Max Nestler
August 4, 2026
Lesezeit
7
Minuten
Wärmepumpe
Planungshilfen & Weiterführendes

Wärmepumpe Heizkurve richtig einstellen: Steilheit, Niveau und Praxisbeispiel

Die Heizkurve steuert die Vorlauftemperatur Ihrer Wärmepumpe je nach Außentemperatur. Eine niedrigere Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch um 2,5 bis 3 Prozent pro Grad (BWP). Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Steilheit und Niveau richtig einstellen.

Inhaltsverzeichnis
Wärmepumpe planen

unabhängig mit 42watt

Das Wichtigste in Kürze

  • Steilheit (Neigung): 0,2–0,5 bei Fußbodenheizung, 0,8–1,6 bei Heizkörpern
  • Niveau-Anpassung: in 1-Kelvin-Schritten, Wertebereich −5 bis +5 K
  • Faustregel (BWP): 1 Grad niedrigere Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch um 2,5 bis 3 Prozent
  • Jahresarbeitszahl Luft/Wasser im Bestand: Ø 3,4, Bandbreite 2,6–4,9 (Fraunhofer ISE, 2025)
  • Jahresarbeitszahl Sole/Wasser im Bestand: Ø 4,3, Bandbreite 3,6–5,4 (Fraunhofer ISE, 2025)
  • Hydraulischer Abgleich: 650–1.250 Euro für ein Einfamilienhaus, BAFA-Förderung 15–20 Prozent
  • Effizienzgewinn durch hydraulischen Abgleich: bis zu 15 Prozent (Viessmann, 2026)
  • Mythos widerlegt: Heizkurve braucht Nachjustierung nach Jahreszeitenwechsel und Sanierung, keine einmalige Einstellung

Was ist die Heizkurve einer Wärmepumpe?

Die Heizkurve legt fest, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei welcher Außentemperatur liefert. Sie ist eine mathematische Funktion, keine feste Zahl. Zwei Werte bestimmen sie: Steilheit und Niveau.

Die Steilheit (auch Neigung) regelt, wie stark die Vorlauftemperatur bei fallender Außentemperatur ansteigt. Ein hoher Wert bedeutet: Die Wärmepumpe reagiert stark auf Kälte. Das Niveau verschiebt die gesamte Kurve parallel nach oben oder unten. Es wirkt unabhängig von der Außentemperatur.

Ein Außentemperatur-Fühler liefert den Eingangswert. Er sitzt meist an der Nordfassade, geschützt vor direkter Sonne. Manche Anlagen ergänzen die Kurve um eine Raumtemperatur-Kompensation. Ein Fühler im Referenzraum korrigiert dabei den Vorlauf: Liegt die Ist-Temperatur über dem Sollwert, sinkt der Vorlauf. Liegt sie darunter, steigt er.

Die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe ist der wichtigste Hebel für die Effizienz der gesamten Anlage.

AttributTypischer WertebereichBedeutung
Steilheit (Neigung)0,1 – 3,5Anstieg der Vorlauftemperatur je Grad Außentemperatur-Abfall
Niveau (Parallelverschiebung)−5 bis +5 KVerschiebt die Kurve, unabhängig von der Außentemperatur
Vorlauftemperatur25 – 65 °CAusgabewert der Kurve, Zielgröße für die Heizflächen
Außentemperatur-FühlerMesswert in °CEingangsgröße, meist an der Nordfassade montiert

Wie stellen Sie die Heizkurve Schritt für Schritt ein?

Sie stellen die Heizkurve in fünf Schritten ein. Die Schritte bauen aufeinander auf.

1. Startwert übernehmen: Nutzen Sie den Empfehlungswert für Ihr Heizsystem als Ausgangspunkt (Tabelle im nächsten Abschnitt).

2. Steilheit an kalten Tagen prüfen: Kontrollieren Sie bei Außentemperaturen unter 5 °C, ob alle Räume ausreichend warm werden.

3. Niveau in der Übergangszeit justieren: Passen Sie bei 5 bis 15 °C Außentemperatur das Niveau in 1-Kelvin-Schritten an.

4. 48 Stunden abwarten: Warten Sie nach jeder Änderung mindestens zwei Tage. Erst dann stabilisiert sich die Raumtemperatur.

5. Ergebnis dokumentieren: Notieren Sie Datum, Außentemperatur und gemessene Vorlauftemperatur für die nächste Anpassung.

Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit Heizkörpern senkt die Steilheit von 1,2 auf 1,0. Bei −10 °C Außentemperatur sinkt die Vorlauftemperatur dadurch um rund 6 Kelvin. Die BWP-Faustregel nennt 2,5 bis 3 Prozent Ersparnis je Grad. Das ergibt rechnerisch 15 bis 18 Prozent weniger Stromverbrauch. Die Fraunhofer-ISE-Referenz-JAZ liegt bei 3,4 für Luft/Wasser-Bestandsanlagen (2025). Die JAZ steigt damit modellhaft auf etwa 3,9 bis 4,0. Diese Rechnung ist ein Modell auf Basis der Faustregel. Sie ersetzt keine Messung am eigenen Haus.

Welche Steilheit und welches Niveau passen zu Ihrem Heizsystem?

Fußbodenheizungen benötigen eine Steilheit von 0,2 bis 0,5, Heizkörper 0,8 bis 1,6. Der Grund liegt in der Größe der Wärmeabgabefläche.

Fußbodenheizungen verteilen Wärme über die gesamte Bodenfläche. Sie benötigen deshalb niedrige Vorlauftemperaturen zwischen 25 und 40 °C. Das System reagiert träge: Der Estrich braucht 48 bis 72 Stunden, um auf eine Änderung zu reagieren. Mehr zum Zusammenspiel lesen Sie unter Wärmepumpe und Fußbodenheizung.

Heizkörper geben Wärme über eine kleinere Fläche ab. Sie benötigen höhere Vorlauftemperaturen zwischen 45 und 65 °C. Dafür reagiert das System schneller: Änderungen zeigen nach 12 bis 24 Stunden Wirkung.

Auch die Gebäudedämmung beeinflusst die passende Steilheit und die Heizgrenze. Je besser die Dämmung, desto niedriger die Heizgrenze:

GebäudetypEnergiebedarfSteilheitHeizgrenze
Hochgedämmter Neubau (GEG/KfW 55)≤ 50 kWh/m²a0,2 – 0,410 – 15 °C
Sanierter Altbau (WDVS, neue Fenster)50 – 100 kWh/m²a0,6 – 1,012 – 16 °C
Unsanierter Altbau> 100 kWh/m²a1,2 – 1,815 – 17 °C

Woran erkennen Sie eine falsch eingestellte Heizkurve?

Konstant zu kalte oder zu warme Räume zeigen ein falsches Niveau. Witterungsabhängige Schwankungen zeigen eine falsche Steilheit.

  • Immer zu kühl, unabhängig vom Wetter: Niveau zu niedrig. Verschieben Sie die Kurve nach oben.
  • Immer zu warm, unabhängig vom Wetter: Niveau zu hoch. Verschieben Sie die Kurve nach unten.
  • Übergangszeit angenehm, Winter zu kalt: Steilheit zu flach. Erhöhen Sie sie um 0,1 bis 0,2.
  • Übergangszeit angenehm, Winter zu warm: Steilheit zu steil. Senken Sie sie um 0,1 bis 0,2.
  • Ungleichmäßige Raumtemperaturen zwischen Zimmern: Das ist meist ein hydraulisches Problem, keine Heizkurven-Frage.
  • Häufiges Takten der Wärmepumpe: Die Vorlauftemperatur ist höher eingestellt, als der Bedarf erfordert.
  • Der elektrische Heizstab springt häufig an: Die Steilheit ist zu flach für den tatsächlichen Wärmebedarf.

Unsanierte Altbauten brauchen wegen höherer Wärmeverluste oft eine steilere Kurve. Details zur Anlagenauslegung in unsanierten Gebäuden finden Sie unter Wärmepumpe im Altbau.

Wie stellen Sie die Heizkurve bei Vaillant, Buderus, Daikin und Stiebel Eltron ein?

Menübezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller und Softwareversion. Die folgende Übersicht nennt die gängigen Begriffe:

HerstellerReglerBezeichnung für SteilheitBesonderheit
VaillantsensoCOMFORT„Heizkurve"Zugriff über Fachhandwerker-Ebene, zugangsgeschützt
BuderusLogamatic BC400-HPEndpunkt/FußpunktKein klassischer Steilheitswert – Kurve über zwei Punkte
DaikinAltherma 3„Steilheit" + „Korrektur"Alternative: 2-Punkte-Methode bei +15 °C und −10 °C
Stiebel EltronWPM / WPM G„Steigung Heizkurve"Typisch 0,6 für Fußbodenheizung, 0,8 für Heizkörper
BoschCompress-SerieStart-/EndpunktGrafische Kurven-Darstellung, Installateur-Ebene

Vaillant: Die Steilheit stellen Sie im Menü unter Einstellungen und Anlagenkonfiguration ein. Der Wertebereich reicht von 0,1 bis 4,0. Die Raumsolltemperatur wirkt zusätzlich als Niveau-Anpassung.

Buderus: Der Logamatic BC400-HP nutzt keinen klassischen Steilheitswert. Sie definieren stattdessen zwei Punkte: den Endpunkt (Vorlauftemperatur bei Auslegungs-Außentemperatur) und den Fußpunkt (Vorlauftemperatur bei 20 °C Außentemperatur). Ältere Regler wie der RC310 nutzen dagegen das klassische Steilheits-Menü.

Daikin: Bei der Altherma 3 stellen Sie Steilheit und Korrektur getrennt ein. Alternativ nutzen Sie die 2-Punkte-Methode mit Vorlauftemperaturen bei +15 °C und −10 °C.

Stiebel Eltron: Die WPM-Regler nennen die Steilheit „Steigung Heizkurve". Übliche Werte sind 0,6 für Fußbodenheizung und 0,8 für Heizkörper. Die „Komfort-Temperatur" verschiebt zusätzlich das Niveau.

Wie verändert die richtige Heizkurve die Jahresarbeitszahl?

Eine niedrigere Vorlauftemperatur erhöht die Jahresarbeitszahl (JAZ) messbar. Die JAZ beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein Jahr.

Eine Fraunhofer-ISE-Feldstudie an 77 Bestandsgebäuden liefert Referenzwerte (Pressemitteilung vom 3. November 2025). Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichen im Schnitt eine JAZ von 3,4. Die Bandbreite liegt bei 2,6 bis 4,9. Sole/Wasser-Wärmepumpen erreichen im selben Sample durchschnittlich 4,3, mit einer Bandbreite von 3,6 bis 5,4. Wasser/Wasser-Anlagen waren in der Stichprobe nicht enthalten.

Wärmepumpen-TypØ JAZ im BestandBandbreite
Luft/Wasser3,42,6 – 4,9
Sole/Wasser (Erdwärme)4,33,6 – 5,4

Quelle: Fraunhofer ISE, Feldstudie an 77 Bestandsgebäuden, Pressemitteilung 3. November 2025.

Eine frühere Fraunhofer-ISE-Untersuchung aus dem Jahr 2020 ermittelte für Luft/Wasser-Anlagen eine durchschnittliche maximale Vorlauftemperatur von 44 °C. Je niedriger dieser Wert, desto besser die Effizienz. Mehr zur Berechnung der Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe und zu realistischen Zielwerten finden Sie im verlinkten Artikel.

Stimmt der Mythos „einmal eingestellt, nie wieder ändern"?

Nein: Die Heizkurve braucht saisonale und anlassbezogene Nachjustierung. Der Mythos hält sich hartnäckig, ist aber laut Herstellerdokumentation falsch.

Nach einer energetischen Sanierung ändert sich der Wärmebedarf des Gebäudes. Neue Fenster oder zusätzliche Dämmung senken die nötige Vorlauftemperatur. Auch nach einem Jahreszeitenwechsel lohnt sich eine Kontrolle. Prüfen Sie dabei die Steilheit an kalten Tagen unter 5 °C. Prüfen Sie das Niveau separat in der Übergangszeit zwischen 5 und 15 °C. Ändert sich das Nutzerverhalten, etwa durch mehr Personen im Haushalt, passen Sie die Kurve ebenfalls an.

Wann lohnt sich zusätzlich ein hydraulischer Abgleich?

Ein hydraulischer Abgleich steigert die Effizienz um bis zu 15 Prozent (Viessmann, 2026). Er ist Voraussetzung für eine sinnvolle Heizkurven-Einstellung.

Für ein typisches Einfamilienhaus kostet der hydraulische Abgleich zwischen 650 und 1.250 Euro. Die BAFA-Förderung deckt davon 15 Prozent, mit individuellem Sanierungsfahrplan bis zu 20 Prozent. Ohne hydraulischen Abgleich bleibt jede Heizkurven-Optimierung unvollständig: Einzelne Räume heizen dann trotz korrekter Kurve ungleichmäßig.

Wann sollten Sie die Heizkurve fachlich prüfen lassen?

Professionelle Unterstützung ist in vier Fällen sinnvoll:

  • Bei zugangsgeschützten Fachhandwerker-Parametern.
  • Bei Mehrkreis-Systemen mit Mischern und Pufferspeichern.
  • Bei bivalenten Anlagen mit einem zweiten Wärmeerzeuger.
  • Bei anhaltendem Takten trotz Optimierung.

Auch bei Verdacht auf einen defekten Außentemperatur-Fühler hilft ein Fachbetrieb weiter.

Häufig gestellte Fragen zur Heizkurve

Wie oft sollten Sie die Heizkurve neu einstellen?

Prüfen Sie die Einstellung nach jedem Jahreszeitenwechsel und nach jeder energetischen Sanierung. Eine einmalige Einstellung reicht nicht dauerhaft.

Was tun bei häufigem Takten der Wärmepumpe?

Senken Sie zunächst die Vorlauftemperatur über Steilheit oder Niveau. Bleibt das Takten bestehen, prüfen Sie den hydraulischen Abgleich.

Was ist der Unterschied zwischen Steilheit und Niveau?

Die Steilheit bestimmt den Anstieg der Kurve bei fallender Außentemperatur. Das Niveau verschiebt die gesamte Kurve parallel, unabhängig vom Wetter.

Warum verwendet Buderus keine klassische Steilheit?

Der Logamatic BC400-HP definiert die Kurve über zwei feste Punkte: Endpunkt und Fußpunkt. Das Ergebnis entspricht funktional der klassischen Steilheit.

Quellen & Belege

Fraunhofer ISE, Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Viessmann, Vaillant, Bosch/Buderus.