CO2-Steuer 2026: Was jetzt auf Hausbesitzer zukommt
Die CO2-Steuer steigt 2026 auf bis zu 65 Euro pro Tonne — und verteuert Heizöl um bis zu 20,70 ct/Liter, Erdgas um bis zu 1,40 ct/kWh, Benzin um bis zu 18,60 ct/Liter und Diesel um bis zu 20,50 ct/Liter. Das versprochene Klimageld hat der Bundestag am 20. März 2026 abgelehnt. Ab 2028 ersetzt das neue EU-ETS 2 das nationale BEHG und bringt eine marktbasierte Preisbildung. Wer jetzt auf eine Wärmepumpe umsteigt, zahlt null Cent direkte CO2-Steuer und sichert sich bis zu 70 Prozent Förderung über KfW 458.
CO2-Preise 2025, 2026 und 2027 auf einen Blick
Der nationale CO2-Preis liegt 2025 bei 55 Euro pro Tonne — letztmalig in der Festpreisphase des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG). Ab 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne, ermittelt per Auktion an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Für 2027 hat die schwarz-rote Koalition den gleichen Korridor festgeschrieben, um Preisspringen beim Heizen zu vermeiden. Ab 2028 übernimmt das EU-ETS 2 die Preisbildung marktbasiert.
| Jahr | CO₂-Preis pro Tonne | Rechtlicher Status |
|---|---|---|
| 2024 | 45 € | Festpreis BEHG |
| 2025 | 55 € | Letztes Festpreisjahr |
| 2026 | 55–65 € | Erste Auktionsphase |
| 2027 | 55–65 € | Politisch beschlossen CDU/SPD |
| 2028 | Marktbasiert (Schätzung 45–80 €) | EU-ETS 2 ersetzt BEHG |
Rechtlicher Hinweis: Die „CO2-Steuer“ ist rechtlich kein Steuern, sondern ein Emissionshandelssystem nach BEHG. Inverkehrbringer fossiler Brennstoffe kaufen Zertifikate und geben die Kosten über den Brennstoffpreis weiter.
Was kostet die CO2-Steuer in ct/kWh und ct/Liter?
Die Belastung hängt vom Emissionsfaktor des Brennstoffs ab. Benzin emittiert rund 2,37 kg CO2 pro Liter, Diesel und Heizöl je 2,65 kg, Erdgas 0,201 kg CO2 pro Kilowattstunde. Multipliziert mit dem CO2-Preis und 19 Prozent Mehrwertsteuer:
| Brennstoff | Einheit | 2025 (55 €/t) | 2026 (55–65 €/t) | 2027 (55–65 €/t) |
|---|---|---|---|---|
| Erdgas | ct/kWh | 1,19 | 1,19–1,40 | 1,19–1,40 |
| Heizöl | ct/Liter | 17,35 | 17,35–20,70 | 17,35–20,70 |
| Benzin (E10) | ct/Liter | 15,50 | 15,50–18,60 | 15,50–18,60 |
| Diesel | ct/Liter | 17,30 | 17,30–20,50 | 17,30–20,50 |
Gasheizung und Ölheizung: Die konkrete Jahresmehrbelastung
Ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche und Gasheizung verbraucht rund 20.000 Kilowattstunden Erdgas pro Jahr. Allein die CO2-Komponente kostet 2025 rund 238 Euro, 2026 bei 65 Euro/t bis zu 280 Euro pro Jahr.
Eine Ölheizung mit 2.000 Litern Jahresverbrauch trägt 2025 rund 350 Euro CO2-Aufschlag und 2026 bis zu 414 Euro. Beim plausiblen Szenario von 120 Euro pro Tonne im Jahr 2030 wäre es bereits 764 Euro — nur an CO2-Bepreisung, ohne Grundenergiepreis.
CO2-Steuer Vermieter: Das 10-Stufenmodell
Seit dem 1. Januar 2023 teilt das CO2-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG) die CO2-Kosten zwischen Vermieter und Mieter nach dem energetischen Zustand des Gebäudes auf. Je höher der spezifische CO2-Ausstoß, desto mehr trägt der Vermieter.
| CO₂-Ausstoß (kg/m²/Jahr) | Anteil Mieter | Anteil Vermieter |
|---|---|---|
| unter 12 | 100 % | 0 % |
| 12 bis unter 17 | 90 % | 10 % |
| 17 bis unter 27 | 80–70 % | 20–30 % |
| 27 bis unter 37 | 60–40 % | 40–60 % |
| 37 bis unter 47 | 40–20 % | 60–80 % |
| 47 bis unter 52 | 20 % | 80 % |
| 52 und mehr | 5 % | 95 % |
Vermieter müssen den CO2-Kostenanteil jährlich in der Heizkostenabrechnung ausweisen. Fehlt der Nachweis, darf der Mieter seinen Anteil um drei Prozent kürzen. Für Nichtwohngebäude gilt bis auf Weiteres die pauschale 50:50-Aufteilung.
EU-ETS, CBAM und ETS 2: Die EU-Dimension der CO2-Bepreisung
Deutschland lebt derzeit in drei parallelen CO2-Systemen.
EU-ETS 1 (seit 2005): Erfasst Stromerzeugung, energieintensive Industrie, Luftverkehr und seit 2024 den Seeverkehr. Der Marktpreis lag Anfang April 2026 bei rund 75 Euro pro Tonne und fließt über Kraftwerksbetreiber in den Strompreis. Deutschland nahm 2025 rund 5,4 Milliarden Euro aus EU-ETS-Auktionen ein, die in den Klima- und Transformationsfonds fließen.
CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism, ab 1.1.2026): Importeure von Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln, Strom und Wasserstoff kaufen Zertifikate zum EU-ETS-Preis, um Carbon Leakage zu verhindern. Wirkt indirekt über Bau- und Produktionskosten auf Verbraucher.
EU-ETS 2 (ab 2028, verschoben von 2027): Ersetzt ab 2028 das nationale BEHG und erfasst Gebäudeheizung, Straßenverkehr und kleine Industrieanlagen erstmals per EU-weitem Emissionshandel. Eine Marktstabilitätsreserve interveniert bei Überschreiten von 45 Euro/t (in Preisen von 2020). Analysten schätzen den Startpreis auf 45–80 Euro. Begleitend fließen 86,7 Milliarden Euro in den EU-Klima-Sozialfonds, davon rund 7,1 Milliarden Euro für Deutschland.
Klimageld gestrichen: Was die Bundesregierung stattdessen tut
Das Klimageld ist Geschichte. Der Bundestag hat am 20. März 2026 einen Antrag auf 320 Euro pro Kopf und Jahr abgelehnt. Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD erwähnt es nicht mehr. Stattdessen setzt die Bundesregierung auf:
- Dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf EU-Mindestsatz
- Übernahme von 6,5 Milliarden Euro Netzentgelten durch den Bund
- Wegfall der Gasspeicherumlage
- Pendlerpauschale erhöht auf 38 Cent/km ab dem ersten Kilometer (ab 1.1.2026)
Durchschnittshaushalte sparen dadurch bis zu 150 Euro pro Jahr bei Strom- und Gasrechnungen — deutlich weniger als die Mehrbelastung durch steigende CO2-Preise bei fossilen Heizungen.
Wärmepumpe: Das stärkste Gegenmittel gegen die CO2-Steuer
Die CO2-Steuer trifft Wärmepumpen direkt mit null Cent. Das nationale BEHG gilt nur für Verbrennungsbrennstoffe, nicht für Haushaltsstrom. Indirekt wirkt das EU-ETS 1 zwar über die Stromerzeugung, sinkt jedoch mit jedem neuen Wind- und Solarpark.
Die Fraunhofer-ISE-Feldstudie (November 2025, 77 reale Anlagen über vier Jahre) zeigt: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,4, Sole-Wasser-Anlagen sogar 4,3 — auch im unsanierten Altbau. Gegenüber einer Gasheizung entstehen damit 64 Prozent weniger CO2-Emissionen, Tendenz sinkend mit wachsendem Erneuerbaren-Anteil im Strommix.
Betriebskostenvergleich: Gasheizung vs. Wärmepumpe 2026
| Position | Gasheizung 2026 | Wärmepumpe 2026 |
|---|---|---|
| Wärmebedarf pro Jahr | 20.000 kWh Gas | 20.000 kWh Wärme |
| CO₂-Aufschlag | bis 280 €/Jahr | 0 €/Jahr |
| Jahresarbeitszahl (JAZ) | 1,0 (Direktverbrennung) | 3,4–4,3 |
| Gesamtjahreskosten Energie | ca. 2.400 € | ca. 1.200 € |
| Jährliche Ersparnis | — | ca. 1.200 €/Jahr |
Mit steigendem CO2-Preis wächst die jährliche Ersparnis weiter: Bei 120 Euro/t im Jahr 2030 wäre der Abstand bereits rund 1.400 Euro pro Jahr.
KfW-Förderung 458: Bis zu 70 Prozent der Investitionskosten
Das Programm 458 der KfW zahlt bis zu 70 Prozent Zuschuss auf maximal 30.000 Euro förderfähige Kosten pro Wohneinheit im Einfamilienhaus (maximaler Zuschuss: 21.000 Euro).
| Förderbaustein | Höhe | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | Alle Antragsteller |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 20 % | Austausch funktionstüchtiger fossiler Heizung (bis 2028) |
| Einkommensbonus | 30 % | Haushaltseinkommen ≤40.000 €/Jahr |
| Effizienzbonus | 5 % | Propan R290 oder Sole-Wasser-Wärmepumpe |
| Maximum | 70 % (max. 21.000 €) | Kombiniert, Öl raus + niedriges Einkommen + R290 |
Wichtig: Der Förderantrag muss vor Vertragsabschluss mit dem Installateur bei der KfW gestellt werden. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab 2029 von 20 auf 17 Prozent.
Photovoltaik plus Wärmepumpe: CO2-steuerfreies Heizen
Jede selbst erzeugte und direkt in der Wärmepumpe verbrauchte Kilowattstunde ist komplett CO2-preisfrei. Die Stromgestehungskosten einer PV-Dachanlage liegen 2026 bei 5–10 ct/kWh ohne Speicher — gegenüber Wärmepumpenstromtarifen von 22–26 ct/kWh eine Ersparnis von 12–19 Cent pro Kilowattstunde.
Mit Batteriespeicher steigt die Eigenverbrauchsquote von 30 % auf 50–70 %. Für das Referenzhaus mit 5.000 kWh Wärmepumpenstrom und 10 kWp PV sinken die Gesamtbetriebskosten auf rund 800 Euro pro Jahr — gegenüber 2.400 Euro bei Gasheizung eine Differenz von 1.600 Euro jährlich.
Häufige Fragen zur CO2-Steuer
Wer zahlt die CO2-Steuer? Rechtlich zahlt sie der Inverkehrbringer (Gasversorger, Heizölhändler, Mineralkonzern). Er gibt die Kosten über den Brennstoffpreis an den Endkunden weiter. Bei Mietwohnungen regelt CO2KostAufG die Aufteilung zwischen Vermieter und Mieter.
Ist die CO2-Steuer wirklich eine Steuer? Nein. Es handelt sich um ein Emissionshandelssystem nach BEHG. Der Unterschied: Steuern fließen direkt in den Staatshaushalt, hier kaufen Unternehmen Emissionszertifikate. Umgangssprachlich hat sich der Begriff „Steuer“ trotzdem durchgesetzt.
Bekomme ich das Geld zurück (Klimageld)? Nein. Der Bundestag hat am 20. März 2026 einen Antrag auf das Klimageld abgelehnt. Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds für BEG-Förderung, EEG-Finanzierung und Strompreissenkung.
Gilt die CO2-Steuer auch für Strom? Nein — das nationale BEHG gilt nicht für Haushaltsstrom. Das EU-ETS 1 wirkt indirekt über Kraftwerksbetreiber auf den Börsenstrompreis, wird aber mit wachsendem Erneuerbaren-Anteil schwächärer.
Was ist der Unterschied zwischen BEHG und EU-ETS 2? Das BEHG ist ein nationales System mit Festpreisen, das den deutschen Wärme- und Verkehrssektor erfasst. Das EU-ETS 2 ist ab 2028 ein EU-weites Auktionssystem für dieselben Sektoren mit marktbasierter Preisbildung und strengeren Emissionszielen.


