Max Nestler
April 28, 2026
Lesezeit
14
Minuten
Wärmepumpe
Arten & Systemleistung

Wärmepumpe Innenaufstellung: Luftkanal, Schallschutz, Kosten

Bei der Innenaufstellung steht die Wärmepumpe im Gebäude, meist im Keller oder Technikraum. Zwei Luftkanäle führen Außenluft zu und wieder ab. Die Bauweise eignet sich vor allem bei wenig Gartenfläche, strengen Lärmschutz-Auflagen oder Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis
Wärmepumpe planen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Aufstellungsort: Gebäude (Keller/Technikraum) mit Außenwand für Luftkanäle
  • Luftvolumenstrom: bis 7.000 m³/h bei Einfamilienhaus-Geräten
  • Kanal-Innenquerschnitt: 50x50 bis 80x80 cm empfohlen
  • Kondensat: bis 50 Liter pro Tag über Rohr ab 50 mm Durchmesser plus Siphon
  • Schallgrenzwert eigene Wohneinheit (VDI 4100): 30 bis 35 dB(A)
  • Schallleistungspegel Außengerät A++: bis 56 dB(A)
  • Förderung ab 21.07.2026: 30 % Grundförderung + 16 % Klimageschwindigkeitsbonus
  • Kältemittel R290: Sicherheitsklasse A3 (brennbar), Füllmengenbegrenzung nach DIN EN 378

Was bedeutet Innenaufstellung bei einer Wärmepumpe?

Innenaufstellung heißt: Die komplette Luft-Wasser-Wärmepumpe steht innerhalb des Gebäudes. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme und gibt sie über Wasser als Heizmedium ab. Bei der Außenaufstellung steht das Gerät dagegen im Garten oder an der Fassade. Details dazu liefert der Schwesterartikel Wärmepumpe in Außenaufstellung.

Innenaufstellung braucht keinen Stellplatz im Garten. Sie braucht dafür einen Technikraum mit Außenwand. Über diese Wand führen zwei Kanäle die Luft zur Anlage und wieder hinaus. Ohne freie Außenwand ist die Innenaufstellung kaum sinnvoll.

Dieser Artikel konzentriert sich auf die Innenaufstellung: Luftführung, Schallschutz im Haus, Platzbedarf und Kosten. Die Außenaufstellung behandelt der verlinkte Schwesterartikel ausführlich.

Wie funktioniert die Luftführung bei Innenaufstellung?

Zwei getrennte Luftkanäle versorgen die Wärmepumpe: einer für Zuluft, einer für Abluft. Der Zuluftkanal saugt kalte oder kühle Außenluft an. Der Verdampfer in der Wärmepumpe entzieht dieser Luft Wärme. Die abgekühlte Luft verlässt das Gerät über den zweiten Kanal, den Abluftkanal.

Berühren sich Zuluft- und Abluftöffnung an der Fassade, entsteht ein thermischer Kurzschluss. Die Anlage saugt dann die eigene, bereits abgekühlte Abluft erneut an. Das senkt die Quelltemperatur und die Effizienz der Wärmepumpe. Fachplanende vermeiden das durch eine Eckaufstellung: Zuluft- und Abluftöffnung liegen an unterschiedlichen Gebäudeseiten. Ist nur eine Wand verfügbar, empfiehlt sich ein Mindestabstand von 2 Metern zwischen beiden Öffnungen (Quelle: energie-experten.org).

Luftkanal-Querschnitt: ein Rechenbeispiel

Ein Einfamilienhaus-Gerät benötigt einen Luftvolumenstrom von bis zu 7.000 Kubikmetern pro Stunde (Quelle: energie-experten.org). Fachplanende empfehlen dafür Kanal-Innenquerschnitte zwischen 50 x 50 und 80 x 80 Zentimetern.

Die Strömungsgeschwindigkeit ergibt sich aus Volumenstrom geteilt durch Querschnittsfläche. 7.000 Kubikmeter pro Stunde entsprechen rund 1,94 Kubikmeter pro Sekunde. Ein 50 x 50 Zentimeter großer Kanal (0,25 Quadratmeter) führt diese Luftmenge mit rund 7,8 Metern pro Sekunde. Ein Kanal von 80 x 80 Zentimetern (0,64 Quadratmeter) senkt die Geschwindigkeit auf rund 3 Meter pro Sekunde. Niedrigere Geschwindigkeit bedeutet weniger Druckverlust. Sie bedeutet auch weniger Strömungsgeräusch. Deshalb wählen Fachplanende den größeren Querschnitt, wenn der Platz es zulässt.

Luftkanal-Rechner: Mindestquerschnitt

Welchen Kanalquerschnitt braucht die Luft-Wasser-Wärmepumpe bei Innenaufstellung?

Mindestquerschnitt
cm²
Runddurchmesser
mm (Ø)
Quadratkanal Kantenlänge
cm × cm

Formel: Fläche A = Volumenstrom ÷ Geschwindigkeit. Ø = √(4·A/π). Werte gelten je Kanal — für Zu- und Abluft sind zwei Kanäle nötig. Richtwert Zielgeschwindigkeit 2 bis 4 m/s für geräuscharme Führung; höhere Werte sparen Platz, erhöhen Geräusch und Druckverlust. Herstellerangaben des Geräts sind maßgeblich.

Lichtschächte als Luftein- und -auslass

Der Lichtschacht führt die Außenluft zum Kellerraum und wieder hinaus. Ein normaler Kellerfenster-Lichtschacht ist dafür meist zu klein. Er erreicht selten die empfohlenen 50 x 50 bis 80 x 80 Zentimeter Innenquerschnitt.

Liegt der Schacht unterhalb der Geländeoberkante, braucht er einen Regenwasserablauf. Steht das Gerät oberhalb der Geländeoberkante, schützen Wetterschutzgitter die Öffnungen vor Regen (Quelle: energie-experten.org). Bei dieser Aufstellung dürfen die zulässigen Schallwerte um 3 bis 5 Dezibel höher liegen (Quelle: energie-experten.org).

Welche Vorteile bietet die Innenaufstellung?

Der wichtigste Vorteil: Die Innenaufstellung vermeidet Lärmbelastung in der Nachbarschaft, weil das Gerät im Gebäude steht (Quelle: energie-experten.org). Bei der Außenaufstellung gelten Mindestabstände zur Grundstücksgrenze und Immissionsrichtwerte der TA Lärm. Details dazu liefert der Artikel Wärmepumpe Abstand Nachbar. Bei der Innenaufstellung entfällt dieses Nachbarschaftsthema weitgehend, weil nur der Lichtschacht Schall nach draußen abgibt.

Zum Vergleich: Ein Außengerät der Effizienzklasse A++ erreicht einen Schallleistungspegel von bis zu 56 Dezibel (Quelle: Haustec/SBZ). Dieser Wert steht am Gerät selbst, nicht in der Nachbarschaft. Bei Innenaufstellung schützt zusätzlich die Gebäudehülle vor Schallausbreitung nach außen.

Ein zweiter Vorteil: Die Fassade bleibt ohne sichtbares Außengerät. Das ist bei Gestaltungssatzungen von Bauträgern oder bei denkmalgeschützten Gebäuden oft die einzige zulässige Lösung. Mehr zur Wärmepumpe in historischer Bausubstanz zeigt der Artikel Wärmepumpe im Altbau.

Ein dritter Vorteil: Das Gerät steht witterungsgeschützt im Gebäude. Es ist keinem direkten Regen, Schnee oder starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

Welche Nachteile und Herausforderungen gibt es?

Die Innenaufstellung braucht mehr Planungsaufwand als die Außenaufstellung (Quelle: energie-experten.org). Drei Herausforderungen stehen im Vordergrund: Platzbedarf, Kanalbau und Kondensat.

Der Technikraum braucht Platz für die Wärmepumpe, für zwei Wanddurchbrüche und für den Kondensatanschluss. Zusätzlich muss der Raum eine Außenwand haben, sonst funktioniert die Luftführung nicht. Ein tragfähiger, ebener Sockel ist Pflicht. Provisorische Kesselpodeste eignen sich dafür nicht (Quelle: energie-experten.org).

Innerhalb des eigenen Wohnbereichs gilt die VDI 4100 für Körperschall (Quelle: Haustec/SBZ). Stufe I erlaubt maximal 35 Dezibel, Stufe II maximal 30 Dezibel. Bei Doppel- oder Reihenhäusern gilt für Geräusche aus fremden Wohneinheiten ein strengerer Wert. Stufe I erlaubt hier maximal 30 Dezibel, Stufe III maximal 22 Dezibel. Eine schwingungsentkoppelte Aufstellung hält diese Werte ein.

Wanddurchbrüche für zwei Luftkanäle verursachen zusätzliche Kosten. Im Neubau lassen sie sich im Rohbau einplanen. Im Bestand müssen die Kanäle nachträglich eingeschäumt oder eingemauert werden. Das ist aufwendiger als eine Planung ab Rohbau.

Kondensat ist ein weiteres Thema: Der Verdampfer kühlt die angesaugte Luft ab. Dabei kondensiert Feuchtigkeit. Bis zu 50 Liter Kondensat fließen täglich über ein Rohr in die Kanalisation (Quelle: energie-experten.org). Das Rohr braucht mindestens 50 Millimeter Durchmesser und einen Siphon. Der Siphon braucht Frostschutz, wenn der Schacht ungeheizt bleibt.

Ein weiterer Punkt betrifft das Kältemittel R290 (Propan). R290 gilt als brennbar, Sicherheitsklasse A3 nach ISO 817. Die Norm DIN EN 378 begrenzt deshalb die zulässige Füllmenge je nach Raumgröße. Modelle mit R290-Kältemittel benötigen bei Innenaufstellung teils zusätzliche Sicherheitstechnik. Der Artikel Monoblock-Wärmepumpe erklärt die Kältemittel-Regeln für Monoblock-Geräte im Detail.

Was kostet die Innenaufstellung gegenüber der Außenaufstellung?

Die Innenaufstellung kostet mehr als die Außenaufstellung (Quelle: energie-experten.org). Der Aufpreis entsteht durch Luftkanäle, Wanddurchbrüche und einen größer dimensionierten Lichtschacht. Ein seriöser pauschaler Mehrpreis in Euro lässt sich nicht beziffern, weil er stark vom Gebäude abhängt.

Die staatliche Förderung über das KfW-Programm BEG 458 gilt unabhängig von der Aufstellart. Ab dem 21.07.2026 gelten neue Sätze (Quelle: KfW-Information für Multiplikatoren vom 09.07.2026). Die Grundförderung beträgt 30 Prozent. Der Klimageschwindigkeitsbonus beträgt 16 Prozent, beim Austausch einer alten Öl-, Kohle- oder Gasheizung. Dazu kommt ein Einkommensbonus von 10 bis 40 Prozent, gestaffelt nach Haushaltseinkommen: 10 Prozent bis 50.000 Euro, 30 Prozent bis 40.000 Euro, 40 Prozent bis 30.000 Euro. Einen separaten Effizienzbonus für natürliche Kältemittel gibt es seit dieser Reform nicht mehr.

Rechenbeispiel: Der Förderhöchstbetrag liegt bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit. Grundförderung und Klimageschwindigkeitsbonus zusammen ergeben 46 Prozent. 46 Prozent von 28.000 Euro sind 12.880 Euro Zuschuss. Die Kombinationsobergrenze liegt bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten, bei einem Haushaltsjahreseinkommen bis 40.000 Euro bei 80 Prozent.

Häufige Fragen

Ist eine Wärmepumpe bei Innenaufstellung leiser als bei Außenaufstellung?

Nach außen meist ja: Die Gebäudehülle dämpft den Schall, nur der Lichtschacht gibt Schall nach draußen ab (Quelle: energie-experten.org). Im Haus selbst braucht die Innenaufstellung dagegen eine sorgfältige Körperschall-Entkopplung nach VDI 4100. Sonst wird die Vibration über Boden und Wände hörbar.

Wie groß muss der Lichtschacht für eine Wärmepumpe sein?

Größer als ein normaler Kellerfenster-Schacht. Fachplanende setzen auf Kanal-Innenquerschnitte zwischen 50 x 50 und 80 x 80 Zentimetern. Der genaue Wert richtet sich nach dem Luftvolumenstrom der Anlage (Quelle: energie-experten.org).

Geht Innenaufstellung auch ohne Luftkanäle?

Nein, bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sind Luftkanäle notwendig, weil das Gerät ständig Außenluft braucht. Ohne Luftkanäle arbeitet eine Sole-Wasser-Wärmepumpe: Sie nutzt Erdwärme über eine Erdsonde und kommt ohne Luftkanäle aus. Der Artikel Erdsonde Wärmepumpe erklärt diese Alternative.

Quellen & Belege

energie-experten.org (Fachportal Haustechnik), Haustec/SBZ (Fachzeitschrift für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik), KfW (BEG-458-Förderprogramm, Information für Multiplikatoren vom 09.07.2026), VDI 2058, VDI 4100, TA Lärm, ISO 817, DIN EN 378.