Max Nestler
April 22, 2026
Lesezeit
16
Minuten
Energetische Sanierung
Grundlagen

Innendämmung 2026: Kosten, Dämmstoffe, Förderung & Schimmelschutz

Innendämmung ist bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung oder einzelnen Räumen oft die einzige Option zur energetischen Sanierung und kostet je nach System 55 bis 130 €/m² eingebaut. Die BEG-EM-Förderung 2026 gewährt 15 % Grundzuschuss plus 5 % iSFP-Bonus — mit Sonderregel 8.1.4: Wärmeleitstufe ≤ 040 und mindestens 4 Zentimeter Dämmdicke genügen, ein U-Wert-Nachweis entfällt. Bauphysikalisch entscheidet die richtige Wahl zwischen kapillaraktiven und dampfbremsenden Systemen über Erfolg oder Schimmelschaden.

Inhaltsverzeichnis
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Wann Innendämmung die richtige Wahl ist

Außendämmung ist bauphysikalisch immer die erste Wahl, weil der Taupunkt in der äußeren Dämmschicht bleibt, einbindende Bauteile thermisch umhüllt werden und keine Wohnfläche verloren geht. Innendämmung ist dennoch in sechs klar abgrenzbaren Szenarien die richtige oder sogar einzig zulässige Lösung: bei denkmalgeschützten oder erhaltenswerten Fassaden mit Stuck, Klinker oder Jugendstil-Elementen; bei Fachwerkhäusern mit Sichtfachwerk, wo Außendämmung die Ansicht zerstören würde; bei Grenzbebauung ohne Überbau-Duldung des Nachbarn; bei Mietwohnungen oder einzelnen kalten Räumen (Giebelwand, Eckzimmer); bei Kirchen, Museen und Gewerbeobjekten mit diskontinuierlicher Nutzung, wo die schnelle Aufheizbarkeit ein Vorteil ist; und bei Decken gegen unbeheizte Räume wie Durchfahrten, Garagen oder Lagerräume.

Keine gute Wahl ist Innendämmung bei feuchten Fassaden (aufsteigende Feuchte, Salzbelastung), bei Schlagregenbelastung ohne funktionierenden Regenschutz (DIN 4108-3, Schlagregenbeanspruchungsgruppe III) sowie bei schweren einbindenden Decken-Wärmebrücken, die nicht flankierend gedämmt werden können. Die wichtigste Vorbedingung: Die Fassade muss vor der Maßnahme trocken und regensicher sein — sonst wird eingedrungenes Wasser im kalten Wandquerschnitt eingeschlossen und kann Frostschäden bis zur Bauteilzerstörung verursachen.

KriteriumInnendämmungAußendämmung
TaupunktlageIm Wandquerschnitt kritischIn der Dämmschicht unkritisch
WärmebrückenUnvermeidbar (Decken, Wände)Weitgehend vermeidbar
Wohnraumverlust3–5 % pro Außenwand-RaumKein Verlust
Kosten eingebaut €/m²55–130 €100–250 €
Sommerlicher HitzeschutzVerlust der SpeichermasseSpeichermasse bleibt innen
Denkmalschutz möglichMeist genehmigtMeist unzulässig
Förderfähiger U-WertWLS ≤ 040, ≥ 4 cm (8.1.4)U ≤ 0,20 W/(m²·K) (8.1.2)

Die Tabelle macht sichtbar, warum eine klassische Außenwanddämmung bei jedem Einfamilienhaus ohne Denkmalauflagen oder nachbarrechtliche Einschränkungen die robustere Lösung bleibt — Innendämmung rechtfertigt sich erst, wenn einer der sechs oben genannten Gründe verhindert, dass von außen gedämmt werden kann.

Das Taupunkt-Problem und die Systementscheidung

Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoller als jede Außendämmung, weil sie die thermische Zonierung der Wand umkehrt. In einer ungedämmten Altbauwand fällt die Temperatur gleichmäßig von innen nach außen, der Taupunkt liegt je nach Raumluftfeuchte und Außenklima im äußeren Wanddrittel und verursacht selten Probleme. Sobald innen eine Dämmebene aufgebracht wird, bleibt die Bestandswand im kalten Bereich — der Taupunkt wandert zur Raumseite und liegt nach der Dämmmaßnahme oft direkt an der Grenzfläche zwischen Altwand und Dämmstoff. Dort kondensiert bei typischem Winterklima (20 °C und 50 % relative Luftfeuchte innen, −5 °C außen) Wasserdampf aus der Raumluft, der durch die Dämmung diffundiert ist.

Es existieren zwei Lösungswege mit unterschiedlicher Philosophie. Der dampfbremsende Weg verhindert den Feuchteeintrag mechanisch durch eine Dampfbremse mit hohem sd-Wert (Mineralwolle mit PE-Folie sd ≥ 2 m oder feuchtevariabel pro clima Intello), typisch kombiniert mit einer Vorsatzschale aus Gipskarton. Der kapillaraktive Weg akzeptiert begrenzten Feuchteeintrag und führt ihn durch kapillaren Rücktransport des Dämmstoffs wieder an die Raumluft zurück, wo er durch Lüftung entfernt wird — so arbeiten Kalziumsilikat (µ 3–6), Mineralschaum Multipor (µ 2–3) und Holzfaser (µ 3–5).

Mischformen sind problematisch: Ein kapillaraktiver Dämmstoff ohne funktionierendes Lüftungskonzept führt zur Feuchteüberladung, eine Dampfbremse mit Leckagen an Steckdosen oder unsauberen Stößen verursacht lokale Kondensat-Nester mit Schimmelrisiko. Der rechnerische Nachweis erfolgt entweder über das vereinfachte Glaser-Verfahren (DIN 4108-3) für Standardfälle oder über die hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026 (de facto Fraunhofer WUFI). Letztere ist für Fachwerk, Schlagregenfassaden und alle Dämmdicken über 8 Zentimeter fachlicher Standard — das WTA-Merkblatt 6-5 schreibt den numerischen Nachweis für alle Systeme ohne bauaufsichtliche Zulassung oder WTA-Zertifizierung zwingend vor. Parallel verlangt DIN 1946-6 nach jeder Dämm- oder Fenstermaßnahme die Prüfung, ob ein Lüftungskonzept mit Abluftanlage oder Wärmerückgewinnung erforderlich wird.

GebäudetypEmpfohlenes SystemWarum
Fachwerk mit SichtfassadeKapillaraktiv (Holzfaser, Mineralschaum)Diffusionsoffen zwingend (WTA 8-5)
Denkmal mit Ziegel-AußenwandKapillaraktiv (Kalziumsilikat, Multipor)Fehlerverzeihend, Schimmelsanierung
Gründerzeit-Altbau mit PutzfassadeMultipor oder HolzfaserKompromiss Dämmwert & Sicherheit
Mietwohnung, einzelner RaumPUR-Verbundplatte mit GKPlatzsparend, schnelle Verlegung
Giebelwand im EFHMineralwolle + DampfbremseGünstig bei Ständerkonstruktion
Extreme Platznot (< 5 cm)Aerogel-Dämmplatteλ 0,015–0,018, schlankste Lösung

Dämmstoffe im Vergleich 2026

Die Wahl des Dämmstoffs bestimmt die bauphysikalische Sicherheit, die erforderliche Dämmdicke und den Gesamtpreis. Die folgende Übersicht vergleicht die acht relevanten Systeme für Innendämmung nach Wärmeleitfähigkeit (λ), Diffusionswiderstand (µ), Preis und typischem Einsatzbereich. Alle Preise beinhalten Dämmstoff, Kleber, Armierung, Putz oder Verkleidung sowie Handwerkerleistung (90–130 €/h).

Systemλ W/(m·K)µPreis eingebaut €/m²Hauptanwendung
Mineralschaum Multipor0,040–0,0452–360–100 €Flächendeckend, Denkmal, Decken
Kalziumsilikat-Platten0,055–0,0653–6 (kapillar)70–120 €Schimmelsanierung, Teilflächen
Holzfaser innen0,036–0,0453–580–130 €Fachwerk, ökologisch
PUR-Verbundplatte mit GK0,022–0,027≥ 50 (diffusionsdicht)70–110 €Platznot, Mietwohnung
Mineralwolle + Dampfbremse0,032–0,040Folie sd ≥ 2 m55–90 €Klassisches Günstig-System
Aerogel-Dämmplatte0,015–0,0184–5250–400 €Extreme Platznot, Denkmal
EPS/XPS innen0,032–0,04030–10040–70 €Deckenunterseite, nicht Wand
Zellulose-Einblas0,038–0,0401–245–75 €Fachwerk-Gefache, Hohlräume

Multipor von Xella bietet mit λ 0,042 W/(m·K) den besten Kompromiss aus Dämmleistung, Brandschutz (A1), Schimmelsicherheit und Preis und ist damit der Allrounder für denkmalgeschützte und erhaltenswerte Fassaden. Kalziumsilikat ist die Wahl bei aktiver Schimmelsanierung, weil es Feuchtigkeit großvolumig aufnehmen und durch die hohe Alkalität (pH 10–12) Schimmelsporen inaktivieren kann. PUR-Verbundplatten liegen bei λ 0,022 W/(m·K), halten die Aufbauhöhe gering und sind diffusionsdicht — dadurch extrem fehlerintolerant bei der Verlegung. Die meisten der hier gelisteten Dämmstoffe kommen auch an Dach und Fassade zum Einsatz, verhalten sich dort aber bauphysikalisch völlig anders als in der Innenanwendung.

Dämmdicke und U-Wert: Was wirklich sinnvoll ist

Die BEG-EM-Förderung kennt bei Innendämmung keine U-Wert-Anforderung — stattdessen gilt die Sonderregel in Ziffer 8.1.4 der Technischen Mindestanforderungen: Wärmeleitstufe WLS ≤ 040 und Mindestdämmstoffdicke 4 Zentimeter. Das BAFA erkennt damit an, dass Innendämmung den Standardgrenzwert für Außendämmung (U ≤ 0,20 W/(m²·K) nach 8.1.2) bauphysikalisch kaum erreichen kann, ohne unvertretbar dicke Aufbauten zu erzwingen. Für denkmalgeschützte Außenwände gilt 8.1.7 mit U ≤ 0,45 W/(m²·K).

Wirtschaftlich optimal sind 6 bis 8 Zentimeter Dämmstoffdicke. Bei einer typischen Altbau-Ziegelwand von 36 Zentimeter Stärke und U 1,5 W/(m²·K) sinkt der Wert durch 8 cm Multipor (λ 0,042) auf rund 0,42 W/(m²·K), was einer Heizwärmereduktion von etwa 70 % durch die Wand entspricht. Jede weitere Verbesserung des U-Werts jenseits dieser Schwelle kostet überproportional mehr Dämmstoff, während das Taupunktrisiko und der Raumverlust gleichzeitig stärker wachsen als der energetische Nutzen.

Kosten und Förderung der Innendämmung 2026

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) bietet 2026 drei Säulen: einen direkten BAFA-Zuschuss, den zinsverbilligten KfW-Ergänzungskredit 358/359 sowie den steuerlichen Bonus nach § 35c EStG. Die Kombination BAFA plus KfW-Kredit ist zulässig, die Kombination BAFA plus § 35c EStG für dieselbe Maßnahme hingegen ausgeschlossen. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Konditionen.

FörderprogrammHöheMax. förderfähige KostenMax. BetragVoraussetzung
BAFA BEG-EM Grundförderung15 %30.000 €/WE4.500 €WLS ≤ 040, ≥ 4 cm (Regel 8.1.4)
BAFA mit iSFP-Bonus20 %60.000 €/WE12.000 €iSFP + Regel 8.1.4
KfW-Ergänzungskredit 358Zinsverbilligt ~2 %120.000 €/WE120.000 €Einkommen ≤ 90.000 €
KfW-Ergänzungskredit 359Marktzins120.000 €/WE120.000 €Keine Einkommensgrenze
§ 35c EStG Steuerbonus20 % über 3 Jahre200.000 €40.000 €Selbstnutzung, Objekt ≥ 10 J.

Der BAFA-Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden, sonst entfällt der Zuschuss vollständig. Die iSFP-Erstellung kostet netto nach 50 % BAFA-Förderung rund 650–900 € und hebt den Gesamtzuschuss bei 40.000 € Innendämmungskosten von 4.500 € (ohne iSFP) auf bis zu 8.000 € — der iSFP amortisiert sich dadurch bei jeder größeren Maßnahme fast automatisch. Ein praktischer Hinweis zur Aktualität: Nach aktueller Förderrichtlinie läuft die Zusatzförderung für konventionelle Dämmstoffe zum 31.12.2026 aus, danach verbleiben ausschließlich die regulären Prozentsätze. Wer plant, sollte die Antragstellung möglichst bis Ende 2026 abschließen.

Rechenbeispiel: Altbau 1955 mit 100 m² Innendämmung

Ein typisches Einfamilienhaus Baujahr 1955 mit 100 Quadratmetern Außenwandfläche und einer ungedämmten Vollziegelwand (36 cm, U 1,5 W/(m²·K)) soll mit 8 Zentimeter Multipor innendämmung saniert werden. Die Gesamtinvestition liegt bei etwa 8.000 € (80 €/m² eingebaut). Nach Abzug der BAFA-Förderung mit iSFP-Bonus von 20 % verbleibt eine Netto-Investition von 6.400 €. Die U-Wert-Verbesserung von 1,5 auf 0,42 W/(m²·K) reduziert den Heizwärmebedarf dieser Wandfläche um rund 72 %.

KennzahlWertHinweis
Bruttoinvestition8.000 €100 m² × 80 €/m² Multipor
BAFA-Zuschuss 20 % mit iSFP−1.600 €Energieberater-Pflicht
Nettoinvestition6.400 €Nach Förderung
U-Wert vorher/nachher1,5 → 0,42 W/(m²·K)−72 % Wärmeverlust
Heizkosten-Ersparnis/Jahrca. 1.000 €Bei Gas 11,1 ct/kWh, HGT 75.000
Statische Amortisation6–7 JahreOhne Wohnraumverlust
Wohnraumverlust (5 % Grundfläche)ca. 1 m²Opportunitätswert je nach Region

Ein Punkt, den klassische Wirtschaftlichkeitsrechnungen oft ausblenden: der Wohnraumverlust. Bei 10 Zentimeter Gesamtaufbau (8 cm Dämmung plus Kleber plus Verkleidung) verliert ein 20-m²-Raum mit zwei 5-m-Außenwänden rund 1,0 m² Grundfläche, also etwa 5 %. Bei einem regionalen Wohnflächenwert von 2.500 €/m² in München entspricht das einem rechnerischen Opportunitätswert von 2.500 € — bei ländlichem Altbau mit 1.000 €/m² nur 1.000 €. Dieser Wert sollte in der Gesamtbetrachtung mit aufgeführt werden, relativiert aber die kurze statische Amortisation nicht grundsätzlich.

Innendämmung im Fachwerk und Denkmalschutz

Fachwerkhäuser mit sichtbarem Holzgefüge erlauben keine Außendämmung, weil diese das charakteristische Erscheinungsbild vollständig zerstören würde — und stehen in Deutschland oft unter Denkmalschutz, was Außendämmung rechtlich ohnehin verbietet. Für die Innendämmung gilt das WTA-Merkblatt 8-5 (Fachwerkinstandsetzung, Teil V: Innendämmung) als verbindlicher Leitfaden. Es schreibt zwingend diffusionsoffene Systeme vor, weil die Fachwerk-Gefache (typisch Lehm, Backstein oder Natursteinmauerwerk) auftretende Feuchtigkeit kapillar nach außen abführen müssen. Dampfsperren sind kontraindiziert, weil sie Feuchteeinschlüsse mit Holzfäule-Folgen im Ständerwerk verursachen können.

Die drei praxisbewährten Systeme für Fachwerk sind Holzfaser-Dämmplatten (Steico Internal, Pavatex Pavadentro, Gutex Thermoroom) mit λ 0,036–0,045, Zellulose-Einblasdämmung in die Gefache (λ 0,040) und Mineralschaum Multipor mit λ 0,042. Typische Dämmstärken liegen bei 6–8 Zentimetern, darüber steigen die Risiken für Holzsubstanz und Putzhaftung überproportional. Ein numerischer Feuchteschutz-Nachweis nach DIN EN 15026 mittels Fraunhofer WUFI ist bei Fachwerk obligat — das vereinfachte Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3 ist für diese Situation ausdrücklich unzulässig. Für den nachbarrechtlichen Sonderfall eines grenzständigen Altbaus hat der BGH mit Urteil V ZR 23/20 (2021) die Überschreitung der Grundstücksgrenze durch Außenwärmedämmung unter engen Bedingungen legitimiert — allerdings nur in Bundesländern mit entsprechenden Nachbarrechtsvorschriften.

Fünf typische Einbaufehler — und wie sie Schimmel verursachen

Innendämmung fällt bauphysikalisch fast ausschließlich wegen Verarbeitungsfehlern aus, nicht wegen des Dämmstoffs selbst. Die folgende Übersicht listet die fünf praxisrelevantesten Fehler mit ihrer bauphysikalischen Wirkung und der sicheren Vermeidung.

EinbaufehlerBauphysikalische FolgeVermeidung
Hohlräume zwischen Dämmung und WandKonvektive Feuchteschleusen, punktuelles SchimmelwachstumVollflächiges Verkleben nach Herstellervorgabe
Dampfbremse mit Leckagen an SteckdosenLokales Kondensat, Bauteilzerstörung unsichtbarDichtmanschetten, Blower-Door-Test n50 ≤ 1,5 h⁻¹
Keine flankierende Dämmung an InnendeckenWärmebrücke entlang Decken-Wand-AnschlussFlankendämmung 50 cm rechts/links
Feuchte Fassade nicht vorher saniertEingeschlossene Feuchte, FrostschädenFeuchtemessung vor Start, Fassade trocknen
Kein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6Raumluftfeuchte ≥ 65 %, Schimmelrisiko auf DämmungAbluft- oder KWL-Anlage mit WRG

Nach jeder Dämmmaßnahme in Kombination mit neuen Fenstern (U-Wert ≤ 1,0 W/(m²·K)) fällt die Luftwechselrate des Gebäudes um 30 bis 60 %. DIN 1946-6 verlangt dann ein Lüftungskonzept, das bei mehr als zwei Fensterebenen fast immer auf eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung hinausläuft. Die Kosten liegen bei 6.000–12.000 € für ein Einfamilienhaus, die zusätzlich als BAFA-Lüftungsförderung zuschussfähig sind.

Innendämmung der Deckenunterseite

Die Deckenunterseite ist ein häufig übersehener Sonderfall der Innendämmung: Sie kommt zum Einsatz, wenn die Wohnung über einer unbeheizten Zone liegt — etwa über einer offenen Durchfahrt, einer Tiefgarage, einem Lagerraum oder einer nicht beheizten Gewerbeeinheit. Die Dämmung wird von unten an die Betondecke geklebt oder geschraubt, typisch mit PUR-Verbundplatten (λ 0,022), EPS (λ 0,035) oder Mineralschaum Multipor (λ 0,042). Die Kosten liegen zwischen 40 und 100 €/m² eingebaut, deutlich günstiger als Wand-Innendämmung.

Der entscheidende Unterschied zur horizontalen Kellerdeckendämmung: Die Deckenunterseite grenzt an eine beheizte Wohnung und benötigt keine Begehbarkeitskonstruktion. Förderrechtlich gilt für Decken gegen Außenluft oder unbeheizte Räume nach BEG-EM Ziffer 8.1.3 ein Höchst-U-Wert von 0,25 W/(m²·K), bei begrenzter Aufbauhöhe ermöglicht die Sonderregel 8.1.4 auch hier Erleichterungen. Der zugehörige Förderpfad ist identisch mit der Wand-Innendämmung: 15 % Grundzuschuss plus 5 % iSFP-Bonus.

Innendämmung plus Wärmepumpe: Der Systemwechsel gelingt

Der wirtschaftlich bedeutendste, aber selten erklärte Effekt einer Innendämmung im Altbau betrifft die Heizungssanierung. Eine unsanierte Wand mit U 1,5 W/(m²·K) erzeugt bei den typischen Normtemperaturen eine so hohe spezifische Heizlast, dass Heizkörper Vorlauftemperaturen von 65 bis 75 °C benötigen, um den Raum aufzuheizen. Genau in diesem Bereich scheitern Luft-Wasser-Wärmepumpen wirtschaftlich, weil ihre Jahresarbeitszahl (JAZ) bei Vorlauf > 55 °C unter 3,0 fällt und der Stromverbrauch einer Wärmepumpe um etwa 2,5 Prozent pro Grad höherer Vorlauftemperatur zunimmt.

Eine Innendämmung mit 6 bis 8 Zentimetern senkt die spezifische Heizlast im Altbau typischerweise um 30 bis 40 % und bringt die erforderliche Vorlauftemperatur in vielen Fällen unter die kritische 50-°C-Schwelle, ab der moderne Luft-Wärmepumpen (Vaillant aroTHERM, Viessmann Vitocal 250-A, Panasonic Aquarea) effizient arbeiten. Die Kombination Dämmung plus Wärmepumpe entscheidet damit nicht nur über die monatliche Rechnung, sondern über die Machbarkeit des gesamten Heizungswechsels. Die Reihenfolge einer Gesamtsanierung beginnt üblicherweise mit Dachdämmung, gefolgt von Innendämmung der Außenwände und Fenstertausch — erst dann wird die Wärmepumpe optimal dimensioniert eingebaut.

Häufige Fragen zur Innendämmung 2026

Ist Innendämmung sinnvoll?

Ja, wenn Außendämmung technisch oder rechtlich ausgeschlossen ist — also bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung oder Mietwohnungen. Andernfalls ist Außendämmung bauphysikalisch überlegen und sollte bevorzugt werden.

Welches Material ist die beste Innendämmung?

Für denkmalgeschützte und erhaltenswerte Fassaden empfiehlt sich Mineralschaum Multipor (λ 0,042 W/(m·K)) als Kompromiss aus Dämmleistung, Schimmelschutz und Preis. Bei reiner Schimmelsanierung Kalziumsilikat, bei Fachwerk Holzfaser oder Zellulose.

Wie dick muss eine Innendämmung sein?

Für die BEG-EM-Förderung (Regel 8.1.4) genügt Dämmstoff mit WLS ≤ 040 ab 4 Zentimeter — ohne U-Wert-Nachweis. Wirtschaftlich optimal sind 6 bis 8 Zentimeter; darüber steigt der Nutzen nur noch marginal, das Taupunkt-Risiko und der Raumverlust hingegen überproportional.

Kann ich Innendämmung selber machen?

Mineralschaum und Holzfaser lassen sich bei Bedarf in Eigenleistung verkleben. Kalziumsilikat und dampfbremsende Systeme mit Folie gehören wegen hoher Fehlerintoleranz in Fachhand. Ohne Energieeffizienz-Experten entfällt die BAFA-Förderung vollständig — der Steuerbonus § 35c EStG mit 20 % auf drei Jahre bleibt bei Selbstnutzung verfügbar.

Was kostet Innendämmung pro Quadratmeter?

Eingebaut zwischen 55 und 130 €/m² je nach System. Mineralwolle mit Dampfbremse ist mit 55–90 €/m² die günstigste Option, Multipor-Systeme liegen bei 60–100 €/m² gesamt, Holzfaser bei 80–130 €/m². Aerogel erreicht 250–400 €/m² bei extremer Platznot.

Wird Innendämmung 2026 gefördert?

Ja, BAFA BEG-EM mit 15 % plus 5 % iSFP-Bonus, Förderdeckel 60.000 €/WE mit iSFP. Alternativ Steuerbonus 20 % nach § 35c EStG. Die Zusatzförderung für konventionelle Dämmstoffe (20 €/m²) läuft am 31.12.2026 aus.

Führt Innendämmung zwangsläufig zu Schimmel?

Nein, nur bei falscher Ausführung. Kapillaraktive Systeme wie Multipor oder Kalziumsilikat und korrekt verlegte Dampfbremsen sind bauphysikalisch sicher, wenn die Fassade außen regensicher und trocken ist und raumseitig nach DIN 1946-6 gelüftet wird.

Braucht Innendämmung eine Dampfbremse?

Bei Mineralwolle oder PUR/PIR ja, bei kapillaraktiven Systemen (Kalziumsilikat, Multipor, Holzfaser mit Kalkputz) nein. Die richtige Systementscheidung hängt von Gebäudetyp, Schlagregenbelastung und Ausführungsqualität ab.

Was ist der Unterschied zwischen Multipor und Kalziumsilikat?

Multipor (Mineralschaum aus Xella) hat mit λ 0,042 eine bessere Dämmleistung, Kalziumsilikat (λ 0,055–0,065) nimmt durch höhere Kapillaraktivität mehr Feuchtigkeit auf und ist bei aktiver Schimmelsanierung durch seine Alkalität (pH 10–12) überlegen. Multipor eignet sich für flächige Anwendung, Kalziumsilikat für Problemzonen.

Welche Nachteile hat Innendämmung?

Wohnraumverlust 3–5 % pro Außenwand-Raum, Taupunktverschiebung ins Bauteilinnere, unvermeidbare flankierende Wärmebrücken an einbindenden Decken, schlechterer sommerlicher Wärmeschutz durch Verlust der thermischen Speichermasse und höhere Ausführungsqualität erforderlich als bei Außendämmung.

Kann Innendämmung eine Wärmepumpe ermöglichen?

Ja. Bei Altbau Baujahr vor 1960 senkt Innendämmung 6–8 Zentimeter den Wand-U-Wert von 1,5 auf rund 0,42 W/(m²·K) und die Heizlast um 30–40 % — in Kombination mit Fenstertausch und Dachdämmung reicht das meist, um die Vorlauftemperatur unter 50 °C zu bringen und Luft-Wärmepumpen-Betrieb mit JAZ > 3,5 zu ermöglichen.

Was sagt die Verbraucherzentrale zu Innendämmung?

Sie empfiehlt Außendämmung wo möglich und Innendämmung nur, wenn die Fassade erhalten bleiben muss — mit kapillaraktiven Systemen und professioneller Ausführung durch Energieeffizienz-Experten der dena-Liste.

Fazit: Richtiges System, richtige Ausführung

Innendämmung ist die bauphysikalisch anspruchsvollere Schwester der Außendämmung, aber bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung und Mietwohnungen oft alternativlos. Die BEG-EM-Sonderregel 8.1.4 mit WLS ≤ 040 und 4 Zentimeter Mindestdicke ermöglicht 2026 einen realistischen Förderzugang, die 20 % iSFP-Kombination erschließt bis zu 12.000 € Zuschuss. Entscheidend ist die richtige Systemwahl — kapillaraktiv bei Denkmal und Fachwerk, dampfbremsend nur bei sauberer handwerklicher Ausführung — und der rechtzeitige Antrag vor der 31.12.2026-Auslauf-Frist für konventionelle Dämmstoffe. Wer Innendämmung mit dem Blick auf die spätere Heizungssanierung plant, schafft darüber hinaus die bauphysikalische Voraussetzung für den effizienten Wärmepumpen-Einbau im Altbau.