Max Nestler
August 14, 2026
Lesezeit
4
Minuten
Photovoltaik + Batterie
Grundlagen

Sonneneinstrahlung: Karte, Tagesverlauf und Bedeutung für Ihre Photovoltaikanlage

Sonneneinstrahlung ist die Menge an Sonnenenergie, die pro Quadratmeter auf einen Ort trifft. Sie wird in Watt pro Quadratmeter gemessen und schwankt über den Tag stark. Für Ihre Photovoltaikanlage entscheidet sie direkt über den Stromertrag.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Sonneneinstrahlung Deutschland (Jahr): 1.000–1.300 kWh/m²
  • Spitzenwert Sommermittag (wolkenlos): 600–1.000 W/m²
  • STC-Referenzwert PV-Module: 1.000 W/m²
  • Solarkonstante (Weltraum): 1.361 W/m²
  • Sonnenscheindauer Deutschland (Mittel 1991–2020): 1.660 Stunden/Jahr
  • Kostenloses Karten-Tool: PVGIS (EU-Kommission)
  • Messgerät für Fachleute: Pyranometer
  • Ideale PV-Ausrichtung: Süden, 30–35° Neigung

Wie stark scheint die Sonne in Deutschland und an Ihrem Standort?

Die Sonneneinstrahlung unterscheidet sich in Deutschland je nach Region deutlich. Im Süden treffen mehr Sonnenstunden auf, im Norden weniger. Über das Jahr liegt die Einstrahlung hierzulande zwischen 1.000 und 1.300 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Für Ihren konkreten Standort reicht dieser grobe Bundesland-Wert allerdings nicht aus. Dach-Ausrichtung, Neigung und Verschattung verändern die Werte spürbar. Deshalb lohnt sich ein Blick auf eine Karte mit Standortdaten.

Zwei kostenlose Werkzeuge helfen dabei:

  • PVGIS: Das Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission. Es liefert für jede Adresse in Europa Monats-, Tages- und Stundenwerte der Einstrahlung. Zusätzlich schätzt es den möglichen PV-Ertrag für Ihr Dach.
  • Solarkataster der Bundesländer: Viele Bundesländer stellen eigene Solarkarten bereit. Sie basieren auf Luftbildern und zeigen, wie gut sich ein Dach für Photovoltaik eignet.

Beide Tools ersetzen keine individuelle Dachplanung. Sie geben aber einen schnellen, kostenlosen ersten Anhaltspunkt zur Sonneneinstrahlung an Ihrem Standort.

Tagesverlauf: So verändert sich die Sonneneinstrahlung über den Tag

Die Sonneneinstrahlung ist morgens niedrig, steigt zur Mittagszeit an und fällt zum Abend wieder ab. Diesen Verlauf nennen Fachleute die Tagesgangkurve. Sie folgt dem Sonnenstand. Je höher die Sonne steht, desto mehr Energie kommt an.

An einem wolkenlosen Sommertag erreicht die Einstrahlung Spitzenwerte zwischen 600 und 1.000 Watt pro Quadratmeter. Dieser Bereich ist meteorologisch dokumentiert und gilt bei klarem bis leicht diffusem Himmel im Sommer. Der höchste Wert liegt meist um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht.

Die folgende Tabelle zeigt typische Richtwerte für einen sonnigen Sommertag in Deutschland. Sie ist eine vereinfachte, selbst erstellte Orientierung und ersetzt keine Standort-Messung.

UhrzeitSonneneinstrahlung (W/m², Richtwert)
6:0050
7:00150
8:00300
9:00450
10:00600
11:00750
12:00850
13:00900
14:00850
15:00700
16:00550
17:00350
18:00180
19:0070
20:0020

Kurz zusammengefasst: Die Kurve steigt vormittags an. Gegen 13 Uhr erreicht sie ihren Scheitelpunkt und sinkt danach wieder. An bewölkten Tagen sind es oft nur 100 bis 300 Watt pro Quadratmeter.

Wie misst man Sonneneinstrahlung?

Für einen ersten Überblick genügen die oben genannten Karten-Tools PVGIS und Solarkataster. Sie zeigen die durchschnittliche Einstrahlung an Ihrem Standort. Eine eigene Installation ist dafür nicht nötig.

Manche Wetter-Apps zeigen zusätzlich einen aktuellen Sonneneinstrahlungswert an. Diese Werte stammen meist aus Satellitendaten und Wettermodellen. Sie sind keine echte Messung an Ihrem Standort. Smartphone-Sensoren sind für eine genaue Erfassung der Sonneneinstrahlung nicht kalibriert.

Für eine präzise Messung nutzen Fachleute spezielle Instrumente. Ein Pyranometer misst die gesamte Einstrahlung auf eine Fläche. Der Deutsche Wetterdienst betreibt rund 300 Stationen, die Sonnenschein und Einstrahlung erfassen. Wie ein Pyranometer genau funktioniert, lesen Sie weiter unten im Abschnitt zur Globalstrahlung.

Für Ihre Photovoltaik-Planung genügt meist eine Kombination aus Solarkataster-Daten und einer fachlichen Einschätzung vor Ort.

Sonneneinstrahlung und Photovoltaik: der Zusammenhang

Mehr Sonneneinstrahlung an Ihrem Standort bedeutet grundsätzlich mehr Stromertrag. Ausrichtung, Neigung und Verschattung Ihres Dachs beeinflussen den tatsächlichen Ertrag zusätzlich.

Fachlich betrachtet setzt sich die Sonneneinstrahlung aus zwei Anteilen zusammen. Der erste ist die gesamte Strahlung auf einer horizontalen Fläche. Der zweite ist der rein direkte, ungestreute Sonnenanteil. Die Fachbegriffe dafür lauten Globalstrahlung und direkte Strahlung.

Die genaue Messung und die Werte je Bundesland erklären wir im Artikel zur Globalstrahlung. Ausrichtung, Neigungswinkel und Verschattung Ihrer Module hängen vor allem an der direkten Strahlung. Details dazu stehen im Artikel zur direkten Strahlung.

Häufig gestellte Fragen zur Sonneneinstrahlung

Was ist der Unterschied zwischen Sonneneinstrahlung und Globalstrahlung?

Sonneneinstrahlung ist der umgangssprachliche Oberbegriff für Sonnenenergie am Boden. Globalstrahlung ist die dazugehörige Fachgröße. Sie beschreibt die Summe aus direkter und diffuser Strahlung auf einer horizontalen Fläche.

Wie hoch ist die Sonneneinstrahlung in Deutschland?

Im Jahresmittel liegt sie zwischen etwa 1.000 und 1.300 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Süddeutschland erreicht dabei höhere Werte als Norddeutschland. Die genauen Bundesland-Werte finden Sie im Artikel zur Globalstrahlung.

Wie finde ich die Sonneneinstrahlung an meinem Standort?

Nutzen Sie das kostenlose Tool PVGIS oder das Solarkataster Ihres Bundeslandes. Beide zeigen standortbezogene Werte auf Basis von Satelliten- und Luftbilddaten.

Gibt es eine App, mit der ich Sonneneinstrahlung messen kann?

Manche Wetter-Apps zeigen einen groben Schätzwert. PVGIS und das Solarkataster sind für die Photovoltaik-Planung genauer. Sie nutzen standortbasierte Modelldaten statt Smartphone-Sensoren.

Was ist direkte Sonneneinstrahlung?

Direkte Sonneneinstrahlung ist der Anteil der Strahlung, der ohne Streuung direkt von der Sonne kommt. Sie wirft scharfe Schatten und ist bei klarem Himmel besonders hoch. Details dazu stehen im verlinkten Artikel weiter oben.

Wie viel Watt pro Quadratmeter hat die Sonne mittags im Sommer?

An einem wolkenlosen Sommertag liegt sie gegen Mittag meist zwischen 800 und 1.000 Watt pro Quadratmeter. Bei Bewölkung sinkt dieser Wert deutlich, oft auf 100 bis 300 Watt pro Quadratmeter.

Quellen & Belege

Deutscher Wetterdienst (DWD), PVGIS – Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission, IEC 60904-3 (Standard-Testbedingungen für Photovoltaikmodule), Fachartikel zu Solarkonstante, Sonnenscheindauer und Pyranometer.