen arbeiten dagegen mit 15 bis 20 Kelvin. Eine falsche Spreizung senkt die Jahresarbeitszahl und lässt den Verdichter häufiger takten.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Spreizung = Temperaturdifferenz Vorlauf minus Rücklauf in Kelvin (K)
- Zielwert Wärmepumpe, Heizungsseite: 5 bis 7 Kelvin (BWP-Leitfaden Hydraulik)
- Zielwert Quellenseite (Sole/Wasser): 3 bis 5 Kelvin
- Klassische Gas-/Ölheizung: 15 bis 20 Kelvin Spreizung üblich
- Formel: ΔT = Q ÷ (V̇ × c × ρ), c Wasser = 4,18 kJ/(kg·K)
- Ursache zu kleiner Spreizung: überdimensionierte Pumpe oder fehlender hydraulischer Abgleich
- Ursache zu großer Spreizung: zu geringer Volumenstrom, verstopfter Filter, geschlossene Ventile
- Pflicht: hydraulischer Abgleich nach Verfahren B seit 1. Januar 2023 für BEG-Förderung
Was ist die Spreizung bei einer Wärmepumpe?
Die Spreizung ist die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauftemperatur und Rücklauftemperatur im Heizkreis. Die Formel lautet: Spreizung (K) = Vorlauftemperatur (°C) minus Rücklauftemperatur (°C). Bei 38 °C Vorlauf und 33 °C Rücklauf beträgt die Spreizung 5 Kelvin. Fachleute nennen sie auch Temperaturspreizung oder ΔT. Sie beschreibt, wie stark das Heizwasser beim Durchlauf durch die Heizflächen abkühlt.
Welcher Spreizungswert ist bei Wärmepumpen optimal?
Bei Wärmepumpen sind 5 bis 7 Kelvin auf der Heizungsseite optimal. Diesen Zielkorridor nennt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) in seinem Leitfaden Hydraulik. Auf der Quellenseite von Sole-Wasser-Wärmepumpen gelten 3 bis 5 Kelvin als Zielwert. Bei Heizkörpersystemen mit statischen Heizflächen toleriert der BWP bis zu 10 Kelvin. Zur Trinkwassererwärmung sind ebenfalls maximal 10 Kelvin vorgesehen.
| Systemtyp / Kreis | Ziel-Spreizung | Quelle |
|---|---|---|
| Wärmepumpe, Heizungsseite (Auslegungsbedingungen) | 5–7 K | BWP-Leitfaden Hydraulik, 2016 |
| Wärmepumpe, Heizkörper (statische Heizflächen) | bis 10 K | BWP-Leitfaden Hydraulik, 2016 |
| Wärmepumpe, Quellenseite (Sole/Wasser) | 3–5 K | BWP-Leitfaden Hydraulik, 2016 |
| Wärmepumpe, Trinkwassererwärmung | bis 10 K | BWP-Leitfaden Hydraulik, 2016 |
| Klassische Gas-/Ölheizung, Heizkörper | 15–20 K | Vaillant, Ratgeber Vorlauftemperatur, 2026 |
Die Tabelle zeigt: Wärmepumpen brauchen eine deutlich kleinere Spreizung als klassische Heizkessel. Messungen des Wärmepumpen Testzentrums Buchs bestätigen diesen Zielkorridor. Bei 5 Kelvin Spreizung erreichen Wärmepumpen den höchsten relativen COP-Wert.
Warum ist eine kleine Spreizung bei Wärmepumpen so wichtig?
Eine kleine Spreizung sichert den hohen Volumenstrom, den Wärmepumpen für einen guten COP-Wert benötigen. Der COP-Wert (Coefficient of Performance) beschreibt das Verhältnis von Heizleistung zu Stromaufnahme. Ein niedrigerer Kondensationsdruck verbessert diesen Wert direkt. Ein hoher Volumenstrom verhindert außerdem häufiges Takten des Verdichters. Häufiges Takten verkürzt die Lebensdauer des Verdichters spürbar. Bei der Vorlauftemperatur gilt derselbe Grundsatz: niedriger ist meist effizienter.
Wie berechnen und messen Sie die Spreizung?
Sie berechnen die Spreizung aus Heizleistung, Volumenstrom und der Wärmekapazität von Wasser. Die Formel lautet: ΔT = Q ÷ (V̇ × c × ρ). Q ist die Heizleistung in Kilowatt. V̇ ist der Volumenstrom in Litern pro Stunde. c ist die spezifische Wärmekapazität von Wasser mit 4,18 Kilojoule pro Kilogramm und Kelvin. ρ ist die Dichte von Wasser mit rund 1 Kilogramm pro Liter. Der Rechner unten übernimmt diese Berechnung für Sie.
Spreizungsrechner: Heizleistung und Volumenstrom
Formel: ΔT = Q × 3.600 ÷ (V̇ × 4,18). Wärmekapazität Wasser cp = 4,18 kJ/(kg·K), Dichte ρ = 1 kg/l (BWP-Leitfaden Hydraulik, 2016).
Bei 10 Kilowatt Heizleistung und 1.435 Litern pro Stunde Volumenstrom ergibt sich eine Spreizung von 6 Kelvin. Dieser Wert liegt im optimalen BWP-Zielkorridor von 5 bis 7 Kelvin.
Die Messung erfolgt über kalibrierte Temperaturfühler an Vorlauf und Rücklauf. Die Genauigkeit sollte mindestens ±0,5 Kelvin betragen. Ein Durchflussmesser zeigt den tatsächlichen Volumenstrom direkt an. Moderne Wärmepumpen-Regler zeigen Vorlauftemperatur, Rücklauftemperatur und Volumenstrom bereits im Display an.
Was verursacht eine zu kleine oder zu große Spreizung?
Eine zu kleine Spreizung entsteht meist durch eine überdimensionierte Pumpe oder einen fehlenden hydraulischen Abgleich. Falsch eingestellte Volumenstromregler erhöhen den Durchfluss unnötig. Falsch dimensionierte Heizkörper verursachen dagegen oft eine zu große Spreizung. Auch verstopfte Filter oder geschlossene Ventile verringern den Volumenstrom. Ohne hydraulischen Abgleich erreichen einzelne Heizkreise stark unterschiedliche Spreizungswerte.
| Symptom | Ursache | Folge |
|---|---|---|
| Spreizung unter 5 K | Pumpe zu groß eingestellt, kein Abgleich | Hoher Pumpenstrom, häufiges Takten |
| Spreizung 7 bis 10 K | Heizkörper knapp dimensioniert | Noch vertretbar, Komfort sinkt bei Kälte |
| Spreizung über 10 K | Zu geringer Volumenstrom, Filter verstopft | Risiko einer Hochdruckstörung, kalte Räume |
Die Tabelle zeigt: Unter 5 Kelvin steckt meist zu viel Pumpenleistung dahinter. Über 10 Kelvin fehlt dagegen Durchfluss.
Wie stellen Sie die Spreizung richtig ein?
Der hydraulische Abgleich ist die wichtigste Maßnahme für die richtige Spreizung. Seit dem 1. Januar 2023 ist für die BEG-Förderung das raumweise Verfahren B verpflichtend. Das Verfahren berechnet die Heizlast jedes Raums nach DIN EN 12831. Anschließend stellt der Fachbetrieb Thermostatventile und Pumpendrehzahl passend ein. Die Pumpenregelung Δp-v (Proportionaldruck) eignet sich für Heizkörpersysteme. Für Fußbodenheizungen reicht meist die Konstantdruckregelung Δp-c aus.
Welche Folgen hat eine falsche Spreizung?
Eine falsche Spreizung senkt die Jahresarbeitszahl und erhöht den Verschleiß. Ein zu geringer Volumenstrom führt zu häufigerem Takten des Verdichters. Jeder zusätzliche Start belastet den Verdichter mechanisch. Eine dauerhaft zu hohe Rücklauftemperatur erhöht den Kondensationsdruck. Ein höherer Kondensationsdruck verschlechtert den COP-Wert spürbar. Über mehrere Jahre steigen so die Stromkosten messbar an.
Häufig gestellte Fragen zur Spreizung
Was ist eine gute Spreizung bei einer Wärmepumpe?
Eine gute Spreizung liegt bei 5 bis 7 Kelvin auf der Heizungsseite. Das entspricht den Vorgaben des Bundesverbands Wärmepumpe.
Ist eine Spreizung von 3 Kelvin zu niedrig?
Auf der Heizungsseite ist 3 Kelvin meist zu niedrig. Auf der Quellenseite von Sole-Wasser-Wärmepumpen ist dieser Wert dagegen normal.
Warum ist die Spreizung bei Gasheizungen höher?
Gasheizungen benötigen keinen hohen Volumenstrom für einen guten Wirkungsgrad. Deshalb arbeiten sie wirtschaftlich mit 15 bis 20 Kelvin Spreizung.
Wie oft sollten Sie die Spreizung prüfen?
Einmal jährlich reicht bei einer stabilen Anlage aus. Nach jedem hydraulischen Abgleich lohnt sich zusätzlich eine Kontrollmessung.
Spreizung Wärmepumpe: Kurz zusammengefasst
Die Spreizung entscheidet über Effizienz und Lebensdauer Ihrer Wärmepumpe. 5 bis 7 Kelvin sind der Zielkorridor für die Heizungsseite. Ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B stellt diesen Wert zuverlässig ein. Der Rechner oben zeigt Ihnen die Spreizung Ihrer Anlage in Sekunden.
Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Leitfaden Hydraulik (2016) und Leitfaden Wärmepumpendimensionierung (Stand 11/2025); Wärmepumpen Testzentrum Buchs, zitiert nach jahresarbeitszahlen.info; Vaillant Deutschland, Ratgeber Vorlauftemperatur (2026); VdZ – Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik, Formulare hydraulischer Abgleich.


