Max Nestler
March 16, 2026
Lesezeit
13
Minuten
Photovoltaik + Batterie
Grundlagen

Direkte Strahlung: Warum sie für Ihre Photovoltaikanlage entscheidend ist

Direkte Strahlung ist der Anteil der Sonneneinstrahlung, der ohne Streuung in der Atmosphäre geradlinig auf Ihre Photovoltaikmodule trifft, und macht in Deutschland im Jahresmittel rund 50 Prozent der gesamten Globalstrahlung aus. Sie erzeugt die scharfen Schatten, die Sie an klaren Tagen sehen, und liefert bei wolkenlosem Himmel die höchste Leistung Ihrer Anlage. Ausrichtung, Neigungswinkel und Verschattung entscheiden darüber, wie viel dieser direkten Strahlung tatsächlich auf Ihren Modulen ankommt.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Direkte Strahlung liefert in Deutschland rund 50 % der jährlichen Globalstrahlung, den Rest liefert diffuse Strahlung
  • Bei klarem Himmel: 900–1.000 W/m² direkte Strahlung, bei Bewölkung unter 100 W/m²
  • Optimale Ausrichtung (Süd, 30–35° Neigung) erzeugt 15–25 % mehr Ertrag als eine Standardlösung
  • Verschattungszeit von 2–3 Stunden täglich senkt den Jahresertrag um 20–35 %
  • Globalstrahlung schwankt regional um rund 20 % (DWD-Mittel 1991–2020: 1.086 kWh/m²)
  • Diffuse Strahlung macht PV-Module und Solarthermie-Kollektoren auch bei Bewölkung nutzbar

Was direkte Strahlung für Ihre Solaranlage bedeutet

Der praktische Unterschied im Ertrag

Bei klarem Himmel erreicht die direkte Strahlung 900 bis 1.000 Watt pro Quadratmeter. Ihre Photovoltaikmodule arbeiten dann mit voller Leistung. Ein 10-Kilowatt-System erzeugt in diesen Stunden 8 bis 9 Kilowatt.

Bei bewölktem Himmel sinkt die direkte Strahlung auf unter 100 Watt pro Quadratmeter. Die diffuse Strahlung übernimmt die Versorgung. Ihr System erzeugt dann nur noch 1 bis 2 Kilowatt, etwa 15 Prozent der Maximalleistung.

Der Unterschied zeigt sich in der Jahresbilanz. Ein optimal ausgerichtetes System mit minimaler Verschattung erzeugt 900 bis 1.100 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt. Eine verschattete Anlage erreicht nur 650 bis 800 Kilowattstunden.

Direkte vs. diffuse Strahlung: die zwei Komponenten

EigenschaftDirekte StrahlungDiffuse Strahlung
Herkunftungefiltert von der Sonnegestreut an Wolken/Atmosphäre
Anteil in Deutschlandca. 50 % der Jahressummeca. 50 % der Jahressumme
Intensität bei Klarheit900–1.000 W/m²100–200 W/m²
Intensität bei Wolkenunter 50 W/m²300–500 W/m²
PV-Leistungsausbeute85–95 %10–20 %

Direkte Strahlung durchläuft die Atmosphäre ohne Ablenkung. Diffuse Strahlung entsteht durch Streuung an Luftmolekülen und Wolkentröpfchen und kommt aus allen Richtungen gleichzeitig. An bewölkten Tagen liefert sie die gesamte verfügbare Energie.

Die Globalstrahlung ist die Summe beider Komponenten auf einer waagerechten Fläche. In Deutschland beträgt sie im langjährigen Mittel (Referenzperiode 1991 bis 2020) rund 1.086 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Diffuse Strahlung: Bedeutung für Photovoltaik und Solarthermie

Was diffuse Strahlung ist und warum sie zählt

Diffuse Strahlung ist der Teil der Sonnenenergie, der beim Durchqueren der Atmosphäre an Luftmolekülen, Aerosolen und Wolkentröpfchen gestreut wird, bevor er die Erdoberfläche erreicht. Sie besitzt keine feste Richtung und trifft aus dem gesamten Himmelsgewölbe gleichzeitig auf Ihr Dach – auch von der Nord- oder Ostseite.

An einem bedeckten Tag stammt praktisch die gesamte ankommende Strahlung aus diesem diffusen Anteil. Deshalb erzeugt eine Photovoltaikanlage auch ohne direkte Sonne noch Strom, allerdings mit deutlich reduzierter Leistung: 10 bis 20 Prozent der Nennleistung sind bei durchgehender Bewölkung realistisch.

Für die Modulausrichtung bedeutet das: Diffuse Strahlung reagiert kaum auf den Einstrahlwinkel. Anders als bei direkter Strahlung spielt eine leicht suboptimale Ausrichtung bei diffusem Licht eine untergeordnete Rolle, weil die Strahlung ohnehin aus allen Richtungen kommt.

Diffuse Strahlung in der Solarthermie

Solarthermie-Kollektoren nutzen diffuse Strahlung nach demselben Prinzip wie Photovoltaik-Module. Flachkollektoren wandeln einen hohen Anteil der diffusen Strahlung in Wärme um, weil ihre beschichtete Absorberfläche nicht auf einen exakten Einstrahlwinkel angewiesen ist. Auch bei bedecktem Himmel erwärmt sich der Absorber, sodass eine Solarthermie-Anlage ganzjährig einen Beitrag zur Warmwasserbereitung liefert – nur mit geringerer Leistung als bei direkter Strahlung. Vakuumröhrenkollektoren nutzen diffuse Strahlung dagegen etwas weniger effizient als Flachkollektoren, da ihre Bauform stärker auf gerichtetes Licht ausgelegt ist.

Ausrichtung und Neigungswinkel: So nutzen Sie direkte Strahlung optimal

Die Verbindung zwischen Ausrichtung und Leistung

Ihre Photovoltaikmodule erzeugen den höchsten Strom, wenn die direkte Strahlung senkrecht auf die Moduloberfläche trifft. Der Winkel zwischen Sonnenstrahlen und Modul bestimmt die Leistung.

Südausrichtung (0° Azimut): volle Nutzung der Mittagssonne, maximale direkte Strahlung im Winter, Jahresertrag 950 bis 1.100 kWh/kWp.

Ost-West-Ausrichtung (90°/270° Azimut): Stromerzeugung morgens und abends, reduzierte Mittagsspitze, flacherer Tagesverlauf, Jahresertrag 850 bis 950 kWh/kWp.

Nordausrichtung (180° Azimut): primär diffuse Strahlung nutzbar, minimaler Direktstrahlungsanteil, Jahresertrag 550 bis 650 kWh/kWp.

Der ideale Neigungswinkel für maximale direkte Strahlung

Der Neigungswinkel Ihrer Module bestimmt, wie viel direkte Strahlung sie im Jahresverlauf einfangen.

WinkelSommerWinterJahresertrag (kWp)Ideal für
0° (flach)sehr gutschlecht800–900 kWhFlachdach
30–35°sehr gutgut980–1.100 kWhDE-Optimum
40–45°gutsehr gut950–1.050 kWhNord-DE/Winter
90° (vertikal)schlechtmittel600–700 kWhFassade

In Deutschland liegt der optimale Neigungswinkel bei 30 bis 35 Grad. Diese Ausrichtung fängt die direkte Strahlung im Jahresverlauf am besten ein. Flachere Winkel von 20 bis 25 Grad eignen sich, wenn vor allem der Sommerertrag zählt. Steilere Winkel von 40 bis 45 Grad erhöhen die Winterleistung bei niedrigem Sonnenstand.

Verschattung: der größte Ertragsverlust bei direkter Strahlung

Wie Schatten den Ertrag reduzieren

Direkte Strahlung funktioniert nur ungefiltert. Ein einzelner Schatten – von Schornstein, Baum oder Nachbargebäude – eliminiert die direkte Komponente auf der betroffenen Fläche vollständig, und weil Solarzellen in Reihe geschaltet sind, begrenzt das schwächste verschattete Modul oft die Leistung des gesamten Strings.

Teilverschattung (10 % der Modulfläche):

  • direkte Strahlung auf der verschatteten Fläche fällt vollständig aus
  • Gesamtertrag sinkt um 15 bis 25 Prozent, abhängig von der Modulverschaltung
  • Jahresverlust: 140 bis 230 kWh pro kWp

Zeitweise Verschattung (2 bis 3 Stunden täglich):

  • Verlust während der Verschattungszeit: 90 bis 95 Prozent
  • Gesamtertrag sinkt um 20 bis 35 Prozent
  • Jahresverlust: 190 bis 330 kWh pro kWp

Ganztägige Verschattung:

  • nur diffuse Strahlung steht zur Verfügung
  • Gesamtertrag sinkt um 70 bis 85 Prozent
  • Jahresverlust: 665 bis 850 kWh pro kWp

Verschattungszeit: Definition und Berechnung

Die Verschattungszeit ist der Zeitraum, in dem ein Hindernis – etwa ein Schornstein, ein Baum oder ein Nachbargebäude – die direkte Sonnenstrahlung auf einen bestimmten Punkt der Modulfläche blockiert. Sie wird für jeden Tag im Jahr getrennt betrachtet, weil sich Sonnenhöhe und Sonnenazimut mit den Jahreszeiten verschieben.

Zur Berechnung ermitteln Fachbetriebe für jedes Hindernis den Höhenwinkel und den Azimutwinkel, unter dem es den Horizont verdeckt. Der Höhenwinkel ergibt sich aus der Höhendifferenz zwischen Hindernis und Modulfläche sowie der Entfernung zwischen beiden. Diese Horizontlinie legen Verschattungsanalyse-Software oder ein Sonnenbahndiagramm über den Sonnenverlauf des Standorts – die Sonnenhöhe und den Sonnenazimut für jede Stunde und jeden Monat. Überschneidet sich die Horizontlinie mit dem Sonnenverlauf, ist die Fläche zu dieser Uhrzeit und Jahreszeit verschattet. Gängige Planungssoftware berechnet den Abschattungsgrad üblicherweise im Zehn-Minuten-Takt für jedes betroffene Modul.

Aus der so ermittelten Verschattungszeit lässt sich der Ertragsverlust ableiten: Je länger die tägliche Verschattungszeit und je näher sie an den strahlungsstarken Mittagsstunden liegt, desto größer der Verlust. Eine kurze Verschattungszeit am frühen Morgen wirkt sich deutlich schwächer aus als dieselbe Dauer über die Mittagszeit.

Typische Verschattungsquellen und ihre Auswirkungen

Schornsteine: wandernder Schatten, meist 1 bis 3 betroffene Module, Ertragsverlust 8 bis 15 Prozent. Leistungsoptimierer oder eine angepasste Modulaufteilung begrenzen den Verlust.

Bäume: dynamischer, über Jahre wachsender Schatten, Ertragsverlust 15 bis 40 Prozent je nach Position. Rückschnitt oder eine veränderte Modulplatzierung schaffen Abhilfe.

Nachbargebäude: fester, planbarer Schattenwurf, besonders kritisch im Winter bei tiefem Sonnenstand, Ertragsverlust 5 bis 30 Prozent je nach Gebäudehöhe. Eine Verschattungsanalyse vor der Installation zeigt das Ausmaß.

Dachgauben und Antennen: lokal begrenzte Verschattung, meist 1 bis 2 betroffene Module, Ertragsverlust 5 bis 12 Prozent. Leistungsoptimierer oder eine angepasste String-Planung reduzieren den Ausfall.

Regionale Unterschiede in Deutschland

Strahlungswerte nach Bundesland

Die verfügbare Sonneneinstrahlung schwankt zwischen Nord- und Süddeutschland deutlich. Der DWD beziffert die Differenz zwischen dem strahlungsärmsten und dem strahlungsreichsten Gebiet auf rund 20 Prozent.

RegionGlobalstrahlung (Jahr)Direkter AnteilJahresertrag (kWp)
Schleswig-Holstein950–1.050 kWh/m²45–48 %850–950 kWh
Nordrhein-Westfalen1.000–1.100 kWh/m²48–51 %900–1.000 kWh
Baden-Württemberg1.100–1.200 kWh/m²52–55 %1.000–1.100 kWh
Bayern1.150–1.250 kWh/m²53–58 %1.050–1.150 kWh

Diese Bandbreiten orientieren sich am langjährigen DWD-Mittel (1991–2020) von 1.086 kWh/m² für Deutschland; einzelne Jahre weichen davon deutlich ab – 2025 lag die gemessene Jahressumme mit rund 1.187 kWh/m² spürbar darüber. Süddeutschland erhält im langjährigen Schnitt 20 bis 25 Prozent mehr Globalstrahlung als der Norden, bei einem entsprechend höheren Anteil direkter Strahlung. Das erklärt die im Schnitt höheren PV-Erträge in Süddeutschland – die Amortisationszeit einer Anlage verlängert sich im Norden dadurch üblicherweise um 1 bis 2 Jahre.

Saisonale Schwankungen und ihre Auswirkungen

Die direkte Strahlung unterliegt starken saisonalen Schwankungen. Im Sommerhalbjahr (April bis September) erreicht sie bei klarem Himmel 800 bis 1.000 W/m² bei 6 bis 8 Sonnenstunden täglich und liefert 65 bis 70 Prozent des Jahresertrags. Im Winterhalbjahr (Oktober bis März) sinkt sie auf 300 bis 500 W/m² bei 2 bis 4 Sonnenstunden täglich und trägt nur noch 30 bis 35 Prozent zum Jahresertrag bei.

Im Juli erzeugt eine Anlage etwa 4 bis 5 Mal mehr Strom als im Dezember. Diese ungleiche Verteilung beeinflusst die Eigenverbrauchsquote und die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers.

Messtechnik: Wie direkte Strahlung ermittelt wird

Für die präzise Planung großer PV-Anlagen misst ein Pyrheliometer die direkte Normalstrahlung (DNI): ein Sichtfeld von etwa 5 Grad, kontinuierliche Nachführung zur Sonne, Genauigkeit ±2 bis 3 Prozent. Der Deutsche Wetterdienst betreibt dafür rund 30 Messstationen und kombiniert diese Bodenmessungen mit Satellitendaten zu einem flächendeckenden Raster.

Für die Planung privater PV-Anlagen genügt eine vereinfachte Analyse aus drei Bausteinen: satellitenbasierte Strahlungsdaten (Auflösung etwa 250 mal 250 Meter, Genauigkeit ±8 bis 12 Prozent), eine Verschattungsanalyse vor Ort mittels Sonnenbahndiagramm oder Software, und eine Ertragssimulation, die Ausrichtung, Neigung und Verschattung zusammenführt (Genauigkeit ±5 bis 8 Prozent).

Sonderfall Konzentrator-Photovoltaik (CPV)

Konzentrator-Photovoltaik-Systeme bündeln Sonnenstrahlung mit Spiegeln oder Linsen auf hocheffiziente Solarzellen und funktionieren ausschließlich mit direkter Strahlung, da sich diffuse Strahlung nicht fokussieren lässt. CPV-Anlagen benötigen eine direkte Normalstrahlung von mindestens 1.800 kWh/m² pro Jahr. Deutschland erreicht mit 600 bis 1.000 kWh/m² pro Jahr nur einen Bruchteil davon, bei gleichzeitig hohem diffusem Anteil von rund 50 Prozent. Wirtschaftlich sinnvoll sind CPV-Anlagen deshalb nur in Sunbelt-Regionen wie Nordafrika, dem Nahen Osten oder dem Südwesten der USA mit 2.000 bis 2.500 kWh/m² pro Jahr. Für Standorte in Deutschland sind konventionelle Silizium-Module die richtige Wahl, weil sie sowohl direkte als auch diffuse Strahlung effizient nutzen.

Praktische Optimierung für Ihren PV-Ertrag

Checkliste: So nutzen Sie direkte Strahlung optimal

Vor der Installation zählen 5 Schritte: Verschattungsanalyse über alle Jahreszeiten, Ausrichtung möglichst nah an Süd (±30°), Neigungswinkel am Breitengrad ausrichten (30 bis 35° optimal), Bäume vor der Installation zurückschneiden, Modulplatzierung an vorhandene Verschattung anpassen.

Nach der Installation zählen ebenfalls 5 Schritte: Module 2 Mal jährlich reinigen, Tagesertrag über das Monitoring beobachten, Baumwuchs jährlich prüfen, Schnee bei Bedarf entfernen, Ertragsdaten regelmäßig mit der Prognose vergleichen.

Wann sich Leistungsoptimierer lohnen

Leistungsoptimierer steuern jedes Modul einzeln und begrenzen so Ertragsverluste durch Teilverschattung. Alternativ reduzieren Halbzellen-Solarmodule die Auswirkung von Teilverschattung bereits durch ihre Bauart, weil eine verschattete Zellhälfte weniger vom übrigen Modul mitzieht.

Sinnvoll sind sie bei unvermeidbarer Verschattung durch Schornstein oder Gauben, bei komplexen Dachformen mit Ost-West-Belegung und bei Bäumen in der Nähe; nicht notwendig bei vollständig verschattungsfreier Südausrichtung. Die Mehrkosten liegen bei 80 bis 120 Euro pro Modul, die Ertragssteigerung bei 5 bis 15 Prozent im Verschattungsfall, die Amortisation typischerweise bei 8 bis 12 Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Funktioniert meine PV-Anlage auch bei Bewölkung?

Ja, die Anlage funktioniert auch bei bewölktem Himmel und nutzt dann die diffuse Strahlung. Die Leistung sinkt auf 10 bis 20 Prozent der Nennleistung: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt an einem komplett bewölkten Tag etwa 1 bis 2 Kilowattstunden, statt 40 bis 50 Kilowattstunden an einem sonnigen Tag. Moderne Silizium-Module sind für diffuses Licht optimiert und arbeiten auch bei geringer Helligkeit noch effizient.

Wie stark reduziert Verschmutzung die direkte Strahlung?

Staub, Pollen und Vogelkot reduzieren vor allem die direkte Strahlung, während die diffuse Komponente weniger beeinträchtigt wird. Leichte Verschmutzung durch Staub kostet 2 bis 5 Prozent Ertrag, mittlere Verschmutzung durch Pollen und Laub 5 bis 12 Prozent, starke Verschmutzung durch Vogelkot 15 bis 25 Prozent. Regen reinigt Module ab einer Neigung von 20 Grad größtenteils selbst; bei flacheren Winkeln empfiehlt sich eine Reinigung 1 bis 2 Mal jährlich.

Lohnt sich eine PV-Anlage in Norddeutschland?

Ja. Der geringere Direktstrahlungsanteil reduziert den Ertrag gegenüber Süddeutschland um rund 10 bis 20 Prozent. In Schleswig-Holstein liegt der Jahresertrag bei 850 bis 950 kWh/kWp mit einer Amortisation von 10 bis 12 Jahren, in Bayern bei 1.050 bis 1.150 kWh/kWp mit einer Amortisation von 8 bis 10 Jahren. Die Anlage rechnet sich in beiden Regionen, nur die Amortisationszeit verlängert sich im Norden um etwa 2 Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen DNI und GHI?

DNI (Direct Normal Irradiance, direkte Normalstrahlung) misst nur die ungefilterte Sonneneinstrahlung auf eine zur Sonne ausgerichtete Fläche. GHI (Global Horizontal Irradiance, Globalstrahlung) misst die gesamte Sonneneinstrahlung auf eine horizontale Fläche – direkte plus diffuse Komponente. Für die Dachplanung ist die GHI relevanter, weil sie die tatsächlich verfügbare Energie beschreibt. Die DNI wird primär für Spezialanwendungen wie CPV-Anlagen benötigt.

Wie erkenne ich Verschattungsprobleme an meiner Anlage?

Verschattung zeigt sich in charakteristischen Mustern der Ertragsdaten: ein morgendlicher Einbruch deutet auf Schatten von Osten hin (Bäume, Nachbargebäude), ein Einbruch zur Mittagszeit auf Schatten von Süden (Schornstein, Antenne), ein Einbruch am Nachmittag auf Schatten von Westen (Bäume, Gebäude). Einzelne schwache Module weisen auf lokale Verschattung durch Gauben oder Dachfenster hin. Moderne Wechselrichter zeigen den Ertrag jedes Strings einzeln an; ein deutlich schwächerer String ist ein zuverlässiger Hinweis auf Verschattung.

Zusammenfassung: Direkte Strahlung optimal nutzen

Direkte Strahlung macht rund 50 Prozent der jährlichen Solarenergie in Deutschland aus und bestimmt die Spitzenleistung einer PV-Anlage. Die wichtigsten Stellhebel für einen hohen Ertrag sind eine Südausrichtung mit 30 bis 35 Grad Neigung, eine Verschattungsanalyse vor der Installation, eine minimale Verschattungszeit während der Mittagsstunden und eine regelmäßige Reinigung der Module.

Wer diese Faktoren berücksichtigt, erzeugt mit einer optimal geplanten Solaranlage auf dem Dach 15 bis 25 Prozent mehr PV-Ertrag als mit einer Standardlösung – über 20 Jahre ein Unterschied von mehreren Tausend Euro. Wer die Ost-West-Ausrichtung prüft oder die CO2-Bilanz der eigenen Photovoltaikanlage einschätzen möchte, findet dazu vertiefende Informationen in den verlinkten Artikeln.

Quellen & Belege

Deutscher Wetterdienst (DWD); Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE); PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System, Europäische Kommission).