Glas-Glas-Module: Technologie, Vorteile und führende Hersteller
Glas-Glas-Module haben den Photovoltaikmarkt in den letzten Jahren revolutioniert und einen Marktanteil von inzwischen rund 90% erreicht. Diese innovative Technologie, bei der die Solarzellen zwischen zwei Glasscheiben eingefasst sind, bietet erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Glas-Folie-Modulen. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Funktionsweise, Vor- und Nachteile sowie die führenden Hersteller von Glas-Glas-Modulen.

Was sind Glas-Glas-Module?
Glas-Glas-Module, auch als "Double Glass" oder "Glass-Glass" bezeichnet, sind Solarmodule, bei denen die Solarzellen zwischen zwei Glasscheiben eingebettet sind. Im Gegensatz dazu verwenden konventionelle Glas-Folie-Module auf der Rückseite eine Kunststofffolie statt Glas.
Das grundlegende Prinzip hinter dieser Technologie ist einfach, aber wirkungsvoll: Der symmetrische Aufbau mit Glas auf beiden Seiten schützt die empfindlichen Solarzellen besser vor äußeren Einflüssen und reduziert mechanische Belastungen.
Aufbau und Funktionsweise
Der Schichtaufbau eines Glas-Glas-Moduls besteht typischerweise aus:
- Frontglas (2-3 mm dick) mit spezieller Antireflexbeschichtung
- EVA-Einbettungsfolie (Ethylen-Vinylacetat) als Schutz- und Verbindungsschicht
- Solarzellen (meist monokristalline PERC-, HJT- oder TOPCon-Zellen)
- Zweite EVA-Einbettungsfolie
- Rückseitenglas (2-3 mm dick)
- Aluminiumrahmen zur Stabilisierung
Ein entscheidender Vorteil dieses Aufbaus ist die Position der Solarzellen in der sogenannten "neutralen Faser". Dies bedeutet, dass bei Biegung oder Verformung des Moduls die Zellen selbst keinen Zug- oder Druckspannungen ausgesetzt werden, wodurch das Risiko von Mikrorissen erheblich reduziert wird.
Vorteile und Nachteile von Glas-Glas-Modulen
Die wichtigsten Vorteile
- Höhere Robustheit und Lebensdauer
Glas-Glas-Module halten extremen Wetterbedingungen wie Hagel, Schnee und Sturm deutlich besser stand. Die typische Lebensdauer liegt bei über 30 Jahren, während Glas-Folie-Module meist nur 25 Jahre erreichen. - Geringere Degradation
Die jährliche Leistungsabnahme (Degradation) ist bei Glas-Glas-Modulen wesentlich geringer. Sie liegt typischerweise bei nur 0,2% pro Jahr, im Vergleich zu 0,4-0,7% bei Glas-Folie-Modulen. Über die gesamte Lebensdauer kann dies einen Mehrertrag von bis zu 25% bedeuten. - Besseres Temperaturverhalten
Die Glasrückseite leitet Wärme effizienter ab, wodurch die Module kühler bleiben und bei hohen Temperaturen effizienter arbeiten. Dies reduziert den Leistungsverlust an heißen Sommertagen erheblich. - Verbesserte Brandschutzklasse
Da Glas nicht brennbar ist, weisen Glas-Glas-Module eine höhere Feuerwiderstandsklasse auf. Dies ermöglicht eine Installation mit geringerem Abstand zu Nachbargebäuden (oft nur 50 cm statt 1,25 m), was besonders bei Reihenhäusern von Vorteil ist. - Ideale Basis für bifaziale Module
Für bifaziale Module, die auch Licht von der Rückseite nutzen können, ist eine Glasrückseite ideal. Dies ermöglicht in geeigneten Installationssituationen einen zusätzlichen Energieertrag von 5-30%.
Nachteile und Herausforderungen
- Höheres Gewicht
Mit etwa 22-26 kg sind Glas-Glas-Module durchschnittlich 3-6 kg schwerer als vergleichbare Glas-Folie-Module. Dies kann mehr Befestigungspunkte bei der Installation erfordern. - Höhere Anschaffungskosten
Der Preis liegt etwa 10% über dem vergleichbarer Glas-Folie-Module. Allerdings wird dieser Kostennachteil durch die längere Lebensdauer und höhere Erträge über die Nutzungsdauer mehr als kompensiert. - Komplexere Installation
Die Anschlussdose befindet sich bei vielen Modellen in der Mitte statt am Rand, was die Installation etwas aufwendiger gestalten kann.
Marktentwicklung und Zukunftsaussichten
Die Verbreitung von Glas-Glas-Modulen mit dem Anschluss an einen Wechselrichter hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Von einem Nischenprodukt mit wenigen Prozent Marktanteil haben sie sich zum Standard entwickelt und halten inzwischen etwa 90% des Marktes.
Diese Entwicklung wird durch mehrere Faktoren begünstigt:
- Fortschritte in der Produktionstechnologie, die die Herstellungskosten senken
- Entwicklung dünnerer und leichterer Glasscheiben, die das Gewichtsproblem reduzieren
- Zunehmende Verbreitung von n-Typ-Zellen und bifazialer Technologie, die von Glas-Glas-Aufbau besonders profitieren
- Höhere Kundennachfrage nach langlebigen und zuverlässigen Solarmodulen
Nach Prognosen renommierter Hersteller wie Sharp werden Vollzellenmodule bis 2025 nahezu vollständig vom Markt verschwinden.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Trotz höherer Anschaffungskosten sind Glas-Glas-Module aufgrund ihrer Langlebigkeit und Ertragsstabilität wirtschaftlich attraktiv:
- Die Kosten pro Watt-Peak liegen derzeit bei durchschnittlich 0,35 € (Glas-Folie: ca. 0,23 €)
- Die längere Lebensdauer (30 statt 25 Jahre) erhöht den Gesamtertrag deutlich
- Die geringere jährliche Degradation (0,2% statt 0,4-0,7%) sorgt für stabilere Erträge
- Die bessere Leistung bei hohen Temperaturen und Teilverschattung führt zu höheren Jahreserträgen
Ein typisches 400-Watt-Glas-Glas-Modul kostet derzeit zwischen 140 € und 200 €, abhängig von Hersteller und Technologie.
Führende Hersteller und ihre Produkte
Der Markt für Glas-Glas-Module wird von einigen spezialisierten Herstellern dominiert, die sich durch verschiedene Schwerpunkte und Technologien differenzieren:
Deutsche und europäische Hersteller
Meyer Burger (Schweiz/Deutschland)
- Produktion in Deutschland
- Heterojunction-Technologie (HJT)
- Branchenführende Garantien: Nach 30 Jahren noch 93,2% Leistung
- Premium-Preissegment
Solarwatt (Deutschland)
- Fertigung in Dresden
- TOPCon-Technologie
- Cradle-to-Cradle-Zertifizierung (Silber)
- Bekannt für Qualität "Made in Germany"
Luxor Solar (Deutschland)
- Produktion in Europa und Asien
- Hohe Bifazialität (95%)
- PID- und LID-freie Module
Solitek (Litauen)
- Europäische Produktion
- Extrem belastbar (10.500 Pa Schneelast)
- Auch rahmenlose Varianten verfügbar
Internationale Hersteller
Auch führende internationale Hersteller haben ihr Portfolio auf Glas-Glas-Module umgestellt:
- Trina Solar: Vertex S/S+ mit n-Typ Zellen
- JA Solar: Leichte und effiziente Module
- Tongwei: Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- REC Solar: Innovative Technologien aus Norwegen
Empfehlungen für verschiedene Anwendungsszenarien
Je nach Anwendungsfall eignen sich unterschiedliche Glas-Glas-Module besonders gut:
Für Privathäuser und kleine Anlagen
- Bei begrenzter Dachfläche: Hocheffiziente Module wie Meyer Burger (bis 22,9% Wirkungsgrad)
- Bei geringer Traglast: Leichte Module wie DAS Solar (ca. 20 kg)
- Bei Wert auf Ästhetik: All-Black-Module von Solarwatt oder Luxor Solar
- Bei extremen Wetterbedingungen: Besonders robuste Module wie Solitek
Für gewerbliche und industrielle Anwendungen
- Für große Hallendächer: Leistungsstarke Module wie Trina Vertex S+ (bis 435 W)
- Für Freiflächenanlagen: Bifaziale Module mit hohem Ertragspotential
- Bei Agri-PV oder Carports: Spezialisierte bifaziale Module für erhöhte Lichtdurchlässigkeit
Fazit und Ausblick
Glas-Glas-Module haben sich als neuer Standard in der Photovoltaik etabliert und bieten überzeugende Vorteile in Bezug auf Lebensdauer, Ertragsstabilität und Robustheit. Der anfänglich höhere Preis wird durch die längere Lebensdauer und bessere Performance mehr als kompensiert.
Die Weiterentwicklung der Technologie schreitet rasch voran. Aktuelle Trends umfassen:
- Immer dünnere Glasschichten für leichtere Module
- Integration von n-Typ-Zellen für höhere Wirkungsgrade
- Optimierung für bifaziale Anwendungen
- Verbesserte Recyclingfähigkeit
Für die meisten Anwendungen, insbesondere bei langfristiger Betrachtung, sind Glas-Glas-Module eindeutig die bessere Wahl. Mit ihrer überlegenen Langlebigkeit und Zuverlässigkeit tragen sie dazu bei, die Photovoltaik als nachhaltige Energiequelle noch attraktiver zu machen.
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