n-Type-Solarmodule 2026: TOPCon, HJT und ABC im Vergleich
n-Type-Solarmodule nutzen phosphor-dotiertes Silizium für höhere Wirkungsgrade und weniger Degradation. Die drei wichtigsten n-Type-Zelltechnologien heißen TOPCon, HJT und ABC/IBC. Dieser Artikel vergleicht alle drei mit aktuellen Datenblattwerten und unabhängigen Tests.
Das Wichtigste in Kürze
- Marktanteil n-Type 2024: 72,5 % der Wafer-Produktion laut CPIA, gegenüber 24,7 % im Jahr 2023
- Zelltechnologien: TOPCon, HJT und ABC/IBC als die drei wichtigsten n-Type-Bauformen
- TOPCon-Ursprung: 2013 am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) entwickelt
- Temperaturkoeffizient: HJT −0,24 bis −0,26 %/°C, TOPCon −0,26 bis −0,32 %/°C, PERC −0,34 bis −0,36 %/°C
- Erstjahresdegradation (LID): p-Type PERC 1–3 %, n-Type-Module unter 1 %
- Modulwirkungsgrad Serie 2026: TOPCon 21,0–24,3 %, HJT 22,0–25,0 %, ABC/IBC 25,0–26,0 %
- Mehrertrag TOPCon vs. PERC über 25 Jahre: rund 8.250 kWh bzw. 3,6 % bei 10 kWp (eigene Berechnung)
- Großhandelspreis 2026: hocheffiziente n-Type-Module 0,13–0,15 €/Wp laut pvXchange-Index (Juli 2026)
Was unterscheidet n-Type von p-Type-Solarmodulen?
Der Unterschied liegt im Dotierungsmaterial des Silizium-Wafers. n-Type-Wafer enthalten Phosphor. p-Type-Wafer enthalten Bor. Diese eine Entscheidung prägt Wirkungsgrad, Degradation und Temperaturverhalten des gesamten Moduls.
Dotierung: Phosphor statt Bor
Silizium besitzt vier Valenzelektronen. Phosphor bringt fünf Valenzelektronen mit. Das ist ein Elektron mehr als Silizium. Dieses überzählige Elektron wird zum freien Ladungsträger. Bor dagegen hat nur drei Valenzelektronen. Es fehlt ein Elektron. Dadurch entsteht ein sogenanntes Loch. Löcher übernehmen bei p-Type-Zellen den Stromtransport. Trifft Licht auf den p-n-Übergang, wandern Elektronen zur einen Seite. Löcher wandern zur anderen Seite. So entsteht der Photostrom in beiden Zelltypen.
Warum p-Type stärker degradiert: der Bor-Sauerstoff-Komplex
p-Type-Module verlieren im ersten Jahr mehr Leistung. Der Grund: Bor reagiert mit Sauerstoff im Silizium. Im Kristallziehverfahren gelangt zwangsläufig Sauerstoff in den Wafer. Bor-Atome und dieser Sauerstoff bilden Bor-Sauerstoff-Komplexe. Sonnenlicht aktiviert diese Komplexe. Aktivierte Komplexe fangen Ladungsträger ein. Die Ladungsträger erreichen den Kontakt nicht mehr. Dieser Mechanismus heißt lichtinduzierte Degradation, kurz LID. Der Effekt ist wissenschaftlich gut dokumentiert (Journal of Applied Physics, 2019). Er hängt linear von der Bor-Konzentration ab. p-Type-PERC-Module verlieren dadurch typisch 1 bis 3 % ihrer Leistung. Das passiert bereits im ersten Jahr. n-Type-Wafer enthalten kein Bor in der Basisschicht. Der Bor-Sauerstoff-Komplex kann sich strukturell nicht bilden. Deshalb liegt die Erstjahresdegradation bei TOPCon, HJT und ABC/IBC meist unter 1 %.
Ein verwandter Effekt heißt LeTID. Das steht für lichtinduzierte Degradation unter erhöhter Temperatur. Schott Solar beobachtete LeTID erstmals 2012. Betroffen waren multikristalline PERC-Zellen. Hanwha Q Cells und die TU Bergakademie Freiberg untersuchten den Effekt genauer. Ihr Ergebnis: LeTID kann bis zu 10 % Leistungsverlust verursachen (PV-Tech). Das geschieht typisch zwischen 100 und 1.000 Betriebsstunden. Auch dieser Effekt betrifft überwiegend p-Type-Material.
Vergleichstabelle: PERC, TOPCon, HJT und ABC/IBC im Überblick
Die folgende Tabelle bündelt die wichtigsten Kaufkriterien.
| Kennwert | p-Type PERC | n-Type TOPCon | n-Type HJT | n-Type ABC/IBC |
|---|---|---|---|---|
| Dotierung Basis-Wafer | Bor | Phosphor | Phosphor | Phosphor |
| Modulwirkungsgrad (Serie 2026) | 19,8–21,5 % | 21,0–24,3 % | 22,0–25,0 % | 25,0–26,0 % |
| Zell-Laborrekord | rund 24,5 % (nahe Theoriegrenze) | 27,02 % (JinkoSolar, Juni 2025) | 27,81 % (LONGi HIBC, April 2025) | rund 26 % (Aiko G4, Juni 2026) |
| Temperaturkoeffizient Pmax | −0,34 bis −0,36 %/°C | −0,26 bis −0,32 %/°C | −0,24 bis −0,26 %/°C | rund −0,26 %/°C |
| Degradation Jahr 1 (LID) | 1–3 % | unter 1 % | unter 1 % | unter 1 % |
| Marktanteil Neukapazität 2024/25 | unter 30 % | über 70 %, dominant | rund 5–7 % | rund 3–5 % |
| Großhandelspreis 2026 (Deutschland) | günstigstes Segment | 0,13–0,15 €/Wp | oberes Preissegment | knappes Angebot, Aufpreis |
| Leistungsgarantie (Marktstandard) | häufig gestuft, rund 25 Jahre | meist linear, rund 30 Jahre | meist linear, rund 30 Jahre | meist linear, rund 30 Jahre |
Kurz zusammengefasst: TOPCon liefert das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Es dominiert deshalb den Markt. HJT erreicht den niedrigsten Temperaturkoeffizienten. ABC/IBC erzielt den höchsten Serienwirkungsgrad, ist aber knapp verfügbar. PERC bleibt in allen Kategorien zurück.
Was ist TOPCon und warum dominiert es den Markt?
TOPCon steht für Tunnel Oxide Passivated Contact. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) entwickelte die Technik 2013. Auf der Rückseite des Wafers liegt eine ultradünne Tunneloxidschicht aus Siliziumdioxid. Darüber folgt eine hochdotierte Polysiliziumschicht. Diese Kombination passiviert die Rückseite fast vollständig. Rekombinationsverluste sinken dadurch deutlich.
Der industrielle Vorteil ist entscheidend: TOPCon lässt sich auf bestehenden PERC-Linien nachrüsten. Deshalb wuchs die Technologie so schnell. Laut InfoLink Consulting kamen im ersten Halbjahr 2025 über 94 % der Modulauslieferungen der zehn größten Hersteller aus TOPCon-Fertigung. PERC lag nur noch bei 1 bis 2 %. Der weltweite n-Type-Wafer-Marktanteil stieg laut CPIA-Daten deutlich. Er wuchs von 24,7 % im Jahr 2023 auf 72,5 % im Jahr 2024. Erstmals überholte n-Type damit p-Type (TaiyangNews, Berichterstattung zu CPIA-Zahlen, 2025). JinkoSolar erreichte im Juni 2025 einen verifizierten TOPCon-Zellrekord von 27,02 %. Im Februar 2026 folgte ein Rekord von 26,66 % auf einem großformatigen M10-Wafer (pv magazine Global). Serienmodule wie die Jinko-Tiger-Neo-Plattform erreichen aktuell bis 24,3 % Modulwirkungsgrad. Der Temperaturkoeffizient liegt bei rund −0,26 %/°C. Auch Jolywood zählt zu den frühen TOPCon-Fertigern. Der Hersteller bietet bifaziale Glas-Glas-Module mit bis zu 23,2 % Wirkungsgrad.
Was ist HJT und wann lohnt sich die Heterojunction-Technologie?
HJT-Zellen kombinieren kristallines Silizium mit ultradünnen Schichten aus amorphem Silizium. Diese Schichten passivieren die Oberfläche noch stärker als eine Tunneloxidschicht. Das Ergebnis: sehr hohe Leerlaufspannungen und ein besonders niedriger Temperaturkoeffizient. Er liegt bei −0,24 bis −0,26 %/°C – der beste Wert aller Silizium-Technologien. Ein HJT-Modul verliert an heißen Sommertagen deshalb weniger Leistung als TOPCon oder PERC.
LONGi erreichte im April 2025 mit einer HJT-Rückkontaktzelle (HIBC) einen zertifizierten Weltrekord. Der Wert lag bei 27,81 % Zellwirkungsgrad, bestätigt vom ISFH Hameln (pv magazine Global). Im Massenmarkt liegen HJT-Module bei 22 bis 25 % Wirkungsgrad. Deutsche Anbieter wie Luxor Solar aus Stuttgart vertreiben Glas-Glas-Module mit HJT-Zellen. Deren bifaziale Werte erreichen bis zu 95 %. Der deutsche HJT-Hersteller Meyer Burger meldete Ende Mai 2025 Insolvenz an. Betroffen waren beide deutschen Gesellschaften mit rund 620 Beschäftigten. Die Produktion an den sächsischen Standorten endete zum 1. September 2025 (pv magazine Deutschland). HJT bleibt dadurch 2026 ein kleineres, aber technisch anspruchsvolles Marktsegment. Angeführt wird es von Herstellern wie Huasun Energy und REC Group.
Was ist ABC/IBC und wie funktioniert die Rückkontakt-Zelle?
Bei ABC- und IBC-Zellen liegen beide Stromabnehmer ausschließlich auf der Rückseite. Die Vorderseite bleibt frei von Kontaktstreifen. Abschattungsverluste entfallen dadurch komplett. Mehr Licht erreicht die aktive Zellfläche. Ein Nebeneffekt: eine gleichmäßig schwarze, unterbrechungsfreie Optik.
IBC ist die klassische Bauform. SunPower – heute Maxeon Solar Technologies – vertreibt sie seit Jahrzehnten. ABC ist die eigene Variante von Aiko Solar. Aiko brachte im März 2026 ein Serienmodul mit 545 W in Massenproduktion. Der Wirkungsgrad lag bei 25 %. Im Juni 2026 zeigte Aiko auf der SNEC ein neues Modul. Es erreichte 25,6 % Serienwirkungsgrad und 26 % Spitzenwert (pv magazine Global). Eine weitere Rückkontakt-Variante heißt HPBC, von LONGi. Sie kommt in der Hi-MO-Serie zum Einsatz. LONGi erreicht damit einen bestätigten Modul-Weltrekord von 25,4 % Wirkungsgrad, geprüft vom Fraunhofer ISE.
Maxeon und Aiko stritten seit November 2023 über mehrere Back-Contact-Patente, darunter EP2297788B1. Die Klagen liefen vor dem Landgericht Mannheim, dem Bezirksgericht Den Haag und später dem Landgericht München. Am 6. Februar 2026 einigten sich beide Unternehmen. Sie schlossen eine globale Patentlizenzvereinbarung außerhalb der USA. Laut der bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Vertragsunterlage zahlt Aiko dafür 1,65 Milliarden Renminbi. Umgerechnet sind das rund 236 Millionen US-Dollar über eine Laufzeit von 5 Jahren. Der Vertrag nennt den 30. April 2026 als kritisches Zahlungsdatum. Alle laufenden Klagen wurden zurückgezogen. Aiko selbst befindet sich seit April 2026 zusätzlich in einem gerichtlich begleiteten Sanierungsverfahren in Singapur.
Wie stark degradieren n-Type-Module wirklich?
n-Type-Module degradieren im ersten Jahr deutlich langsamer als PERC. Sie sind aber nicht automatisch fehlerfrei. Herstellerangaben nennen für TOPCon meist 0,35 bis 0,40 % jährliche Degradation ab Jahr 2. HJT liegt teils niedriger. Diese Prozentwerte stammen überwiegend aus Herstellerdatenblättern und Vergleichsportalen. Eine einzelne unabhängige Prüfstudie mit dieser exakten Zahl existiert nicht. Für die Kaufentscheidung zählt deshalb das Datenblatt des jeweiligen Modells. Mehr zur Lebensdauer von Photovoltaikmodulen lesen Sie im vertiefenden Artikel.
Wichtig zur Einordnung: Das Fraunhofer ISE warnte im Dezember 2024 vor unterschätzten Risiken. Betroffen war die UV-induzierte Degradation (UVID) bei TOPCon-Modulen. Im April 2025 folgte eine Studie dazu. Sie relativierte das Ausmaß, bestätigte aber die grundsätzliche UV-Empfindlichkeit vieler TOPCon-Modultypen. Daniel Philipp leitet Modulcharakterisierung und Zuverlässigkeit am Fraunhofer ISE. Er erklärt dazu: „Viele Modultypen der aktuellen Generation kommerzieller TOPCon-Photovoltaik-Module reagieren leider sensibel auf die Bestrahlung mit UV. [...] Jedoch scheint die Degradationsrate nicht so drastisch wie bisher angenommen." Eine Studie von 2025 in der Fachzeitschrift Progress in Photovoltaics untersuchte das genauer. Fraunhofer-ISE-Forscher Paul Gebhardt und Kollegen testeten 20 kommerzielle TOPCon-Module. Sie setzten die Module einer UV-Belastung von 60 kWh/m² aus. Das entspricht ungefähr einem Jahr Freilandbelastung in Deutschland. Danach hatten 40 % der Module mehr als 5 % ihrer Leistung verloren (PV-Tech, November 2025). Die Studie mahnt: Lange Garantiezeiten allein sichern keine niedrige Langzeitdegradation. Die Zertifizierung des konkreten Modells bleibt entscheidend.
Rechenbeispiel: Wie viel mehr Ertrag bringt TOPCon über 25 Jahre?
Eine 10-kWp-TOPCon-Anlage liefert über 25 Jahre rund 8.250 kWh mehr Ertrag als PERC. Das sind etwa 3,6 % Mehrertrag, allein durch die Degradationskurve. Die folgende Rechnung macht diesen Unterschied nachvollziehbar.
Zwei Annahmen bestimmen die Restleistung F in Jahr n: die Erstjahresdegradation F₁ und die lineare Jahresdegradation r danach. Die Formel lautet F(n) = F₁ − (n − 1) × r. Für PERC setzen wir F₁ = 97,5 % an. Die Jahresrate r beträgt 0,55 %. Diese Werte stammen aus marktüblichen Garantien klassischer PERC-Serien. Für TOPCon setzen wir F₁ = 99 % an. Die Jahresrate r beträgt 0,40 %. Diese Werte stammen aus marktüblichen n-Type-Garantien. Als Jahresertrag nehmen wir 1.000 kWh je kWp an. Das ist ein realistischer Mittelwert für eine gut ausgerichtete Anlage im süddeutschen Raum.
Summiert über 25 Jahre ergibt sich für PERC ein Faktor von 22,725. Für TOPCon ergibt sich ein Faktor von 23,55. Bei 10.000 kWh Nominalertrag pro Jahr macht das 227.250 kWh für PERC. TOPCon kommt auf 235.500 kWh. Die Differenz beträgt 8.250 kWh. Ein Mischwert aus Eigenverbrauch und Einspeisung liegt bei rund 30 Cent je kWh. Das entspricht rund 2.475 Euro über 25 Jahre. Beim reinen Haushaltsstrompreis von 39,3 Cent je kWh (BDEW-Durchschnitt 2025) liegt der Wert bei rund 3.240 Euro. Diese Rechnung berücksichtigt ausschließlich die Degradationskurve. Der bessere Temperaturkoeffizient von TOPCon bringt in der Praxis zusätzlichen Mehrertrag. Dieser Effekt bleibt hier bewusst unberücksichtigt, damit die Zahl belastbar bleibt.
Was zeigen unabhängige Tests wie die PVEL-Scorecard 2026?
Unabhängige Tests bestätigen die Grundtendenz zugunsten von n-Type. Sie zeigen aber auch steigende Ausfallraten in der gesamten Branche. Die 12. Ausgabe der PV Module Reliability Scorecard von Kiwa PVEL erschien Ende Mai 2026. Sie zeichnete 43 Hersteller als Top Performer aus, in mindestens einer von sieben Testkategorien. Gleichzeitig zeigten 87 % der Hersteller mindestens einen Testausfall. Bei den geprüften Materiallisten waren es 61 %. Das ist der höchste Wert seit Bestehen der Scorecard – das vierte Jahr in Folge steigend. Erstmals in zwölf Jahren bestand kein einziges geprüftes Modul alle Testkategorien gleichzeitig. Drei indische Module erzielten das beste Gesamtergebnis: von Adani Solar, ReNew und RenewSys, alle mit n-Type-TOPCon-Zellen. Jedes erhielt sieben Top-Performer-Auszeichnungen.
Tristan Erion-Lorico ist Vice President of Sales and Marketing bei Kiwa PVEL. Er ordnet den Befund so ein: „Our 2026 Scorecard reflects a market that is advancing in performance while facing growing reliability pressures." Neu in der Ausgabe 2026 ist ein eigener Testblock für UV-induzierte Degradation. Das ist eine direkte Reaktion auf die Fraunhofer-ISE-Befunde zu TOPCon-Modulen.
Was kosten n-Type-Module 2026?
Hocheffiziente n-Type-Module kosten im deutschen Großhandel aktuell 0,13 bis 0,15 Euro je Watt. Das zeigt der Modulpreisindex von pvXchange (pv magazine Deutschland, Juli 2026). Mainstream-Module liegen bei rund 0,115 €/Wp. Full-Black-Ausführungen kosten rund 0,145 €/Wp. Seit Jahresbeginn 2026 sind die Preise für Hocheffizienzmodule um etwa 30 % gestiegen. Seit dem Sommer stagnieren sie auf diesem höheren Niveau.
ABC-Module sind 2026 knapp verfügbar. Nur drei chinesische Hersteller fertigen Back-Contact-Module in nennenswertem Volumen: Aiko, LONGi und TCL. Der Rest läuft über Lizenzfertigung. Die Nachfrage übersteigt aktuell das Angebot. Das zeigt sich in einem spürbaren Preisaufschlag gegenüber TOPCon. Für die Gesamtkalkulation einer Anlage liefert der Artikel zu den Photovoltaik-Kosten 2026 den vollständigen Rahmen – inklusive Wechselrichter, Montage und Speicher.
Lineare oder gestufte Leistungsgarantie – was ist der Unterschied?
Eine lineare Leistungsgarantie sinkt jedes Jahr um denselben kleinen Prozentsatz. Eine gestufte Garantie springt zwischen festen Haltepunkten. Das klassische gestufte Modell sichert zum Beispiel 90 % Restleistung nach 10 Jahren zu. Nach 25 Jahren sind es meist 80 %. Dazwischen darf die reale Leistung bis zum Stichtag praktisch bis zum Mindestwert absinken. Eine lineare Garantie hat einen hohen Startwert und eine niedrige Jahresrate. Sie liegt deshalb in jedem Einzeljahr über dem Niveau einer vergleichbaren Stufengarantie.
Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied. Nehmen Sie eine lineare Garantie mit 98 % Startwert und 0,40 % Jahresdegradation an. Der garantierte Wert in Jahr 10 liegt dann bei rund 94 %. Eine Stufengarantie sichert zum selben Zeitpunkt oft nur 90 % zu. Lineare 25- bis 30-Jahres-Garantien setzen sich am Markt zunehmend durch. Sie gelten inzwischen als Standard für n-Type-Module. Gestufte Modelle gelten dagegen als Merkmal älterer oder einfacherer PERC-Serien.
Mythos oder Fakt: Ist der beworbene Rekord-Wirkungsgrad auf meinem Dach real?
Nein – Rekordwerte wie 27 % oder mehr sind Labor- und Zellwerte. Kein Serienmodul erreicht sie auf dem Dach. Diese Rekorde messen einzelne Testzellen unter Laborbedingungen. Oft handelt es sich um eine einzige, aufwendig gefertigte Probe. LONGi erzielte im April 2025 einen zertifizierten Zellrekord von 27,81 %. Das kommerzielle Serienmodul der gleichen Produktfamilie erreicht dagegen rund 24,8 % Modulwirkungsgrad. Der aktuelle Modul-Weltrekord liegt bei 25,4 %, ebenfalls von Fraunhofer ISE bestätigt.
Der Grund für die Differenz: Ein fertiges Modul verliert Wirkungsgrad durch Rahmen, Verglasung und Verschaltung. Das kostet 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte gegenüber dem reinen Zellwert. Realistische Modulwirkungsgrade für ein deutsches Wohndach liegen 2026 bei 21 bis 23 % für TOPCon-Serienmodule. Wer eine Werbeaussage mit einer nackten Prozentzahl liest, sollte deshalb genau prüfen. Bezieht sich der Wert auf die Zelle im Labor? Oder auf das tatsächlich lieferbare Modul?
Welches n-Type-Modul passt zu welchem Dach?
Für die meisten deutschen Wohndächer ist TOPCon die wirtschaftlich sinnvollste Wahl. TOPCon bietet 21 bis 24 % Wirkungsgrad. Der Temperaturkoeffizient ist solide, der Preis der niedrigste unter den n-Type-Technologien. Wählen Sie HJT, wenn Ihr Dach im Sommer stark aufheizt. Das Gleiche gilt bei geplanter bifazialer Aufständerung. Der niedrige Temperaturkoeffizient und die hohe Bifazialität zahlen sich dort besonders aus. Wählen Sie ein ABC-Modul von Aiko, wenn Ihre Dachfläche knapp ist. Das gilt auch bei Teilverschattung durch Gauben oder Schornsteine. Die busbarfreie Rückkontakt-Zelle liefert hier den höchsten Ertrag pro Quadratmeter. Wegen der knappen Marktverfügbarkeit müssen Sie dafür meist einen Preisaufschlag einplanen.
PERC-Module bleiben 2026 die günstigste, aber technisch auslaufende Option. Der geringe Preisvorteil wird oft aufgezehrt. Grund sind höhere Degradation und schwächeres Temperaturverhalten über 25 bis 30 Betriebsjahre. Prüfen Sie bei jeder Kaufentscheidung zusätzlich zwei Dinge: die normgerechte Zertifizierung nach IEC 61215 und IEC 61730 sowie ein aktuelles, deutschsprachiges Datenblatt. Der Markenname der Zelltechnologie allein sagt wenig über die Qualität des konkreten Moduls.
Häufige Fragen zu n-Type-Solarmodulen
Was ist der Unterschied zwischen n-Type und p-Type Solarmodulen?
n-Type-Wafer sind mit Phosphor dotiert, p-Type-Wafer mit Bor. Phosphor liefert ein zusätzliches freies Elektron als Ladungsträger. Bor erzeugt stattdessen ein Loch. Der praktische Unterschied: n-Type-Module bilden keinen Bor-Sauerstoff-Komplex. Sie degradieren im ersten Jahr unter 1 %, p-Type-PERC dagegen 1 bis 3 %.
Was ist TOPCon und warum dominiert es den Markt?
TOPCon nutzt eine ultradünne Tunneloxidschicht zur Rückseiten-Passivierung. Das Fraunhofer ISE entwickelte die Technik 2013. TOPCon dominiert, weil es sich auf bestehenden PERC-Linien nachrüsten lässt. Laut InfoLink Consulting stammten Mitte 2025 über 94 % der Modulauslieferungen der größten Hersteller aus TOPCon-Fertigung.
Was ist der Unterschied zwischen TOPCon, HJT und ABC?
TOPCon erreicht 21 bis 24,3 % Wirkungsgrad bei niedrigem Preis. HJT erreicht 22 bis 25 %, mit dem besten Temperaturkoeffizienten aller Silizium-Technologien. ABC/IBC erreicht 25 bis 26 % durch eine busbarfreie Rückseite. Es ist dafür knapp verfügbar und teurer.
Wie viel mehr Ertrag bringt ein n-Type-Modul gegenüber PERC?
Eine 10-kWp-TOPCon-Anlage liefert über 25 Jahre rund 8.250 kWh mehr als eine vergleichbare PERC-Anlage. Das ist ein Plus von etwa 3,6 %, ausschließlich durch die günstigere Degradationskurve. Je nach Strompreis entspricht das rund 2.500 bis 3.250 Euro Mehrwert.
Was zeigt die PVEL-Scorecard 2026 über die Zuverlässigkeit von n-Type-Modulen?
Die Kiwa-PVEL-Scorecard 2026 zeichnete 43 Hersteller in mindestens einer Testkategorie aus. Meist standen dabei n-Type-TOPCon-Module an der Spitze. Gleichzeitig hatten 87 % der Hersteller mindestens einen Testausfall. Kein einziges Modul bestand alle Tests – erstmals in der zwölfjährigen Geschichte der Scorecard.
Lohnt sich der Aufpreis für HJT oder ABC gegenüber TOPCon?
Bei knapper Dachfläche oder hohem Strombedarf pro Quadratmeter: ja. ABC-Module liefern bis zu 26 % Wirkungsgrad, TOPCon nur 21 bis 24 %. HJT lohnt sich bei heißen Standorten und bifazialer Aufstellung. Bei ausreichender Dachfläche ist TOPCon meist wirtschaftlicher. Der Aufpreis von HJT oder ABC gleicht den Mehrertrag über 25 Jahre nicht immer aus.
Welches n-Type-Modul soll ich 2026 kaufen?
Für Standard-Wohndächer eignet sich ein TOPCon-Modul. Es bietet 21 bis 24 % Wirkungsgrad bei rund 0,13 bis 0,15 €/Wp Großhandelspreis. Für heiße Standorte oder bifaziale Aufstellung eignet sich ein HJT-Modul. Bei knapper Dachfläche oder Teilverschattung eignet sich ein ABC-Modul von Aiko. Prüfen Sie in jedem Fall das aktuelle Datenblatt. Prüfen Sie zusätzlich die Garantiebedingungen der konkreten Bestellnummer.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), Kiwa PVEL, China Photovoltaic Industry Association (CPIA), InfoLink Consulting, pv magazine Deutschland und Global, PV-Tech, U.S. Securities and Exchange Commission (SEC-Filing Maxeon Solar Technologies), pvXchange-Modulpreisindex, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Journal of Applied Physics, Progress in Photovoltaics (Wiley).


