Max Nestler
July 14, 2026
Lesezeit
10
Minuten
Photovoltaik + Batterie
Planungshilfen & Weiterführendes

PV-Anlage Ost-West-Ausrichtung: Ertrag und Wirtschaftlichkeit

Eine PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung erzeugt rund 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag als eine Südanlage. Der Unterschied ist kleiner, als viele annehmen. Eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage mit Südausrichtung produziert in Bayern etwa 11.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ost-West erzeugt rund 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag als Süd.
  • Dafür steigt der Eigenverbrauch durch Morgen- und Abendstrom — meist wirtschaftlich gleichwertig.
  • Ideal für Flachdächer: fast doppelte Modulzahl je Fläche.
  • Nötig ist ein Wechselrichter mit mindestens 2 MPP-Trackern.
  • Das Solarspitzengesetz trifft Ost-West kaum, weil die Leistungsspitze niedriger ist.

Was bedeutet Ost-West-Ausrichtung bei einer PV-Anlage?

Ost-West-Ausrichtung bezeichnet eine Anlage, deren Module in zwei Himmelsrichtungen zeigen: nach Osten (90 Grad Azimut) und nach Westen (270 Grad). Der Azimut beschreibt die Himmelsrichtung, Süden liegt dabei bei 180 Grad. Diese Aufteilung verteilt die Stromproduktion auf Morgen und Abend statt auf die Mittagsstunden.

Die Ost-Module zeigen nach 90 Grad Azimut, die West-Module nach 270 Grad. Auf Flachdächern stehen die Module typischerweise in A-Form aufgeständert, Rücken an Rücken wie ein Zeltdach. Die Ost-Seite hat eine Neigung von 10 bis 30 Grad nach Osten, die West-Seite eine identische Neigung nach Westen. Zwischen den Reihen bleibt ein Abstand von 0,5 bis 2 Metern. Auf Schrägdächern nutzen Sie die vorhandenen Dachflächen; die Neigung ist durch die Architektur vorgegeben und liegt meist bei 25 bis 45 Grad. Wie eine Photovoltaikanlage grundsätzlich Strom erzeugt, erklärt unser Beitrag zur Funktionsweise von Photovoltaik.

AusrichtungAzimutOptimale NeigungTypische Anwendung
Süd180°30–35°Maximaler Ertrag
Ost-West90° + 270°10–30°Flachdach, Eigenverbrauch
Ost90°25–30°Morgen-Produktion
West270°25–30°Abend-Produktion
Süd-Ost / Süd-West135° / 225°30°Kompromiss-Lösung

Die Hauptmotivation für Ost-West ist nicht der Ertrag, sondern die Flächeneffizienz und der Eigenverbrauch. Auf Flachdächern installieren Sie mit Ost-West bis zu doppelt so viele Module wie mit Südausrichtung. Eine Südaufständerung nutzt nur 40 bis 50 Prozent der Dachfläche, Ost-West 70 bis 90 Prozent. Auf gleicher Fläche installieren Sie das 1,8- bis 2,1-Fache an Leistung. Der höhere Eigenverbrauch folgt aus der zeitlichen Verteilung: Nur rund 20 Prozent der Produktion fallen in die Mittagsstunden.

Wie viel Ertrag bringt Ost-West im Vergleich zu Süd?

Eine Ost-West-Anlage erzeugt kombiniert rund 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag als eine vergleichbare Südanlage. Eine Süd-Anlage in Bayern liefert etwa 1.100 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak. Die Ost-West-Aufstellung erreicht je nach Neigung 85 bis 92 Prozent davon. Der genaue Wert hängt von Neigungswinkel und Standort ab.

Der spezifische Ertrag misst die Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak. In Deutschland liegt der Referenzwert für Südausrichtung bei 1.000 bis 1.150 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak (laut Einstrahlungsdaten des EU-Tools PVGIS der Europäischen Kommission).

AusrichtungSüddeutschlandNorddeutschlandVerlust vs. Süd
Süd 30° (Referenz)1.050–1.150 kWh/kWp850–950 kWh/kWp0 %
Ost oder West 30°700–805 kWh/kWp565–665 kWh/kWp~30 %
Ost-West 15° (Flach)893–978 kWh/kWp723–808 kWh/kWp~15 %
Ost-West 25°945–1.035 kWh/kWp765–855 kWh/kWp~10 %

Beispiel 10 kWp in Bayern (gerundet 8 Cent Einspeisung, 32 Cent Strombezug):

  • Süd 30°: 11.000 kWh Ertrag, 30 % Eigenverbrauch → Gesamtwert rund 1.672 € pro Jahr.
  • Ost-West 25° (2× 5 kWp): 10.000 kWh Ertrag, 55 % Eigenverbrauch → Gesamtwert rund 2.120 € pro Jahr.

Die Ost-West-Anlage erzeugt 1.000 Kilowattstunden weniger als Süd, verdient aber rund 448 Euro mehr pro Jahr. Der Grund liegt im Eigenverbrauch, der von 30 auf 55 Prozent steigt. Eine detaillierte Übersicht der Anlagenpreise finden Sie in unserem Beitrag zu den Photovoltaik-Kosten.

Warum wirkt ein Batteriespeicher bei Ost-West anders?

Ein Batteriespeicher lädt bei Ost-West-Anlagen gleichmäßiger über den Tag als bei Südanlagen. Die Ost-Module laden morgens, die West-Module nachmittags. Dadurch entsteht weniger Überschuss zur Mittagszeit, und der Speicher wird besser ausgenutzt. Ost-West-Anlagen kommen deshalb oft mit einem kleineren Speicher aus.

Ost-West plus Speicher erreicht Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 80 Prozent, Südanlagen mit Speicher 60 bis 70 Prozent. Die Ost-West-Anlage benötigt zudem einen kleineren Speicher: Südanlagen brauchen 1,0 bis 1,2 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak, bei Ost-West reichen 0,7 bis 0,9. Die Ersparnis beträgt 1.500 bis 2.500 Euro. Für langlebige Neuanlagen empfehlen wir LiFePO4-Speicher: Sie bieten 6.000 bis 10.000 Vollzyklen und 15 bis 20 Jahre kalendarische Lebensdauer.

Warum eignet sich ein Flachdach für Ost-West-Anlagen?

Flachdächer eignen sich besonders für Ost-West, weil die Module Rücken an Rücken stehen und sich kaum verschatten. Sie nutzen 70 bis 90 Prozent der Dachfläche statt 40 bis 50 Prozent bei aufgeständerter Südmontage. Auf gleicher Fläche installieren Sie so fast doppelt so viel Leistung.

Bei Südausrichtung halten Sie 3 bis 4 Meter Reihenabstand ein, um Verschattung bei tiefstehender Wintersonne zu vermeiden. Ost-West-Aufständerung senkt den Reihenabstand auf 1 bis 2 Meter, weil die Reihen in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Auf 100 Quadratmetern Flachdach passen so 12 Kilowatt-Peak statt 7. Das Montagesystem wird oft mit 10 bis 15 Grad Neigung installiert, für geringe Windlast und guten Ertrag. Welche Module sich eignen, zeigt unser Vergleich der Solarmodule.

Welchen Wechselrichter braucht eine Ost-West-Anlage?

Eine Ost-West-Anlage benötigt einen Wechselrichter mit mindestens 2 MPP-Trackern. Ein MPP-Tracker sucht den optimalen Arbeitspunkt der Module (Maximum Power Point). Ost- und West-Module haben zu jeder Tageszeit unterschiedliche Arbeitspunkte. Zwei getrennte Tracker regeln beide Seiten separat und steigern den Ertrag um 3 bis 8 Prozent.

String 1 verbindet alle Ost-Module, String 2 alle West-Module. Die Tracker arbeiten unabhängig: Die Ost-Seite wird morgens optimal betrieben, die West-Seite abends. Leistungsoptimierer sind eine Alternative für schwierige Dächer, kosten aber 2.000 bis 3.000 Euro für eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage. Für normale Ost-West-Anlagen ohne Verschattung genügen zwei separate Strings mit guten MPP-Trackern.

Was ändert das Solarspitzengesetz für Ost-West-Anlagen?

Das Solarspitzengesetz begrenzt seit dem 25. Februar 2025 die Einspeisung neuer Anlagen auf 60 Prozent der Nennleistung, solange kein Smart Meter und keine Steuerbox installiert sind (nach der EnWG-Novelle). Ost-West-Anlagen trifft diese Regel weniger, weil ihre Leistungsspitze ohnehin niedriger ausfällt als bei Südanlagen.

Ost-West-Systeme erreichen physikalisch selten mehr als 70 bis 80 Prozent ihrer installierten Leistung gleichzeitig. Der Ertragsverlust durch die 60-Prozent-Grenze liegt bei 0,5 bis 2 Prozent des Jahresertrags, bei Südanlagen bei 4 bis 8 Prozent. Für Anlagen über 7 Kilowatt-Peak ist ein intelligentes Messsystem Pflicht; die Umrüstung erfolgt innerhalb einer Übergangsfrist bis Februar 2027. Negative Börsenpreise treten meist mittags auf, wenn Ost-West-Anlagen weniger produzieren. Ein Energiemanagement lädt in diesen Zeiten automatisch Speicher, Wärmepumpe oder Elektroauto über die Wallbox.

Wie dimensionieren Sie den Speicher für Ost-West?

Für Ost-West-Anlagen genügen rund 0,6 bis 0,8 Kilowattstunden Speicher pro Kilowatt-Peak. Südanlagen benötigen 0,8 bis 1,0 Kilowattstunden, weil ihre Produktion stärker auf die Mittagszeit konzentriert ist. Die kleinere Speichergröße senkt die Investitionskosten um 1.500 bis 2.500 Euro.

JahresverbrauchOW-AnlageOW-Speicher
3.000 kWh6–7 kWp4–5 kWh
4.000 kWh8–9 kWp6–7 kWh
5.000 kWh10–12 kWp7–9 kWh
6.000 kWh12–14 kWp8–11 kWh

Wie gut ist der Ost-West-Ertrag im Winter?

Ost-West-Anlagen erreichen im Winter 85 bis 95 Prozent des Süd-Ertrags, im Sommer 80 bis 90 Prozent. Grund ist der flache Sonnenstand im Winter: Morgens und abends treffen die Strahlen die Ost-West-Module in einem günstigeren Winkel. Über das Jahr bleibt ein Unterschied von 10 bis 15 Prozent.

Wärmepumpen passen gut zum Ost-West-Profil. Morgens von 6 bis 9 Uhr heizt die Wärmepumpe vor, die Ost-Module liefern Strom. Abends von 17 bis 21 Uhr heizt sie erneut, die West-Module unterstützen bis 19 oder 20 Uhr. Der Speicher überbrückt die Lücken. Eine Ost-West-Anlage mit Speicher spart so rund 120 Euro mehr pro Winter als eine Südanlage.

Was kostet eine Ost-West-Anlage 2026?

Eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage in Ost-West kostet rund 12.200 Euro ohne Speicher, etwa 1.700 Euro mehr als eine Südanlage. Der Aufpreis entsteht durch Montagesystem, Verkabelung und Wechselrichter. Durch den höheren Eigenverbrauch amortisiert sich die Anlage in 9 bis 11 Jahren.

PositionSüd-AnlageOst-West-AnlageDifferenz
Module (24× 420 W)3.600 €3.600 €0 €
Wechselrichter1.800 €2.200 €+ 400 €
Montagesystem1.200 €1.800 €+ 600 €
Installation/Kabel3.300 €4.000 €+ 700 €
Gesamt (ohne Speicher)10.500 €12.200 €+ 1.700 €

Die Umsatzsteuer-Befreiung gilt für PV-Anlagen bis 30 Kilowatt-Peak auf Wohngebäuden (nach § 12 Abs. 3 UStG). Ihre Einnahmen bleiben zudem einkommensteuerfrei (nach § 3 Nr. 72 EStG). Welche Förderungen für Sie infrage kommen, prüft unser Förderservice.

Häufige Fragen

Wie viel weniger Ertrag bringt Ost-West gegenüber Süd?

Eine kombinierte Ost-West-Anlage erzeugt rund 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag als eine Südanlage gleicher Größe. Mit flacher Neigung von 10 bis 15 Grad liegt der Verlust bei etwa 15 Prozent, mit 25 bis 30 Grad bei 10 Prozent. Einzelne Ost- oder West-Flächen verlieren rund 30 Prozent.

Lohnt sich Ost-West trotz geringerem Ertrag?

Ost-West lohnt sich in vielen Fällen, weil der Eigenverbrauch deutlich steigt. Er liegt bei 50 bis 60 Prozent ohne Speicher statt 30 Prozent bei Süd. Da eine selbst genutzte Kilowattstunde 30 bis 35 Cent spart, gleicht der höhere Eigenverbrauch den geringeren Ertrag meist vollständig aus.

Welchen Wechselrichter braucht eine Ost-West-Anlage?

Eine Ost-West-Anlage benötigt einen Wechselrichter mit mindestens 2 MPP-Trackern. Ost- und West-Module werden auf getrennte Strings gelegt und separat geregelt. So arbeitet jede Seite in ihrem optimalen Arbeitspunkt. Der Ertrag steigt dadurch um 3 bis 8 Prozent gegenüber einem einzelnen Tracker.

Betrifft das Solarspitzengesetz Ost-West-Anlagen?

Das Solarspitzengesetz begrenzt die Einspeisung ohne Smart Meter auf 60 Prozent der Nennleistung. Ost-West-Anlagen trifft das kaum, weil ihre Leistungsspitze physikalisch selten über 70 bis 80 Prozent liegt. Der Ertragsverlust durch Abregelung beträgt 0,5 bis 2 Prozent, bei Südanlagen 4 bis 8 Prozent.

Wie groß sollte der Speicher bei Ost-West sein?

Für Ost-West genügen 0,6 bis 0,8 Kilowattstunden Speicher pro Kilowatt-Peak, für Süd 0,8 bis 1,0. Eine 10-Kilowatt-Peak-Ost-West-Anlage kommt mit 7 bis 9 Kilowattstunden aus. Der kleinere Speicher senkt die Investition um 1.500 bis 2.500 Euro gegenüber einer vergleichbaren Südanlage.

Quellen & Belege

Bundesnetzagentur (EEG-Einspeisevergütung), Solarspitzengesetz/EnWG, PVGIS der Europäischen Kommission, § 12 Abs. 3 UStG, § 3 Nr. 72 EStG, KfW 270.