Max Nestler
August 13, 2026
Lesezeit
7
Minuten
Wärmepumpe
Planungshilfen & Weiterführendes

Heizkörper für Wärmepumpen: Typ 22 vs. Typ 33 und die 35-Grad-Marke

Ein Typ-33-Heizkörper liefert bei gleicher Baugröße rund 40 Prozent mehr Wärme als Typ 22. Entscheidend für Wärmepumpen ist aber die Vorlauftemperatur, bei der dieser Wert gilt. 35 Grad Celsius ist dabei der Prüfpunkt, an dem Hersteller die Wärmepumpen-Tauglichkeit von Heizkörpern messen.

Inhaltsverzeichnis
Wärmepumpe planen

unabhängig mit 42watt

Das Wichtigste in Kürze

  • Referenztemperatur: 35 °C Vorlauf ist der EN-14511-Prüfpunkt A2/W35 für Wärmepumpen-Effizienzangaben
  • Typ-Kennzeichnung: Typ 22 = 2 Heizplatten + 2 Konvektor-Lamellenreihen; Typ 33 = 3 Platten + 3 Lamellenreihen
  • Leistungsunterschied: Typ 33 liefert bei gleicher Größe rund 40 % mehr Wärmeleistung als Typ 22
  • Normbezug: Heizkörper-Katalogwerte gelten meist bei 55/45/20 °C oder 70/55/20 °C, nicht bei Wärmepumpen-Temperaturen
  • Effizienzgrenze laut Verbraucherzentrale: Wärmepumpen-Eignung ab Vorlauftemperatur unter 55 °C, ideal unter 45 °C
  • Praxis-Feldwert: Fraunhofer ISE misst in 56 Bestandsgebäuden im Schnitt 44 °C Vorlauf bei Luftwärmepumpen, JAZ 2,5 bis 3,8
  • Altbau-Praxis: Laut Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein sind Heizkörper im Altbau oft überdimensioniert; meist reicht Austausch einzelner Heizkörper
  • Alternative: Gebläsekonvektor erreicht bei 35 bis 45 °C Vorlauf ähnliche Leistung wie ein klassischer Heizkörper bei 55 bis 70 °C

Heizkörper Typ 22 und Typ 33: der zentrale Unterschied für Wärmepumpen

Typ 22 besitzt zwei Heizplatten mit zwei Konvektor-Lamellenreihen, Typ 33 drei Platten mit drei Lamellenreihen. Die Zahlen in der Typenbezeichnung sind kein Zufall. Die erste Ziffer nennt die Anzahl der wasserführenden Platten. Die zweite Ziffer nennt die Lamellenreihen dazwischen. Diese Systematik gilt für alle Flachheizkörper der Normreihe: Typ 10, 11, 20, 21, 22, 30 und 33.

Mehr Platten und Lamellen bedeuten mehr Fläche für die Wärmeabgabe. Die Front-Breite und -Höhe bleiben dabei gleich. Nur die Bautiefe wächst. Typ 33 baut deshalb tiefer als Typ 22: rund 155 statt rund 100 Millimeter, je nach Hersteller leicht abweichend.

TypPlattenLamellenreihenBautiefe (ca.)
10106 cm
11116 cm
20206 cm
21218 cm
222210 cm
303010 cm
333316 cm

Verbal zusammengefasst: Die Bautiefe wächst von Typ 10 bis Typ 33 von 6 auf rund 16 Zentimeter. Jede zusätzliche Platte und Lamellenreihe braucht mehr Wasser- und Luftweg. Ein 600 mm hoher Heizkörper liefert je Meter Baulänge bei 55/45 Grad Vorlauf/Rücklauf und 20 Grad Raumtemperatur rund 855 Watt als Typ 22. Als Typ 33 liefert er rund 1.184 Watt. Dieser Mehrertrag von rund 35 bis 40 Prozent bleibt auch bei niedrigeren Temperaturen stabil. Der Grund: Beide Bauarten teilen einen ähnlichen Heizkörperexponenten (dazu mehr im nächsten Abschnitt). Dr. Rüdiger Paschotta beschreibt den Mechanismus so: "Bei Plattenheizkörpern (Radiatoren) überwiegt oft der Strahlungsanteil […], und der Heizkörperexponent liegt dann meist zwischen 1,2 und 1,3" (energie-lexikon.info, Stand 04.05.2025).

Warum ist 35 Grad Vorlauftemperatur die Referenzmarke für Wärmepumpen?

35 Grad Celsius ist der Prüfpunkt A2/W35 der Norm EN 14511. An diesem Punkt standardisieren Hersteller die Effizienz von Luft-Wasser-Wärmepumpen. Jede COP-Angabe mit dem Kürzel "W35" bezieht sich auf genau diese Vorlauftemperatur. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto kleiner die Temperaturdifferenz für den Verdichter. Und desto höher die Effizienz.

Physikalisch gilt: Die Heizleistung wächst nicht linear mit der Temperaturdifferenz. Sie wächst potenziell, mit einem Exponenten von meist 1,2 bis 1,4. Sinkt die Vorlauftemperatur, sinkt die Heizleistung überproportional stärker. Deshalb brauchen Wärmepumpen größere Heizflächen als Gas- oder Ölkessel mit 70 bis 90 Grad Vorlauf.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zieht daraus eine klare Grenze: "Ein Gebäude ist gut geeignet, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C bleibt. Ideal sind Werte unter 45 °C" (Pressemitteilung, 13.08.2024). Als Faustregel empfiehlt sie zusätzlich eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von mindestens 3. Die JAZ misst das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom über ein Jahr.

Bestandsgebäude erreichen diese Werte in der Praxis häufig. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) untersuchte im Feldtest "WPsmart im Bestand" 56 Bestandsgebäude. Luft-Wärmepumpen erreichten dort im Schnitt rund 44 Grad maximale Vorlauftemperatur. Die Jahresarbeitszahlen lagen zwischen 2,5 und 3,8 (Fraunhofer ISE, 2020). Eine größere Folgeuntersuchung an 77 Anlagen bestätigte die Tendenz: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten dort im Mittel bereits eine JAZ von 3,4, Erdwärmepumpen 4,3 (Fraunhofer ISE, November 2025).

Wie viel Leistung liefert ein Heizkörper bei 35 Grad Vorlauf?

Ein Typ-22-Heizkörper mit 855 Watt pro Meter bei 55/45 Grad liefert bei 35/28 Grad nur noch rund 245 Watt – knapp 29 Prozent der Ausgangsleistung. Diese Zahl lässt sich selbst nachrechnen. Nötig sind dafür zwei Leistungswerte bei bekannten Temperaturen. Aus deren Verhältnis ergibt sich der individuelle Heizkörperexponent.

Die Katalogwerte für Typ 22 und Typ 33 (Höhe 600 mm) bei 70/55/20 °C und 55/45/20 °C stammen von energie-experten.org. Daraus errechnet sich der Exponent: n ≈ 1,31 für Typ 22, n ≈ 1,32 für Typ 33. Beide Werte liegen im Bereich, den energie-lexikon.info für Plattenheizkörper nennt: 1,2 bis 1,3 für Radiatoren, 1,25 bis 1,45 für Konvektoren. Mit diesem Exponenten lässt sich die Leistung auf jede andere Temperatur umrechnen.

TemperaturspreizungTyp 22 (600 mm, je m)Typ 33 (600 mm, je m)
55/45/20 °C (Katalogwert)855 W1.184 W
45/35/20 °C (berechnet)*504 W693 W
35/28/20 °C (berechnet)*245 W334 W

*Eigene Berechnung mit dem oben ermittelten Heizkörperexponenten, kein Herstellerwert.

Verbalisiert am Praxisbeispiel: Ein Typ-33-Heizkörper der Größe 600 × 2000 Millimeter ist zwei Meter lang. Bei 55/45 Grad liefert er rund 2.368 Watt. Bei 45/35 Grad sinkt das auf rund 1.386 Watt. Bei 35/28 Grad bleiben noch rund 667 Watt übrig. Ob das für den Raum reicht, zeigt die Heizlastberechnung. Liegt die Heizlast über der Leistung bei Wärmepumpen-Vorlauf, braucht der Raum einen größeren oder zusätzlichen Heizkörper.

Welcher Heizkörper eignet sich für welche Wärmepumpen-Situation?

Ein Neubau mit Fußbodenheizung kommt mit 30 bis 35 Grad Vorlauf aus. Ein unsanierter Altbau mit Heizkörpern braucht meist 45 bis 55 Grad. Die passende Heizkörperwahl richtet sich nach diesem Zielwert. Drei Situationen kommen in der Praxis am häufigsten vor:

  • Gedämmte Gebäude mit reduzierter Heizlast erreichen mit vorhandenen oder moderat vergrößerten Typ-22- oder Typ-33-Heizkörpern oft 40 bis 45 Grad Vorlauf.
  • Unsanierte Altbauten mit knapp bemessenen Heizkörpern benötigen größere Typ-33-Flächen oder einen selektiven Austausch der schwächsten Räume.
  • Räume mit wenig Wandfläche für größere Heizkörper profitieren von einem Gebläsekonvektor. Er gleicht die fehlende Fläche durch aktive Luftumwälzung aus.

Die tatsächlich erreichbare Vorlauftemperatur hängt vom Gebäude ab. Sie hängt auch von der Heizlast und der geplanten Jahresarbeitszahl ab. Eine Pauschalzahl für "den Altbau" gibt es nicht. Nur die raumweise Prüfung liefert einen verlässlichen Wert.

Wie rüstet man Heizkörper im Altbau für die Wärmepumpe nach?

Ein einfacher Praxistest zeigt, ob eine Wärmepumpe im Altbau ohne Heizkörper-Austausch funktioniert. Dafür wird der Vorlauf auf 55 Grad begrenzt und jedes Thermostat auf Stufe 3 gestellt. An einem kalten Wintertag zeigt sich dann, ob jeder Raum warm wird. Bleiben einzelne Räume kalt, reicht oft der Austausch dieser wenigen Heizkörper.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein bestätigt diese Erfahrung aus der Beratungspraxis: "Heizkörper in Altbauten sind oftmals überdimensioniert, sodass oft nur ein Austausch einzelner Heizkörper nötig ist" (13.08.2024). Der Grund: Viele Bestandsheizkörper wurden für Kessel mit 70 bis 90 Grad Vorlauf ausgelegt, mit hohen Sicherheitsreserven.

Zwei Maßnahmen erhöhen die Effizienz zusätzlich, unabhängig vom Heizkörpertyp:

  • Ein hydraulischer Abgleich verteilt den Wasserdurchfluss passend zur Heizlast jedes Raums. Ohne Abgleich bleiben entfernte Räume unterversorgt, während nahe Räume überheizen.
  • Eine raumweise Bestandsaufnahme identifiziert die 3 bis 5 kritischsten Räume. Dazu zählen große Fensterflächen, Eckräume und Bäder. Ein gezielter Austausch dort wirkt am stärksten auf die nötige Systemtemperatur.

Welche Alternativen gibt es zu größeren Heizkörpern?

Ein Gebläsekonvektor erreicht bei 35 bis 45 Grad Vorlauf eine ähnliche Leistung wie ein klassischer Heizkörper bei 55 bis 70 Grad. Ein Ventilator wälzt die Luft dabei aktiv um, statt sich nur auf natürliche Konvektion zu verlassen. Er passt dort, wo für größere Typ-33-Flächen keine Wand verfügbar ist. Details zu Aufbau, Kosten und Betriebsgeräusch beschreibt der Artikel zum Gebläsekonvektor.

Fußbodenheizungen bleiben die Referenz für niedrige Vorlauftemperaturen. Ihre große Fläche reicht schon bei 30 bis 35 Grad. Ein vollständiger Umbau auf Flächenheizung ist im Altbau aber oft aufwendiger als ein gezielter Heizkörper-Austausch. Deshalb ist er meist die zweite Wahl nach der raumweisen Prüfung.

Häufige Fragen zu Heizkörpern für Wärmepumpen

Was bedeutet Heizkörper Typ 33?

Typ 33 bezeichnet einen Plattenheizkörper mit drei Heizplatten und drei Konvektor-Lamellenreihen. Er baut rund 155 Millimeter tief. Bei gleicher Breite und Höhe liefert er rund 40 Prozent mehr Leistung als Typ 22.

Heizkörper Typ 22 oder Typ 33 für die Wärmepumpe – was ist besser?

Typ 33 liefert mehr Leistung auf gleicher Fläche. Er ist deshalb für niedrige Vorlauftemperaturen oft die bessere Wahl. Typ 22 reicht, wenn die Heizlast niedrig ist oder wenig Bautiefe zur Verfügung steht.

Welche Wärmepumpe eignet sich für 35 Grad Vorlauftemperatur?

Alle marktüblichen Luft-Wasser- und Sole-Wasser-Wärmepumpen sind auf den Prüfpunkt A2/W35 nach EN 14511 ausgelegt. Sie arbeiten bei 35 Grad Vorlauf am effizientesten. Ob das Gebäude diese Temperatur im Winter erreicht, hängt von Dämmung und Heizkörpergröße ab.

Wie berechnet man die Heizkörperleistung bei 45 Grad Vorlauf?

Mit dem Heizkörperexponenten: Die Leistung bei der Zieltemperatur ergibt sich aus einer bekannten Leistung, multipliziert mit dem Verhältnis der beiden Temperaturdifferenzen. Dieses Verhältnis wird mit dem Exponenten potenziert (meist 1,2 bis 1,4). Die Rechenmethode und ein Beispiel zeigt der Abschnitt zur 35-Grad-Leistung oben.

Reicht ein Typ-33-Heizkörper für eine Wärmepumpe?

Das hängt von der Heizlast des Raums und der Vorlauftemperatur ab. Bei 40 bis 45 Grad deckt ein ausreichend langer Typ-33-Heizkörper viele Altbau-Räume ab. Bei 35 Grad sinkt seine Leistung auf rund 28 Prozent des Werts bei 55/45 Grad.

Quellen & Belege

DIN EN 442 (Heizkörper-Typenklassifizierung und Normwärmeleistung); EN 14511 (Prüfpunkte für Wärmepumpen, u. a. A2/W35); Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Pressemitteilung "Wann laufen Wärmepumpen im Altbau optimal?" (13.08.2024); Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Feldtest "WPsmart im Bestand", Pressemitteilung vom 27.07.2020; Fraunhofer ISE, Feldtest "WP-QS im Bestand", Pressemitteilung vom 03.11.2025; energie-lexikon.info, Dr. Rüdiger Paschotta, Artikel "Heizkörperexponent" (Stand 04.05.2025); energie-experten.org, Wärmeleistungstabellen für Plattenheizkörper nach Bautyp und Bauhöhe.