Wasser-Wasser-Wärmepumpe: JAZ, Kosten und Genehmigung
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt Grundwasser mit konstant 8 bis 12 Grad Celsius als Wärmequelle. Sie erreicht damit die höchste Jahresarbeitszahl aller Wärmepumpen-Arten. Der Betrieb braucht einen Förder- und einen Schluckbrunnen sowie eine wasserrechtliche Erlaubnis.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmequelle: Grundwasser, konstant 8–12 °C ganzjährig
- Effizienz: Jahresarbeitszahl (JAZ) 4,5–5,0, höchster Wert aller Wärmepumpen-Arten
- Technik: Förder- und Schluckbrunnen, Mindestabstand 10–15 m
- Genehmigung: Wasserrechtliche Erlaubnis nach §§ 8, 9 WHG bei der unteren Wasserbehörde
- Kosten: 20.000–35.000 € Gesamtinvestition vor Förderung
- Förderung: BEG-Zuschuss bis 70 % (80 % bei niedrigem Einkommen), Höchstbetrag 28.000 € seit 21.07.2026
- Einschränkung: In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II meist nicht genehmigungsfähig
- Lebensdauer: 20 bis 25 Jahre bei fachgerechter Wartung
Wie schneidet die Wasser-Wasser-Wärmepumpe im Vergleich ab?
Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe erreicht die höchste Jahresarbeitszahl aller Wärmepumpen-Arten: 4,5 bis 5,0. Der Genehmigungsaufwand ist ebenfalls am höchsten.
| Wärmepumpenart | Jahresarbeitszahl (JAZ) | Investitionskosten | Genehmigungsaufwand |
|---|---|---|---|
| Wasser-Wasser | 4,5 – 5,0 | 20.000 – 35.000 € | Hoch: wasserrechtliche Erlaubnis, 2 Brunnen, Gutachten |
| Sole-Wasser (Erdsonde) | 4,0 – 4,5 | 25.000 – 40.000 € | Mittel bis hoch: wasserrechtliche Anzeige, teils Bergrecht |
| Luft-Wasser | 3,0 – 4,0 | 15.000 – 25.000 € | Gering: meist nur Abstands- und Lärmschutzauflagen |
Grundwasser liefert ganzjährig konstant 8 bis 12 Grad Celsius. Das erklärt den Effizienz-Vorsprung gegenüber der Luft-Wasser-Wärmepumpe, deren Quelltemperatur im Winter stark sinkt. Die höhere Effizienz erkauft sich der Betreiber mit mehr Aufwand: Zwei Brunnen und eine wasserrechtliche Erlaubnis sind Pflicht. Erfüllt das Grundstück die Voraussetzungen nicht, bietet die Sole-Wasser-Wärmepumpe eine Alternative mit ähnlich hoher Effizienz.
Was ist eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe ist ein Heizsystem, das die Wärmeenergie des Grundwassers nutzt. Das Grundwasser hält ganzjährig eine Temperatur von 8 bis 12 Grad Celsius. Diese Konstanz unterscheidet die Quelle deutlich von Außenluft, die im Winter stark abkühlt.
Die Wärmepumpe entzieht dem geförderten Grundwasser Wärme über einen Wärmetauscher. Ein Kältemittelkreislauf hebt diese Wärme anschließend auf Heiztemperatur an. Das System versorgt sowohl die Raumheizung als auch die Warmwasserbereitung. Bei passender Ausführung kühlt die Anlage das Gebäude im Sommer zusätzlich passiv.
Wie funktioniert eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe fördert Grundwasser, entzieht ihm Wärme und führt es abgekühlt zurück. Der Kreislauf läuft über zwei Brunnen und einen thermodynamischen Prozess im Gerät ab, ähnlich einem umgekehrten Kühlschrank.
- Förderung: Eine Tauchpumpe hebt Grundwasser aus dem Förderbrunnen an die Oberfläche.
- Wärmeübertragung: Ein Wärmetauscher überträgt die Wärme des Grundwassers auf ein Kältemittel. Dabei kühlt sich das Wasser um etwa 4 bis 5 Grad Celsius ab.
- Verdampfung: Das Kältemittel nimmt die Wärme auf und verdampft bei niedriger Temperatur.
- Verdichtung: Ein Kompressor erhöht Druck und Temperatur des gasförmigen Kältemittels. Dieser Schritt verbraucht die meiste elektrische Energie.
- Wärmeabgabe: Das heiße Kältemittel gibt seine Wärme im Kondensator an Heizkörper oder Fußbodenheizung ab.
- Entspannung: Ein Expansionsventil senkt Druck und Temperatur des flüssigen Kältemittels wieder.
- Rückführung: Der Schluckbrunnen führt das abgekühlte Grundwasser zurück in den Grundwasserleiter.
Dem Grundwasser wird dabei nur Wärme entzogen, keine Substanz. Die Wassermenge im natürlichen Kreislauf bleibt deshalb erhalten. Wie effizient dieser Prozess arbeitet, zeigt der Wirkungsgrad der Wärmepumpe als Kennzahl.
Welche Voraussetzungen muss das Grundstück erfüllen?
Das Grundstück braucht ausreichend Grundwasser in guter Qualität und Platz für zwei Brunnen. Vier Kriterien entscheiden über die Eignung.
- Wassermenge: Für 10 Kilowatt Heizleistung sind etwa 1.500 bis 2.500 Liter Grundwasser pro Stunde nötig.
- Wasserqualität: Der Eisengehalt sollte unter 0,2 Milligramm pro Liter liegen, Mangan unter 0,1 Milligramm pro Liter. Höhere Werte fördern Verockerung im Brunnen und Wärmetauscher.
- Fließrichtung: Der Förderbrunnen liegt grundwasserstromauf, der Schluckbrunnen grundwasserstromab.
- Mindestabstand: Zwischen beiden Brunnen gilt ein Mindestabstand von 10 bis 15 Metern, abhängig von der Fließgeschwindigkeit des Grundwassers.
Eine Probebohrung mit Pumpversuch und Wasseranalyse klärt vor der endgültigen Planung, ob der Standort geeignet ist.
Welche Genehmigung ist für eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe nötig?
Der Bau und Betrieb einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis nach §§ 8 und 9 Wasserhaushaltsgesetz. Zuständig ist die untere Wasserbehörde am Wohnort.
Die Entnahme von Grundwasser und die Wiedereinleitung des abgekühlten Wassers gelten als Gewässerbenutzung im Sinne des § 9 WHG. Beide Vorgänge zusammen erfordern die Erlaubnis nach § 8 WHG. Die Bohrfirma muss die Anforderungen des DVGW-Arbeitsblatts W 120-1 für Brunnenbau erfüllen. Ab einer Heizleistung von 30 Kilowatt verlangt die Behörde zusätzlich ein Gutachten zu den thermischen Auswirkungen auf das Grundwasser.
In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II ist die Grundwasserentnahme für Wärmepumpen in der Regel ausgeschlossen. In Zone III entscheidet die Behörde im Einzelfall. Das Genehmigungsverfahren dauert meist 2 bis 3 Monate, inklusive hydrogeologischem Gutachten.
Was kostet eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe kostet vor Förderung insgesamt 20.000 bis 35.000 Euro. Die Brunnenbohrung treibt die Kosten gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe deutlich in die Höhe.
| Kostenposition | Betrag |
|---|---|
| Wärmepumpen-Gerät | 9.000 – 15.000 € |
| Installation und Montage | 2.500 – 4.000 € |
| Brunnenbohrungen (2 Stück) | 4.000 – 9.000 € |
| Genehmigung und Gutachten | 800 – 2.500 € |
| Gesamtinvestition vor Förderung | 16.300 – 30.500 € |
Bei einem bereits vorhandenen, geeigneten Brunnen sinken die Kosten um etwa 2.000 bis 4.000 Euro. Ein Rechenbeispiel zeigt die Ersparnis im laufenden Betrieb. Bei einem Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht die Wasser-Wasser-Wärmepumpe bei einer JAZ von 4,7 rund 4.255 Kilowattstunden Strom. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde entstehen daraus jährliche Stromkosten von etwa 1.277 Euro. Eine Gasheizung verbraucht für dieselbe Heizlast rund 22.222 Kilowattstunden Gas. Bei 13 Cent pro Kilowattstunde liegen die Gaskosten bei etwa 2.889 Euro jährlich. Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe spart in diesem Beispiel über 1.600 Euro Energiekosten pro Jahr.
Wie hoch ist die BEG-Förderung für eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) deckt seit dem 21. Juli 2026 bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei niedrigem Haushaltseinkommen steigt die Grenze auf 80 Prozent.
Die Grundförderung beträgt 30 Prozent für alle förderfähigen Wärmepumpen. Der Klimageschwindigkeitsbonus bringt zusätzlich 16 Prozent beim Ersatz einer alten Öl-, Kohle- oder Gasheizung. Der Einkommensbonus reicht von 10 bis 40 Prozent, gestaffelt nach Haushaltseinkommen bis 50.000 Euro pro Jahr. Einen separaten Effizienzbonus für Grundwasser-Wärmepumpen gibt es seit dem 21. Juli 2026 nicht mehr. Der Förderhöchstbetrag für die erste Wohneinheit liegt bei 28.000 Euro. Er sinkt laut aktuellem Programmrahmen erstmals zum 1. Februar 2027. Details zu Antrag und Fristen liefert der Beitrag zur KfW-Förderung für Wärmepumpen.
Für wen eignet sich eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe eignet sich für Grundstücke mit hohem Grundwasserstand, guter Wasserqualität und ausreichend Platz für zwei Brunnen. Drei Vorteile sprechen dafür: die höchste Jahresarbeitszahl aller Wärmepumpen-Arten, ganzjährig stabile Effizienz und eine passive Kühlfunktion im Sommer.
Drei Einschränkungen begrenzen den Einsatz: hohe Erschließungskosten durch die Brunnenbohrung, ein aufwendiges wasserrechtliches Genehmigungsverfahren und der Ausschluss in Wasserschutzgebieten der Zonen I und II. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist eine Sole-Wasser- oder Luft-Wasser-Wärmepumpe meist die praktikablere Alternative.
Häufig gestellte Fragen zur Wasser-Wasser-Wärmepumpe
Wie lange hält eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe erreicht bei fachgerechter Wartung eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Die stabile Wärmequelle Grundwasser reduziert den Verschleiß der Anlage gegenüber Luft-Wasser-Systemen. Details zu Wartung und Austauschzyklen liefert der Beitrag zur Lebensdauer von Wärmepumpen.
Kann eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe auch kühlen?
Ja, viele Anlagen bieten eine passive Kühlfunktion. Dabei überträgt die Anlage Wärme aus dem Gebäude ins kühlere Grundwasser. Nur die Umwälzpumpen verbrauchen dabei Strom, ein Kompressor läuft nicht mit.
Wie viel Grundwasser verbraucht die Anlage dauerhaft?
Die Anlage verbraucht kein Grundwasser, sondern nutzt nur dessen Wärmeenergie. Pro Kilowatt Heizleistung strömen etwa 150 bis 250 Liter Grundwasser pro Stunde durch das System. Der Schluckbrunnen führt die komplette Menge nach dem Wärmeentzug zurück.
Warum ist eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe in Wasserschutzgebieten oft nicht erlaubt?
Die Grundwasserentnahme in den Schutzzonen I und II gefährdet laut den zuständigen Wasserbehörden die Trinkwasserqualität. Deshalb lehnen viele untere Wasserbehörden Anträge in diesen Zonen ab. In Zone III sind Einzelfallgenehmigungen möglich.
Wasserhaushaltsgesetz (WHG) §§ 8, 9, 49; DVGW-CERT GmbH (Arbeitsblatt W 120-1, Brunnenbau); Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.; VDI 4640 Blatt 2; Fraunhofer ISE (WPsmart-Feldmessprogramm); KfW-Information für Multiplikatoren zur BEG-Förderung, Stand 09.07.2026; Merkblatt einer unteren Wasserbehörde zu Wärmepumpenanlagen mit Grundwassernutzung.


