Max Nestler
August 13, 2026
Lesezeit
7
Minuten
Photovoltaik + Batterie
Arten & Systemleistung

Solardach: Aufdach, Indach oder Solardachziegel im Vergleich

Ein Solardach ersetzt die klassische Dacheindeckung durch stromerzeugende Module oder Solardachziegel und übernimmt damit Wetterschutz und Stromerzeugung gleichzeitig. Das unterscheidet es von der Aufdach-Photovoltaik, bei der Module auf Schienen über den bestehenden Ziegeln montiert werden. Vollintegrierte Systeme kosten mehr, sind aber bei Neubau, Dachsanierung und Denkmalschutz oft die wirtschaftlich sinnvollere oder einzig genehmigungsfähige Lösung.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Solardach ersetzt Dacheindeckung durch vollintegrierte PV-Module (BIPV)
  • Aufdach-PV 2026: Ø 1.015 €/kWp, Spanne 900–1.800 €/kWp (Fraunhofer ISE, März 2026)
  • Indach-PV 2026: 1.500–2.300 €/kWp bzw. 350–550 €/m², 10–20 % teurer als Aufdach (ADAC, 20.07.2026)
  • Ennogie Ganzdachlösung: ab 270 €/m² netto Material, 1.400–1.500 €/kWp (Herstellerangabe)
  • Autarq Solardachziegel: ca. 400 €/m² bzw. 3.333 €/kWp brutto, rechnerisch 1.333 €/kWp Mehrpreis (Herstellerbeispiel, Stand 03/2024)
  • Lebensdauer Solardach: 20 bis 40 Jahre (Verbraucherzentrale)
  • Mindestdachneigung für Indach/Solardachziegel: 20 bis 25 Grad (ADAC)
  • Stromgestehungskosten kleiner PV-Dachanlagen: 6,4 bis 13,0 ct/kWh (Fraunhofer ISE, 2024)
  • Denkmalschutz: Solardachziegel oft einzige genehmigungsfähige PV-Lösung

Was ist ein Solardach? Aufdach, Indach und vollintegrierte Systeme im Unterschied

Ein Solardach bezeichnet technisch eine vollintegrierte Photovoltaik-Lösung, die die Dachhaut selbst bildet. Fachbegriff dafür ist BIPV (Building Integrated Photovoltaics, gebäudeintegrierte Photovoltaik). Die Energieberatung der Verbraucherzentrale verwendet „Solardach" in der Praxis breiter. Der Begriff steht dort als Oberbegriff für jedes Dach mit Solarkollektoren oder Photovoltaikanlage, unabhängig von der Montageart. Für die Kaufentscheidung zählt deshalb die Montageart, nicht der Begriff.

Drei Montagearten kommen vor. Bei Aufdach-Anlagen bleiben die Dachziegel erhalten. Module hängen auf einer Unterkonstruktion 10 bis 15 Zentimeter über der Eindeckung, dahinter zirkuliert Luft. Bei Indach-Systemen ersetzen Module die Ziegel teilweise oder vollständig und werden direkt auf die Dachlattung montiert. Solardachziegel gehen noch weiter: Einzelne Dachziegel tragen eine integrierte Solarzelle und werden wie normale Ziegel verlegt.

Aufdach, Indach oder vollintegriertes Solardach: der direkte Vergleich

Indach-Photovoltaik kostet 2026 durchschnittlich 1.500 bis 2.300 Euro pro Kilowattpeak (kWp, Spitzenleistung einer PV-Anlage). Das sind 10 bis 20 Prozent mehr als eine Aufdach-Anlage, so der ADAC in seinem Ratgeber vom 20. Juli 2026. Die folgende Tabelle ordnet die drei Systeme nach Montage, Funktion und Kosten ein.

SystemMontageFunktionKosten pro kWp (2026)Eignung
Aufdach-PVAuf Schienen über den ZiegelnNur Stromerzeugung900–1.800 €, Ø 1.015 €Bestandsdach in gutem Zustand
Indach-SystemErsetzt Ziegel, auf DachlattungStrom + Wetterschutz1.500–2.300 €Neubau, Dachsanierung, Schrägdach ab 20°
SolardachziegelEinzelziegel mit SolarzelleStrom + Wetterschutzca. 3.300 € bruttoDenkmalschutz, komplexe Dachformen

Aufdach-Anlagen bleiben damit die günstigste Option pro kWp. Solardachziegel kosten brutto etwa das Dreifache. Sie sparen aber die sonst fällige Dacheindeckung ein — dazu mehr im Kostenabschnitt. Indach-Systeme wie die Ennogie-Ganzdachlösung liegen preislich dazwischen.

Solardach statt Dachziegel: Wie funktioniert der Ersatz?

Solardachziegel ersetzen einzelne Dachpfannen durch baugleiche Bauteile mit integrierter Solarzelle. Sie behalten dabei Form, Gewicht und Wasserführung der Originalziegel. Autarq etwa verbindet in der Fertigung Originalziegel der Hersteller Jacobi Walther oder Creaton fest mit der Solarzelle. Die Ziegel gelten laut Hersteller nach EN 13501-5 als „harte Bedachung, nicht brennbar" (europäische Brandschutz-Prüfnorm für Dachdeckungen) und sind begehbar.

Zwei technische Lösungswege unterscheiden die Anbieter. Autarq verschaltet Solardachziegel parallel statt in Reihe. Dadurch mindert eine verschattete Zelle nicht den Ertrag der übrigen Ziegel, allerdings ohne Leistungselektronik auf dem Dach. Ennogie setzt bei seiner Ganzdachlösung auf Mikrowechselrichter je Modul. Die Anlage bleibt dabei durchgehend im ungefährlichen Niederspannungsbereich bis 60 Volt.

Anbieter für Solardachziegel in Deutschland: Ennogie und Autarq

Ennogie und Autarq sind die beiden meistgesuchten deutschen Marken für vollintegrierte Solardächer. Beide verfolgen unterschiedliche Produktkonzepte.

Ennogie: Ganzdachlösung mit Flachmodulen

Ennogie bietet eine Ganzdachlösung ab 270 Euro netto pro Quadratmeter Material, montiert auf normaler Dachlattung anstelle klassischer Ziegel (Herstellerangabe, Stand der Firmenseite August 2026). Die leistungsstärksten Module erreichen 180 Watt-Peak (Wp) pro Quadratmeter. Ennogie beziffert die Systemkosten in einer eigenen Beispielrechnung mit 1.400 bis 1.500 Euro pro kWp. Die Lebensdauer liegt laut Hersteller ab 40 Jahren, die Amortisation bei 12 bis 15 Jahren. Ein Quadratmeter wiegt rund 18 Kilogramm — ähnlich wie eine normale Dacheindeckung. Nach Herstellerangabe eignet sich die Lösung für Neubau, Dachsanierung und wegen der homogenen Optik auch für denkmalgeschützte Gebäude.

Autarq: Solardachziegel in Originalform

Autarq Solardachziegel kosten nach einer Konfigurator-Beispielrechnung des Herstellers rund 400 Euro pro Quadratmeter. Das entspricht etwa 3.333 Euro pro kWp brutto (Stand 25. März 2024). Zieht man die ohnehin fällige klassische Dacheindeckung ab, sinkt der Wert deutlich: Rund 250 Euro pro Quadratmeter entfallen auf die Dacheindeckung. Es verbleibt ein reiner Solar-Mehrpreis von rund 150 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 1.333 Euro pro kWp. Die Leistungsdichte liegt laut technischem Datenblatt bei 127 bis 135 Wp pro Quadratmeter, spürbar unter Ennogies Flachmodulen. Autarq gewährt eine Leistungsgarantie von 80 Prozent nach 25 Jahren; die Lebensdauer beziffert der Hersteller mit 30 bis 40 Jahren.

Der Unterschied zwischen beiden Konzepten ist bei der Wahl entscheidend. Autarq-Ziegel behalten die exakte Form und Optik des Originalziegels. Ennogie setzt dagegen auf großformatige, flache Module mit homogener Ganzdachoptik. Für strenge Denkmalschutz-Auflagen mit ziegeltypischer Optik sprechen die Einzelziegel. Für ein modernes, einheitliches Dachbild eignet sich eher die Ganzdachlösung.

Kosten: Solardach im Vergleich zur klassischen Aufdach-Photovoltaik

Eine Aufdach-Anlage kostet 2026 durchschnittlich 1.015 Euro pro kWp. Die Spanne reicht von 900 bis 1.800 Euro je nach Anlagengröße (Fraunhofer ISE, Stand März 2026). Pro Quadratmeter Modulfläche entspricht das 165 bis 250 Euro. Vollintegrierte Systeme liegen je nach Produkt beim 1,5- bis 3-Fachen.

KostenartAufdach-PVIndach (Ennogie)Solardachziegel (Autarq)
Preis pro m²165–250 €ab 270 € (netto Material)ca. 400 €
Preis pro kWpØ 1.015 €, 900–1.800 €1.400–1.500 €ca. 3.333 € brutto
Ersparte Dacheindeckungentfälltjaja, rund 250 €/m²
Laufende Betriebskosten1–2 % der Investition/Jahrherstellerabhängignahezu keine (Herstellerangabe)

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt der ersparten Dacheindeckung. Bei Autarq-Solardachziegeln sinkt der reine PV-Mehrpreis von 3.333 auf rund 1.333 Euro pro kWp. Der Grund: Die sonst fällige Neueindeckung wird gegengerechnet. Bei einer Dachsanierung schrumpft der Kostenabstand zur Aufdach-Anlage damit deutlich. Bei einem intakten Bestandsdach ohne Sanierungsbedarf bleibt er dagegen in voller Höhe bestehen.

Für die Stromerzeugungskosten über die Lebensdauer nennt Autarq in einer eigenen Modellrechnung 13 bis 17 Cent pro Kilowattstunde. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) nennt dazu einen unabhängigen Vergleichswert. Kleine Photovoltaik-Dachanlagen erreichen demnach Stromgestehungskosten von 6,4 bis 13,0 Cent pro kWh (Stand August 2024). Stromgestehungskosten bezeichnen die Kosten je erzeugter Kilowattstunde über die gesamte Betriebsdauer einer Anlage. Beide Werte stammen aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden und sind nicht direkt vergleichbar. Sie zeigen aber dieselbe Größenordnung, deutlich unter dem Haushaltsstrompreis.

Für wen lohnt sich ein Solardach? Neubau, Sanierung und Denkmalschutz

Ein Solardach rechnet sich vor allem, wenn ohnehin eine neue Dacheindeckung ansteht — im Neubau oder bei einer geplanten Dachsanierung. Dann verrechnet sich der Modul-Mehrpreis mit den sonst fälligen Material- und Handwerkerkosten für klassische Ziegel. Die Differenz zur Aufdach-Anlage schrumpft dadurch spürbar.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Solardachziegel häufig die einzige genehmigungsfähige Lösung. Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg nennt dafür klare Kriterien. Eine Genehmigung wird dort regelmäßig erteilt, wenn sich die Anlage der Dachfläche unterordnet. Sie muss zudem einheitlich verlegt und farblich angepasst sein. Solardachziegel erfüllen diese Vorgaben durch ihre originalgetreue Optik meist ohne Zusatzaufwand.

Für ein intaktes Bestandsdach ohne Sanierungsbedarf und ohne Denkmalschutz-Auflagen bleibt die Aufdach-Anlage die wirtschaftlichere Wahl. Sie kostet pro kWp deutlich weniger. Zudem lässt sie sich einfacher warten und bei Bedarf leichter erweitern.

Nicht jede Dachform kommt für ein vollintegriertes Solardach infrage. Indach-Systeme und Solardachziegel setzen laut ADAC eine Dachneigung von mindestens 20 bis 25 Grad voraus, damit Regenwasser sicher abläuft. Für Flachdächer, Carports und Terrassenüberdachungen bleibt die klassische Aufdach-Montage die Standardlösung.

Häufig gestellte Fragen zum Solardach

Was kostet ein Solardach pro Quadratmeter?

Vollintegrierte Solardächer kosten 2026 je nach Produkt 270 bis rund 400 Euro pro Quadratmeter Material, eine klassische Aufdach-Anlage 165 bis 250 Euro pro Quadratmeter. Der Aufpreis sinkt, sobald eine ohnehin fällige Dacheindeckung gegengerechnet wird.

Lohnen sich Solardachziegel finanziell?

Solardachziegel lohnen sich finanziell vor allem bei Neubau oder Dachsanierung, weil die eingesparte klassische Eindeckung einen Teil des Aufpreises ausgleicht. Bei einem intakten Bestandsdach ohne Sanierungsbedarf bleibt die Aufdach-Anlage meist die günstigere Option.

Ist ein Solardach auch ohne Dachsanierung möglich?

Ja, ein nachträglicher Einbau ist technisch möglich, erfordert aber die vollständige Entfernung der bestehenden Eindeckung. Ohne ohnehin geplante Sanierung fallen die Kosten dafür zusätzlich zum eigentlichen Solar-Mehrpreis an.

Was unterscheidet Indach- von Aufdach-Photovoltaik?

Indach-Module ersetzen die Dachziegel und bilden eine Ebene mit dem Dach, Aufdach-Module hängen über der bestehenden Eindeckung. Indach-Systeme kosten laut ADAC 10 bis 20 Prozent mehr, dafür entfallen die Materialkosten für Ziegel.

Eignen sich Ennogie oder Autarq für denkmalgeschützte Gebäude?

Beide Hersteller werben mit Eignung für Denkmalschutz-Vorhaben. Autarq-Ziegel behalten die Form des Originalziegels, Ennogies Ganzdachlösung setzt auf eine homogene, aber flächige Modul-Optik. Die zuständige Denkmalschutzbehörde entscheidet im Einzelfall.

Wie lange hält ein Solardach?

Solardächer erreichen laut Energieberatung der Verbraucherzentrale eine Lebensdauer von 20 bis 40 Jahren. Ennogie nennt für die eigene Ganzdachlösung mindestens 40 Jahre, Autarq für seine Solardachziegel 30 bis 40 Jahre.

Weiterführende Zahlen liefert der Beitrag zur Photovoltaik-Kosten-Kalkulation für klassische Aufdach-Anlagen. Wie sich eine Solaranlage auf dem Dach allgemein rechnet, zeigt ein weiterer Beitrag. Für Nischenflächen ordnet der Beitrag zum Solar Carport die Wirtschaftlichkeit ein. Rechtliche Details liefert der Beitrag zur energetischen Sanierung im Denkmalschutz.

Quellen & Belege

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), ADAC, Energieberatung der Verbraucherzentrale, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg, Bundesnetzagentur, Herstellerangaben von Ennogie und Autarq.