Max Nestler
September 4, 2026
Lesezeit
7
Minuten
Energetische Sanierung
Arten & Systemleistung

Einblasdämmung 2026: Kosten, Verfahren & Förderung

Einblasdämmung füllt Hohlräume in Dach, Wand oder Geschossdecke mit losem Dämmstoff, der über einen Schlauch eingeblasen wird. Das Verfahren kommt ohne größere Bauarbeiten aus und eignet sich besonders für Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk oder unzugänglichen Dachschrägen. Dieser Artikel erklärt Ablauf, Materialien, Kosten pro Kubikmeter und die aktuelle BAFA-Förderung 2026.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Einblasdämmung kostet 2026 rund 25 bis 60 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 100 bis 180 Euro pro Kubikmeter
  • BAFA fördert Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle mit 15 Prozent Grundförderung (Stand 21.07.2026)
  • Der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten gilt seit der BEG-Reform vom 21.07.2026 nur noch für Investitionsanteile über 30.000 Euro
  • Förderfähige Dämmstoffe brauchen eine Wärmeleitfähigkeit von maximal 0,035 W/(mK) (Verbraucherzentrale Energieberatung)
  • Vier Materialgruppen kommen zum Einsatz: Zellulose, Mineralwolle-Granulat, EPS-Perlen und Steinwolle-Flocken
  • Ein Energieeffizienz-Experte ist bei Gebäudehüllen-Förderung und iSFP-Bonus Pflicht
  • Das Verfahren eignet sich für Dach, Fassade, Kerndämmung und Dachboden

Was ist Einblasdämmung?

Einblasdämmung füllt bestehende Hohlräume in Bauteilen mit losem Dämmstoff, der über eine Einblasmaschine eingebracht wird. Ein Fachbetrieb fördert das Material per Gebläse und Schlauch durch Bohrlöcher in den Hohlraum. Der Dämmstoff verteilt sich dort und senkt den Wärmedurchgang durch das Bauteil. Typische Einsatzorte sind zweischaliges Mauerwerk, Dachschrägen, Geschossdecken und Dachböden. Das Verfahren zählt zu den Hohlraumdämmungen. Es unterscheidet sich damit von Dämmplatten, die verklebt oder verschraubt werden. Bauphysikalisch gilt Einblasdämmung als nachträgliche Dämmung, weil sie ohne Eingriff in die tragende Bausubstanz auskommt. Für einschaliges Mauerwerk ohne Luftschicht eignet sich das Verfahren nicht, da dort kein Hohlraum zur Verfügung steht. In diesem Fall kommen stattdessen eine Außendämmung oder eine Innendämmung infrage.

Welche Materialien eignen sich für die Einblasdämmung?

Für die Einblasdämmung eignen sich vier Materialgruppen: Zellulose, Mineralwolle-Granulat, EPS-Perlen und Steinwolle-Flocken. Die vier Materialien unterscheiden sich in Schüttdichte, Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) und Einsatzgebiet.

MaterialSchüttdichteWärmeleitfähigkeit (WLS)EinsatzgebietKostenspanne (Richtwert)
Zellulose30–65 kg/m³WLS 040 (0,040–0,045 W/mK)Dach, Wand, Geschossdecke140–160 €/m³
Mineralwolle-Granulat25–65 kg/m³WLS 035–040 (0,035–0,040 W/mK)Dach, Kerndämmung, Wand100–150 €/m³
EPS-Perlen15–30 kg/m³WLS 032–040 (0,032–0,040 W/mK)Kerndämmung (zweischaliges Mauerwerk)120–180 €/m³
Steinwolle-Flockenca. 65 kg/m³WLS 034–040 (0,034–0,040 W/mK)Dach, Fassade130–170 €/m³

Zellulose und Mineralwolle-Granulat liegen preislich meist unter EPS-Perlen und Steinwolle-Flocken. Förderfähig sind nur Dämmstoffe mit einer Wärmeleitfähigkeit von höchstens 0,035 W/(mK) (Verbraucherzentrale Energieberatung, 2026). Bei EPS-Perlen und Zellulose erfüllen nicht alle Produktvarianten diese Schwelle; das Datenblatt des jeweiligen Produkts gibt Auskunft.

Die vier Materialgruppen unterscheiden sich auch in Herkunft und Zusatzeigenschaften. Zellulose besteht meist aus recyceltem Zeitungspapier und enthält Brandschutzsalze; sie gilt als ökologischer Dämmstoff mit guter Ökobilanz. Mineralwolle-Granulat aus Stein- oder Glaswolle ist nichtbrennbar und witterungsstabil. EPS-Perlen, auch expandiertes Polystyrol genannt, sind leicht und werden für die Kerndämmung wasserabweisend aufbereitet. Steinwolle-Flocken bieten neben dem Wärmeschutz einen verbesserten Schallschutz und gelten ebenfalls als nichtbrennbar.

Was kostet eine Einblasdämmung 2026?

Eine Einblasdämmung kostet 2026 je nach Material und Aufwand 25 bis 60 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 100 bis 180 Euro pro Kubikmeter, inklusive Montage. Drei Faktoren bestimmen den Preis: die Hohlraumgröße, das gewählte Material und die Zugänglichkeit der Fläche. Gerüstkosten und die Anzahl der Bohrlöcher erhöhen den Aufwand zusätzlich.

Die Materialkosten machen dabei nur einen Teil der Gesamtsumme aus. Anfahrt, Bohrarbeiten, der Verschluss der Öffnungen und gegebenenfalls ein Gerüst zählen zur Handwerkerleistung hinzu. In dicht bebauten Innenstadtlagen liegen die Kosten wegen des höheren Zugangsaufwands tendenziell am oberen Rand der Spanne. Eine Voruntersuchung mit Bohrlochkamera klärt vorab, ob der Hohlraum frei von Hindernissen wie Mauerresten oder Feuchtigkeit ist.

Zwei Rechenbeispiele verdeutlichen die Spanne. Eine 120 Quadratmeter große Fassade mit 6 Zentimeter Luftschicht benötigt rund 7,2 Kubikmeter Dämmstoff. Mit Mineralwolle-Granulat liegen die Materialkosten dafür bei etwa 720 bis 1.080 Euro, zuzüglich Anfahrt, Bohrarbeiten und Verschluss der Öffnungen. Für eine 80 Quadratmeter große Dachschräge mit 18 Zentimeter Sparrentiefe fallen dagegen rund 14,4 Kubikmeter Dämmstoff an. Mit Zellulose liegen die Materialkosten dafür bei etwa 2.000 bis 2.300 Euro.

Wo kommt Einblasdämmung zum Einsatz?

Einblasdämmung kommt überall dort zum Einsatz, wo ein zugänglicher Hohlraum vorhanden ist: zweischaliges Mauerwerk, Dachschrägen, Dachböden und Geschossdecken. Bei zweischaligem Mauerwerk füllt das Verfahren den Luftraum zwischen Tragschale und Verblendschale. Details zu dieser Anwendung liefert der Artikel zur Kerndämmung. Im Dach nutzt das Verfahren den Hohlraum zwischen den Sparren. Die bauteilspezifischen Anforderungen dafür erklärt der Artikel zur Zwischensparrendämmung. Auf dem Dachboden lässt sich loser Dämmstoff zudem als Schüttung auf der obersten Geschossdecke aufbringen, wenn diese begehbar bleiben soll. Bei der Geschossdecke selbst nutzt das Verfahren den Hohlraum zwischen den Deckenbalken, sofern die Decke von unten zugänglich ist, etwa vom unbeheizten Keller aus.

Lohnt sich Einblasdämmung im Altbau?

Einblasdämmung eignet sich besonders gut für Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk oder unzugänglichen Dachschrägen, weil sie ohne Eingriff in die Fassadenoptik auskommt. Viele Gebäude aus den 1950er- bis 1970er-Jahren wurden mit einer Luftschicht im Mauerwerk errichtet, die ursprünglich als Feuchteschutz diente und sich nachträglich mit Dämmstoff füllen lässt. Vor der Maßnahme prüft ein Fachbetrieb oder Energieeffizienz-Experte, ob der Hohlraum frei von Schutt, Mörtelresten oder Feuchtigkeit ist. Nur dann lässt sich eine vollständige Verfüllung sicherstellen. Bei denkmalgeschützten Fassaden ist Einblasdämmung oft die einzige Möglichkeit, die Gebäudehülle zu dämmen, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern.

Wie läuft eine Einblasdämmung ab?

Der Ablauf gliedert sich in vier Schritte: Voruntersuchung, Bohrung, Einblasen, Verschluss. Vor der eigentlichen Maßnahme prüft der Betrieb den Hohlraum auf Hindernisse und Feuchtigkeit, meist mit einer Bohrlochkamera. Anschließend bohrt er Löcher mit einem materialabhängigen Durchmesser in das Bauteil. Danach fördert die Einblasmaschine den Dämmstoff über einen Schlauch mit Druckluft in den Hohlraum. Der Betrieb kontrolliert die Verdichtung und dokumentiert die erreichte Schüttdichte, um die vollständige Verfüllung nachzuweisen. Zum Schluss verschließt er die Bohrlöcher fachgerecht. Bei einem Einfamilienhaus dauert die gesamte Maßnahme meist 1 bis 2 Tage.

Wie läuft eine Einblasdämmung praktisch ab?

1. Hohlraumprüfung: Ein Fachbetrieb prüft vorab, ob ein ausreichend breiter, durchgängiger Hohlraum vorhanden ist, zum Beispiel per Endoskopie bei Mauerwerk oder per Sichtprüfung am Dachboden.

2. Zugang schaffen: Je nach Anwendung setzt der Betrieb kleine Bohrlöcher in die Fassade oder nutzt den Zugang über den offenen Dachboden.

3. Einblasen: Eine Einblasmaschine fördert den losen Dämmstoff über einen Schlauch unter Druck in den Hohlraum.

4. Verdichtung: Der Dämmstoff verteilt sich im Hohlraum und verdichtet sich, bis er den Raum vollständig und lückenlos ausfüllt.

5. Abschluss: Bei Bohrlöchern in der Fassade verschließt der Betrieb diese anschließend farblich passend; am Dachboden bleibt die Fläche offen einsehbar.

Ablauf der Einblasdämmung: Maschine → Bohrloch → Hohlraum wird verfüllt

Einblas-maschineBohrlochInnenwandHohlraum wird gefülltAußenwand

Welche Förderung gibt es 2026 für Einblasdämmung?

Die BEG-Einzelmaßnahmen-Förderung übernimmt 15 Prozent der förderfähigen Kosten als Grundförderung, zuständig ist das BAFA (Stand 21.07.2026). Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) kommen 5 Prozentpunkte iSFP-Bonus hinzu. Seit der BEG-Reform vom 21.07.2026 gilt dieser Bonus nur noch für den Investitionsanteil oberhalb von 30.000 Euro; kleinere Maßnahmen erhalten ihn nicht mehr (BAFA, Förderprogramm im Überblick, Stand 21.07.2026). Für die 2. bis 6. Wohneinheit gelten gestaffelte Höchstgrenzen. Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle setzen zusätzlich einen Energieeffizienz-Experten voraus. Dieser erstellt vor Antragstellung die technische Projektbeschreibung; ohne sie lehnt das BAFA den Antrag ab. Ergänzend zum Zuschuss bietet die KfW einen zinsgünstigen Ergänzungskredit für den Eigenanteil an. Die Antragstellung erfolgt vor Beginn der Maßnahme online über das BAFA-Portal; ein bereits unterschriebener Auftrag gilt als vorzeitiger Maßnahmenbeginn und gefährdet die Förderung. Einen passenden Energieeffizienz-Experten vermittelt die Plattform energie-effizienz-experten.de der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Was ein iSFP genau leistet, erklärt der Artikel zum individuellen Sanierungsfahrplan. Ob sich der Bonus im Einzelfall lohnt, zeigt der Artikel Wann lohnt sich ein iSFP?.

Häufig gestellte Fragen zur Einblasdämmung

Welche Nachteile hat die Einblasdämmung?

Der größte Nachteil ist eine unvollständige Verfüllung des Hohlraums bei fehlerhafter Ausführung. Die Dämmschicht kann zudem nur so dick werden wie der vorhandene Hohlraum. Wärmebrücken an Fensterstürzen oder am Gebäudesockel lassen sich mit Einblasdämmung nicht beseitigen (Verbraucherzentrale Energieberatung, 2026). Deshalb ist eine sorgfältige Qualitätskontrolle beim Einblasen entscheidend für das Ergebnis. Die Dämmwirkung lässt sich nach dem Einbau zudem nur eingeschränkt kontrollieren, weil der Dämmstoff im geschlossenen Hohlraum liegt. Eine Bohrlochkamera oder eine Thermografie-Aufnahme nach der Maßnahme schafft hier Transparenz.

Kann Einblasdämmung Schimmel begünstigen?

Schimmel nach einer Einblasdämmung ist fast immer die Folge von Ausführungsfehlern, nicht des Verfahrens selbst. Wird der Hohlraum vollständig und lückenlos verfüllt, steigt die Oberflächentemperatur der Wand, und das Kondensationsrisiko sinkt (Verbraucherzentrale Energieberatung, 2026). Feuchte Fassaden, ungeeignete Dämmstoffe oder eine unvollständige Verfüllung gelten dagegen als Hauptursachen für Schimmelfälle. Ein zu geringer Fülldruck beim Einblasen kann zudem Hohlstellen hinterlassen, an denen sich punktuell Feuchte niederschlägt. Eine fachgerechte Verdichtungskontrolle senkt dieses Risiko deutlich. Für die BAFA-Förderung ist eine vollständige Verfüllung ohnehin Pflicht.

Ist Einblasdämmung in Eigenleistung realistisch?

Einblasdämmung in Eigenleistung ist nur eingeschränkt realistisch. Die Verbraucherzentrale Energieberatung stuft das Verfahren bei Außenwänden mit Luftschicht als nicht heimwerkergeeignet ein, weil die vollständige und lückenlose Verfüllung Erfahrung erfordert. Einblasmaschinen für den Selbstverleih werden zwar in Baumärkten und Werkzeugverleihen angeboten. Die Verdichtungskontrolle und die Vermeidung von Hohlstellen bleiben aber anspruchsvoll und fehleranfällig. Bei BAFA-Förderung ist die Ausführung durch einen Fachbetrieb mit Energieeffizienz-Experte ohnehin Pflicht. Eigenleistung schließt die Förderung in diesem Fall aus. Wer dennoch in Eigenregie arbeitet, trägt allein das Risiko für Hohlstellen und daraus folgende Bauschäden.

Quellen & Belege

Verbraucherzentrale Energieberatung, „Einblasdämmung" (Stand 2026); BAFA, „Förderprogramm im Überblick" (Stand 21.07.2026); BAFA, „Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle"; Marktpreis-Übersichten Einblasdämmung 2026 (Bau- und Handwerksportale).