Max Nestler
August 13, 2026
Lesezeit
8
Minuten
Wärmepumpe
Arten & Systemleistung

Heizen mit Erdwärme 2026: Funktion, Kosten und Nachteile

Heizen mit Erdwärme nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs als Energiequelle für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Die Anlage erreicht im Feldtest eine Jahresarbeitszahl von durchschnittlich 4,3, kostet aber mit 25.000 bis 50.000 Euro deutlich mehr als eine Luftwärmepumpe. Genehmigungspflicht und Bohrkosten sind die größten Hürden, die Betriebskosten dafür die niedrigsten aller Wärmepumpen-Systeme.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Erdtemperatur: 7 bis 12 °C konstant ab 10 bis 15 Meter Tiefe
  • Jahresarbeitszahl Sole-Wasser: Ø 4,3 im Feldtest (Fraunhofer ISE)
  • Gesamtkosten Einfamilienhaus: 25.000 bis 50.000 Euro
  • Bohrkosten Erdwärmesonde: 50 bis 100 Euro pro Meter (bis 120 € in hartem Gestein)
  • BEG-458-Förderung: bis 70 % (80 % bei Einkommen ≤ 40.000 €), Höchstbetrag 28.000 € (ab 21.07.2026)
  • Marktanteil Erdreich-Wärmepumpen 2025: 5 % (16.000 Anlagen, BWP/BDH)
  • Bergrechtsgrenze: erst ab 400 Meter Bohrtiefe (GeoBG, seit 23.12.2025)
  • Genehmigung: wasserrechtliche Anzeige nach § 49 WHG, mindestens 1 Monat vorher

Wie funktioniert Heizen mit Erdwärme?

Heizen mit Erdwärme entzieht dem Erdreich Wärme und hebt sie über eine Wärmepumpe auf Heiztemperatur an. Ab 10 bis 15 Metern Tiefe herrscht im Untergrund ganzjährig eine Temperatur von 7 bis 12 Grad Celsius, unabhängig von Wetter und Jahreszeit (VDI 4640). Diese Wärme entzieht ein frostsicheres Wasser-Glykol-Gemisch, die sogenannte Sole.

Zwei Erschließungsarten stehen zur Wahl. Flächenkollektoren verlegen Rohre horizontal in 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe auf einer unbebauten Gartenfläche. Erdwärmesonden reichen vertikal 40 bis 100 Meter in den Untergrund und benötigen deutlich weniger Grundstücksfläche.

Die Sole gibt ihre Wärme im Verdampfer der Wärmepumpe an ein Kältemittel ab. Ein Kompressor verdichtet das Kältemittel und hebt die Temperatur auf 35 bis 55 Grad Celsius an. Diese Wärme heizt Räume und Trinkwasser. Ein Entspannungsventil senkt danach den Druck, der Kreislauf beginnt neu.

Weil die Erdtemperatur ganzjährig stabil bleibt, arbeitet die Wärmepumpe effizienter als eine Luftwärmepumpe. Der Kompressor überwindet eine kleinere Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Heizkreis. Das senkt den Stromverbrauch spürbar.

Was kostet Heizen mit Erdwärme 2026?

Eine komplette Erdwärmeheizung für ein Einfamilienhaus kostet 2026 zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Die Spanne hängt vor allem von der Erschließungsart ab: Flächenkollektoren sind günstiger als Erdwärmesonden mit Tiefenbohrung.

KostenpositionFlächenkollektorErdwärmesonde
Wärmepumpe (Gerät)12.000–18.000 €12.000–18.000 €
Erschließung (Kollektor bzw. Bohrung)3.000–10.000 €10.000–20.000 €
Installation, Speicher, Hydraulik5.000–8.000 €5.000–8.000 €
Genehmigung, Gutachten100–500 €800–2.500 €
Gesamtkosten (Richtwert)25.000–35.000 €30.000–50.000 €

Marktbeobachtung 2026, Querabgleich mehrerer Vergleichsportale (u. a. Thermondo, MyHammer); keine amtliche Preisstatistik.

Bohrungen für Erdwärmesonden kosten 2026 branchenüblich 50 bis 100 Euro pro Bohrmeter, in hartem Gestein etwa in Süddeutschland auch bis zu 120 Euro (co2online, Verbraucherportal). Ein Einfamilienhaus benötigt meist 120 bis 160 Bohrmeter, aufgeteilt auf zwei Sonden. Die Bohrfirma verpresst jede Sonde anschließend mit Bentonit-Zement-Suspension.

Die Betriebskosten liegen bei Erdwärmepumpen niedriger als bei jedem anderen Wärmepumpen-Typ. Grund ist die hohe Jahresarbeitszahl (JAZ): Sie beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom entstehen. Fraunhofer ISE misst bei Sole-Wasser-Systemen im Feldtest eine JAZ von durchschnittlich 4,3.

Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Jahreswärmebedarf ergibt das 3.488 Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr. Bei einem Wärmepumpen-Stromtarif von 30 Cent pro Kilowattstunde entstehen daraus rund 1.050 Euro jährliche Stromkosten. Wärmepumpen-Stromtarife liegen üblicherweise 5 bis 10 Cent unter dem Haushaltsstrompreis von rund 40 Cent pro Kilowattstunde (BDEW, 2025).

Die staatliche BEG-Förderung senkt den Eigenanteil erheblich. Details zu den aktuellen Fördersätzen stehen im Abschnitt Genehmigung und Förderung.

Vor- und Nachteile von Erdwärme im Überblick

Die größten Nachteile von Erdwärme sind die hohen Anschaffungskosten und die Genehmigungspflicht; der größte Vorteil ist die konstant hohe Effizienz. Die folgende Tabelle bündelt beide Seiten für die Kaufentscheidung.

VorteileNachteile
Hohe Effizienz: JAZ 4,3 im Feldtest, ganzjährig stabil (Fraunhofer ISE)Hohe Anschaffungskosten: 25.000 bis 50.000 Euro
Kein Außengerät, damit geräuschlos im GartenGenehmigungspflicht verlängert die Planung um Wochen bis Monate
Passive Kühlung im Sommer möglich (Geocooling)In Wasserschutzzone I und II meist nicht zulässig
Rund 64 % weniger CO₂ als eine Gasheizung (Fraunhofer ISE, Strommix 2024)Bohrgerät braucht Zufahrt und Stellfläche auf dem Grundstück
Lange Lebensdauer der Sonde, geschützt im UntergrundSondenschäden sind kaum reparierbar; oft ist eine neue Bohrung nötig

Die Effizienz einer Erdwärmepumpe bleibt auch im Winter konstant. Die Erdtemperatur schwankt kaum, während die Außenluft an kalten Tagen stark abkühlt. Das unterscheidet Erdwärme von Luftwärmepumpen, die bei Frost mehr Strom verbrauchen.

Die Genehmigungspflicht ist der Nachteil mit dem größten Planungsrisiko. Die zuständige Wasserbehörde prüft geologische Gutachten, bevor die Bohrung beginnen darf. In Wasserschutzgebieten der Zone I und II lehnen Behörden Anträge in der Regel ab.

Ein Sondenschaden zählt zu den seltenen, aber teuren Risiken. Erdwärmesonden liegen dauerhaft verpresst im Untergrund. Eine Reparatur ist praktisch ausgeschlossen; meist bohren Fachfirmen eine neue Sonde daneben.

Erdwärmepumpe oder Luftwärmepumpe: Was ist besser?

Eine Erdwärmepumpe arbeitet effizienter als eine Luftwärmepumpe, kostet aber mehr und braucht eine Genehmigung. Die Wahl hängt vom Budget, dem Grundstück und der Genehmigungslage ab.

KriteriumErdwärmepumpeLuft-Wasser-Wärmepumpe
Anschaffung (Einfamilienhaus)25.000–50.000 €18.000–30.000 €
JAZ im Feldtest (Fraunhofer ISE)Ø 4,3 (3,6–5,4)Ø 3,4 (2,6–4,9)
Außengerätkeins, daher geräuschlosVentilator-Außeneinheit
Genehmigungwasserrechtlich anzeigepflichtigin der Regel genehmigungsfrei
Kühlfunktion im Sommerpassives Geocooling möglichnur aktive Kühlung, mit höherem Stromverbrauch

Die höhere Jahresarbeitszahl der Erdwärmepumpe senkt den Stromverbrauch. Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Jahreswärmebedarf verbraucht eine Erdwärmepumpe rund 3.488 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Eine Luftwärmepumpe mit JAZ 3,4 benötigt dafür 4.412 Kilowattstunden. Die Differenz von 924 Kilowattstunden entspricht bei 30 Cent pro Kilowattstunde rund 277 Euro Ersparnis pro Jahr für die Erdwärmepumpe.

Diese Ersparnis gleicht die Mehrkosten der Erschließung nur langsam aus. Bei 8.000 bis 10.000 Euro höherer Investition dauert die Amortisation allein aus der Betriebskosten-Differenz mehrere Jahrzehnte. Für Eigentümer mit kleinem Grundstück oder in einem Wasserschutzgebiet bleibt die Luftwärmepumpe oft die praktikablere Wahl.

Genehmigung und Förderung für Erdwärme

Brauche ich eine Genehmigung für eine Erdwärmebohrung?

Ja, Erdwärmebohrungen sind nach § 49 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) anzeigepflichtig. Die Anzeige geht mindestens einen Monat vor Baubeginn an die untere Wasserbehörde. Erst nach deren Zustimmung darf die Bohrfirma beginnen.

In Wasserschutzgebieten gelten strengere Regeln. Die Zonen I und II schließen Bohrungen meist aus. In Zone III sind Bohrungen mit Auflagen häufig möglich.

Seit dem 23. Dezember 2025 gilt zusätzlich eine neue Tiefengrenze im Bergrecht. Das Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG) hebt die bergrechtliche Genehmigungspflicht erst ab 400 Metern Bohrtiefe an. Zuvor lag diese Grenze bei 100 Metern. Für Einfamilienhäuser mit üblichen Sondentiefen von 40 bis 100 Metern entfällt damit die zusätzliche Prüfung durch das Landesbergamt.

Die genauen Zuständigkeiten regelt jedes Bundesland eigenständig. Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz veröffentlichen eigene Leitfäden zur Erdwärmenutzung.

Wie viel Förderung gibt es für Erdwärmepumpen?

Der Bund fördert Erdwärmepumpen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG-458) mit bis zu 80 Prozent der Kosten. Die folgenden Sätze gelten laut KfW-Information für Multiplikatoren ab dem 21. Juli 2026.

FörderbausteinSatzBedingung
Grundförderung30 %für alle Antragstellenden
Klimageschwindigkeitsbonus16 %Austausch einer funktionstüchtigen Öl-, Kohle-, Nachtspeicher- oder mindestens 20 Jahre alten Gasheizung
Einkommensbonus40 / 30 / 10 %bei Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000 / 40.000 / 50.000 €
Kombinationsobergrenze70 % (80 % bei Einkommen ≤ 40.000 €)Deckel für die Gesamtförderung
Förderfähige Kosten (1. Wohneinheit)bis 28.000 €Höchstbetrag, sinkt ab 01.02.2027 stufenweise

Der frühere Effizienzbonus von 5 Prozent für natürliche Kältemittel wie Propan ist entfallen. Ältere Ratgeber, die diesen Bonus noch nennen, sind veraltet. Die Fördersätze sinken ab Februar 2027 in mehreren Stufen, daher lohnt sich vor der Antragstellung ein Blick auf die aktuelle KfW-Information.

Kühlen mit Erdwärme im Sommer

Sole-Wasser-Wärmepumpen können im Sommer passiv kühlen, ohne dass der Kompressor läuft. Diese Funktion heißt Geocooling oder Freecooling und ist ein Zusatznutzen, den Luftwärmepumpen nicht bieten.

Bei der passiven Kühlung überträgt ein Wärmetauscher die Raumwärme direkt an die Sole. Die Sole transportiert die Wärme ins Erdreich, das im Sommer kühler ist als die Raumluft. Nur die Umwälzpumpen laufen, der stromintensive Kompressor bleibt aus.

Die zusätzlichen Stromkosten für Geocooling sind gering, da nur Pumpenstrom anfällt. Ein weiterer Effekt: Die eingebrachte Sommerwärme regeneriert die Erdsonde. Das Erdreich erhält einen Teil der im Winter entzogenen Wärme zurück, was die Effizienz in der folgenden Heizperiode leicht verbessert.

Häufige Fragen zum Heizen mit Erdwärme

Was sind die größten Nachteile einer Erdwärmepumpe?

Die größten Nachteile sind die hohen Anschaffungskosten von 25.000 bis 50.000 Euro und die Genehmigungspflicht. Hinzu kommt der Platzbedarf für Bohrgerät oder Kollektorfläche. In Wasserschutzzonen I und II ist Erdwärme meist ausgeschlossen.

Wie viel kostet eine Erdwärmepumpe mit Bohrung?

Eine Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung kostet komplett installiert 30.000 bis 50.000 Euro. Die Bohrung selbst schlägt mit 50 bis 100 Euro pro Meter zu Buche, in hartem Gestein bis zu 120 Euro. Ein Einfamilienhaus benötigt meist 120 bis 160 Bohrmeter.

Wie tief muss man für eine Erdwärmepumpe bohren?

Erdwärmesonden für Einfamilienhäuser reichen üblicherweise 40 bis 100 Meter tief. Die genaue Tiefe hängt von der Heizlast und der geologischen Entzugsleistung des Untergrunds ab. Ein geologisches Gutachten legt die Tiefe vor der Bohrung fest.

Ist eine Erdwärmepumpe oder eine Luftwärmepumpe besser?

Eine Erdwärmepumpe erreicht die höhere Effizienz mit einer JAZ von 4,3 gegenüber 3,4 bei Luftwärmepumpen. Sie kostet dafür 8.000 bis 10.000 Euro mehr und braucht eine Genehmigung. Bei kleinem Grundstück oder in Wasserschutzgebieten ist die Luftwärmepumpe oft die praktikablere Lösung.

Brauche ich für eine Erdwärmebohrung eine Genehmigung?

Ja, jede Erdwärmebohrung ist nach § 49 Wasserhaushaltsgesetz bei der unteren Wasserbehörde anzeigepflichtig. Die Anzeige muss mindestens einen Monat vor Baubeginn erfolgen. Seit Dezember 2025 entfällt zusätzlich die bergrechtliche Prüfung bis 400 Meter Tiefe.

Kann man mit einer Erdwärmepumpe im Sommer kühlen?

Ja, Sole-Wasser-Wärmepumpen kühlen im Sommer passiv über die Erdsonde, ohne den Kompressor zu nutzen. Diese Funktion heißt Geocooling und verursacht nur geringe zusätzliche Stromkosten. Luftwärmepumpen bieten diese passive Option nicht.

Lohnt sich Erdwärme im Altbau?

Erdwärme eignet sich für sanierte Altbauten mit niedriger Vorlauftemperatur und ausreichendem Grundstück. Fraunhofer ISE fand in Feldmessungen keinen Zusammenhang zwischen Gebäudealter und Effizienz. Voraussetzung ist eine Heizlast, die zur gewählten Sondentiefe oder Kollektorfläche passt.

Erdwärme als Heizlösung einordnen

Erdwärme bleibt trotz hoher Effizienz ein Nischenmarkt. 2025 machten Erdreich-Wärmepumpen nur 5 Prozent des deutschen Wärmepumpen-Absatzes aus, bei 16.000 verkauften Anlagen (BWP/BDH). Luft-Wasser-Wärmepumpen dominierten mit 95 Prozent Marktanteil.

Für Eigentümer mit ausreichendem Budget, geeignetem Grundstück und langfristigem Nutzungshorizont bietet Erdwärme die niedrigsten Betriebskosten unter allen Wärmepumpen-Systemen. Wer schnell entscheiden muss oder ein kleines Grundstück hat, findet in der Luft-Wasser-Wärmepumpe meist die praktikablere Alternative. Wer sich für die Sondenvariante interessiert, findet vertiefende Informationen zur Erdsonde-Wärmepumpe und zur Erdwärme-Tiefenbohrung. Details zu Fördersätzen bündelt der Ratgeber zur KfW-Förderung für Wärmepumpen, Hintergründe zur Kennzahl liefert der Artikel zur Jahresarbeitszahl (JAZ). Allgemeine Schwachstellen aller Wärmepumpen-Typen fasst der Beitrag zu Nachteilen von Wärmepumpen zusammen.

Quellen & Belege

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Projekt „WP-QS im Bestand", 2025), Bundesverband Wärmepumpe (BWP) und Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), VDI-Richtlinie 4640, Wasserhaushaltsgesetz (WHG) § 49, Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG), KfW-Information für Multiplikatoren zur BEG-458-Heizungsförderung, Bundesverband Geothermie e. V.