Glas-Glas-Module 2026: Aufbau, Preise, Kaufberatung
Glas-Glas-Module ersetzen die Rückseitenfolie eines Solarmoduls durch eine zweite Glasscheibe. Der Aufbau macht die Module robuster, langlebiger und meist bifazial nutzbar. Dieser Ratgeber zeigt Aufbau, Mehrertrag, Preise, Recycling und passende Einsatzbereiche für 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Glasscheiben statt Glasscheibe + Rückseitenfolie, meist rahmenlos mit bifazialen Zellen
- Bifazialer Mehrertrag von 5 bis 15 Prozent laut Fraunhofer ISE, abhängig von Albedo und Montageart
- Bis zu 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie möglich, gegenüber häufig 25 Jahren bei Glas-Folie-Modulen
- 7,5 bis 12,5 Prozent weniger CO2 in der Produktion, aber aufwendigeres Recycling durch verklebte Glasscheiben
- Preisaufschlag von etwa 5 bis 25 Prozent gegenüber Glas-Folie-Modulen
Was sind Glas-Glas-Module?
Ein Glas-Glas-Modul kapselt die Solarzellen zwischen zwei Glasscheiben statt zwischen einer Glasscheibe und einer Rückseitenfolie (Backsheet). Ein Einkapselungsmaterial aus EVA oder POE verbindet beide Scheiben fest mit den Zellen. Viele Hersteller verzichten dabei auf den Aluminiumrahmen, weil zwei Glasscheiben die Zellen bereits ausreichend schützen. Die meisten Glas-Glas-Module nutzen bifaziale Solarzellen. Bifaziale Zellen (Zellen mit aktiver Vorder- und Rückseite) wandeln Licht auf beiden Seiten in Strom um. Details zum Zellaufbau erklärt der Beitrag Solarzelle – Aufbau, Funktion und Technologien. Häufig kombinieren Hersteller Glas-Glas-Module zusätzlich mit Halbzellen. Wie diese Bauweise Verschattungsverluste reduziert, zeigt der Beitrag Halbzellen-Solarmodule.
Wie unterscheiden sich Glas-Glas- und Glas-Folie-Module?
Glas-Glas-Module wiegen mehr, halten länger und kosten in der Anschaffung meist mehr als Glas-Folie-Module. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Unterschiede gegenüber.
| Merkmal | Glas-Glas-Modul | Glas-Folie-Modul |
|---|---|---|
| Rückseite | Glasscheibe | Kunststoff-Backsheet |
| Rahmen | oft rahmenlos | meist Aluminiumrahmen |
| Gewicht pro m² | ca. 13 kg | ca. 11 kg |
| Leistungsgarantie | häufig 30 Jahre | häufig 25 Jahre |
| Modulpreis | höher | niedriger |
Die Zahlen sind Richtwerte aus aktuellen Herstellerdatenblättern und Marktbeobachtungen. Einzelne Modelle weichen davon ab.
Wie viel Mehrertrag bringt die Bifazialität?
Bifaziale Glas-Glas-Module erzielen laut Fraunhofer ISE zusätzlich 5 bis 15 Prozent Ertrag gegenüber einseitigen Modulen. Der genaue Wert hängt von der Albedo ab, also der Reflexion des Untergrunds. Helle Kiesflächen, weißes Dachfolienmaterial oder Schnee erhöhen den rückseitigen Lichteinfall zusätzlich. Freiflächenanlagen mit hellem Untergrund und größerem Abstand zur Fläche erreichen deshalb oft höhere Zusatzerträge als Aufdach-Anlagen. Wie stark die Rückseite tatsächlich beiträgt, beschreibt der sogenannte Bifazialitätsfaktor. Die Norm IEC TS 60904-1-2 (in Deutschland als VDE V 0126-4-1-2 übernommen) legt die Messmethode dafür fest. Meyer Burger gibt für sein Glas-Glas-Modul "Glass" laut Datenblatt einen Bifazialitätsfaktor von rund 90 Prozent an.
Wie lange halten Glas-Glas-Module?
Glas-Glas-Module altern langsamer als Glas-Folie-Module und tragen deshalb oft längere Garantien. Fraunhofer ISE bestätigt das in einer Lebenszyklus-Studie von 2021. Die Module erreichen dort eine längere Lebensdauer. Sie zeigen zudem eine geringere jährliche Degradation als Module mit Rückseitenfolie. Mehrere Hersteller spiegeln das in ihren Garantiebedingungen. LONGi gibt für das Modell Hi-MO 7 (LR8-66HGD-610M) 12 Jahre Produktgarantie. Die Leistungsgarantie läuft linear gestaffelt über 30 Jahre, mit rund 87,4 Prozent Restleistung im Jahr 30. Trina Solar nennt für die Vertex-S+-Serie in Doppelglas-Ausführung bis zu 25 Jahre Produktgarantie und ebenfalls 30 Jahre Leistungsgarantie. JA Solar gewährt für bifaziale Doppelglas-Module wie das JAM66D45 12 Jahre Produktgarantie. Die Leistungsgarantie läuft linear gestaffelt über 30 Jahre, mit rund 83 Prozent Restleistung nach 25 Jahren. Meyer Burger geht bei seinem Modell "Glass" noch weiter: 30 Jahre Produkt- und 30 Jahre Leistungsgarantie. Einen Gesamtüberblick zur Alterung von PV-Modulen liefert der Beitrag Lebensdauer Photovoltaik.
Wie stabil sind Glas-Glas-Module bei Schnee, Hagel und Gewicht?
Zwei Glasscheiben erhöhen die Schneelast- und Hagelresistenz eines Moduls, aber auch sein Gewicht. Meyer Burger nennt für sein Glas-Glas-Modul eine zulässige Schneelast von bis zu 6.000 Pascal. Die zulässige Windlast liegt bei bis zu 4.000 Pascal. Das Modul erreicht laut Datenblatt die Hagelwiderstandsklasse HW3. Glas-Glas-Module wiegen dafür im Schnitt rund 2 bis 3 kg mehr pro Modul als vergleichbare Glas-Folie-Module. Bei größeren Dachflächen summiert sich das zusätzliche Gewicht spürbar. Lassen Sie die Dachstatik deshalb vor der Installation von einem Fachbetrieb prüfen. Alle Module durchlaufen unabhängig vom Aufbau dieselbe Bauart- und Sicherheitsprüfung nach IEC 61215 und IEC 61730.
Was kosten Glas-Glas-Module 2026?
Glas-Glas-Module kosten je nach Hersteller und Marktlage rund 5 bis 25 Prozent mehr als vergleichbare Glas-Folie-Module. Die folgende Beispielrechnung zeigt die Mehrkosten für eine 10-kWp-Anlage.
- Glas-Folie-Module: 10.000 Wp × 0,13 €/Wp = 1.300 Euro (Marktbeobachtung Winter 2025/2026).
- Glas-Glas-Module: 10.000 Wp × 0,17 €/Wp = 1.700 Euro (Marktbeobachtung Winter 2025/2026).
- Mehrkosten auf Modulebene: 400 Euro.
Die Mehrkosten beziehen sich nur auf die Module, nicht auf die Gesamtanlage mit Wechselrichter, Montage und Speicher. Eine vollständige Aufschlüsselung aller Kostenbestandteile einer PV-Anlage liefert der Beitrag Photovoltaik Kosten 2026. Der Preisabstand zwischen beiden Bauarten ist 2026 kleiner als noch vor wenigen Jahren. Der Grund: Mehrere große Hersteller haben ihre Fertigung auf Glas-Glas umgestellt.
Lassen sich Glas-Glas-Module gut recyceln?
Glas-Glas-Module sind bei der Herstellung klimafreundlicher, aber am Lebensende aufwendiger zu recyceln als Glas-Folie-Module. Das ist ein verbreiteter Irrtum: Nicht jeder Klimavorteil in der Produktion setzt sich beim Recycling fort. Laut Fraunhofer ISE verursachen rahmenlose Glas-Glas-Module bei der Herstellung 7,5 bis 12,5 Prozent weniger CO2 als Glas-Folie-Module. Der Grund: Der energieintensive Aluminiumrahmen entfällt. Bezogen auf die erzeugte Kilowattstunde liegt der Vorteil sogar bei 22 bis 27 Prozent. Die Module halten dafür länger. Beim Recycling kehrt sich der Vorteil teilweise um. Recyclingbetriebe müssen bei Glas-Glas-Modulen zwei mit Einkapselungsfolie fest verklebte Glasscheiben trennen. Bei Glas-Folie-Modulen lässt sich dagegen nur eine Glasscheibe vom Backsheet lösen. Beide Bauarten liefern Altglas bislang nur in einer Downcycling-Qualität, die sich nicht für neue Solarmodule eignet. Hersteller sind über Rücknahmesysteme wie PV Cycle zur kostenlosen Rücknahme verpflichtet, unabhängig vom Modulaufbau.
Für wen lohnen sich Glas-Glas-Module?
Glas-Glas-Module lohnen sich besonders für Freiflächenanlagen, Fassaden und Solarcarports. Freiflächenanlagen profitieren vom hellen Untergrund und vom größeren bifazialen Mehrertrag. Fassaden-PV nutzt die höhere mechanische Stabilität der Module im vertikalen Einbau. Solarcarports profitieren zusätzlich von der teiltransparenten Bauweise vieler Glas-Glas-Module. Bei reduzierter Zellbelegung lässt ein Carport-Dach dann noch Licht durch. Details zu teiltransparenten Modulen für Carport und Fassade zeigt der Beitrag Transparente Solarmodule. Wie sich ein Solarcarport insgesamt wirtschaftlich rechnet, erklärt der Beitrag Solar Carport. Für ein klassisches Steildach mit dunklem Ziegel lohnt sich der Aufpreis dagegen seltener. Der bifaziale Zusatzertrag fällt dort gering aus.
Welche Hersteller bieten Glas-Glas-Module an?
LONGi, Trina Solar, JA Solar und Meyer Burger zählen zu den bekanntesten Anbietern bifazialer Glas-Glas-Module. Die folgende Tabelle vergleicht ein Beispielmodell je Hersteller.
| Hersteller | Modell | Leistung | Garantie |
|---|---|---|---|
| LONGi | Hi-MO 7 (LR8-66HGD-610M) | 610 Wp | 12 J Produkt / 30 J Leistung |
| Trina Solar | Vertex S+ (Doppelglas) | ca. 505–515 Wp | bis 25 J Produkt / 30 J Leistung |
| JA Solar | JAM66D45 (Doppelglas, bifazial) | ca. 580–620 Wp | 12 J Produkt / 30 J Leistung |
| Meyer Burger | Glass | ca. 370–390 Wp | 30 J Produkt / 30 J Leistung |
Die Angaben stammen aus den öffentlichen Herstellerdatenblättern der jeweiligen Modelle. Prüfen Sie vor dem Kauf immer das aktuelle Datenblatt, da Hersteller ihre Modellreihen regelmäßig aktualisieren.
Häufige Fragen zu Glas-Glas-Modulen
Sind Glas-Glas-Module schwerer als normale Module?
Ja, Glas-Glas-Module wiegen im Schnitt rund 2 bis 3 kg mehr pro Modul als Glas-Folie-Module. Der Unterschied entsteht durch die zweite Glasscheibe anstelle der leichten Rückseitenfolie. Bei größeren Anlagen lohnt sich deshalb eine Prüfung der Dachstatik durch einen Fachbetrieb.
Brauchen Glas-Glas-Module einen Aluminiumrahmen?
Nein, viele Glas-Glas-Module kommen ohne Aluminiumrahmen aus. Die zwei Glasscheiben stabilisieren die Zellen bereits ausreichend. Das spart Gewicht am Rahmen, erhöht aber den Anteil an Glas im Modul.
Lohnt sich der Aufpreis für ein normales Einfamilienhaus-Dach?
Der Aufpreis lohnt sich vor allem bei Süd-, Ost- oder West-Dächern mit hellem Umfeld und langfristigem Nutzungshorizont. Auf einem dunklen Steildach ohne reflektierenden Untergrund fällt der bifaziale Mehrertrag gering aus. Die längere Garantie bleibt trotzdem ein Vorteil über die gesamte Nutzungsdauer.
Gibt es Glas-Glas-Module auch teiltransparent für Carports?
Ja, mehrere Hersteller bieten Glas-Glas-Module mit reduzierter Zellbelegung für Carports und Überdachungen an. Diese Module lassen einen Teil des Lichts durch die Zwischenräume zwischen den Zellen. Die Lichtdurchlässigkeit variiert je nach Zellabstand und Modellreihe.
Fraunhofer ISE, LONGi-Herstellerdatenblätter, Trina-Solar-Herstellerdatenblätter, JA-Solar-Herstellerdatenblätter, Meyer-Burger-Herstellerdatenblätter, IEC/VDE-Normen (IEC TS 60904-1-2, IEC 61215, IEC 61730).


