Max Nestler
October 13, 2026
Lesezeit
13
Minuten
Wärmepumpe
Planungshilfen & Weiterführendes

Geothermie-Nahwärme 2026: kalte Netze, Kosten und Förderung

Ein Geothermie-Nahwärmenetz versorgt mehrere Gebäude mit Erdwärme aus einem gemeinsamen Sondenfeld oder Kollektorfeld. Beim kalten Netz steht in jedem Haus eine eigene Wärmepumpe, beim warmen Netz heizt eine Großwärmepumpe zentral. Dieser Ratgeber erklärt beide Varianten, zeigt belegte Projekte in Deutschland und rechnet einen echten Netztarif gegen die eigene Wärmepumpe.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Kalte Nahwärme verteilt Erdwärme mit niedrigen Temperaturen, in Wüstenrot 0 bis 18 °C; jedes Haus braucht eine eigene Wärmepumpe.
  • Warme Netze heizen zentral mit Großwärmepumpe, z. B. Schwerin: Thermalwasser 56 °C, angehoben auf 75–80 °C.
  • Bad Nauheim Süd: 140 Gebäude, Kollektorfeld in 2 Lagen, durchschnittliche JAZ 4,3 (ZfK 06/2026).
  • Preisblatt Mettingen (Stand 12/2023, gültig 2024): rund 19.670 € einmalig, 1.778,83 €/a Grundpreis inkl. WP-Strom und WP-Ersatz.
  • 42watt-Rechenbeispiel Neubau, 20 Jahre: Netz-Vollservice rund 71.400 €, eigene Luft-WP rund 41.500 €.
  • BEW fördert Netze mit mehr als 16 Gebäuden oder mehr als 100 Wohneinheiten mit bis zu 40 % der förderfähigen Ausgaben.
  • KfW 458 (seit 21.07.2026): Netzanschluss im Bestand ab 30 %, max. 70 bzw. 80 %; nicht für Neubau.
  • Wärmeplan verpflichtet nicht zum Anschluss; seit GModG (29.07.2026) keine Heizungspflicht mehr daran gekoppelt.

Wie funktioniert ein Geothermie-Nahwärmenetz mit Wärmepumpe?

Ein Geothermie-Nahwärmenetz holt Wärme aus dem Erdreich und verteilt sie über Rohrleitungen an mehrere Gebäude, auf Heiztemperatur bringt sie eine Wärmepumpe. Entscheidend ist, wo die Wärmepumpe steht. Die Tabelle zeigt die Unterschiede.

MerkmalKalte Nahwärme (5. Generation)Warme Nahwärme mit Großwärmepumpe
Temperatur im Netzniedrig, z. B. 0 bis 18 °C (Wüstenrot)Heiztemperatur, z. B. 75–80 °C (Schwerin)
Wärmepumpe1 Gerät je Gebäude1 zentrale Anlage
Leitungenungedämmtgedämmt
Kühlen im Sommerüber das Netz möglichin der Regel nicht
Typischer EinsatzNeubaugebiete, kleine QuartiereBestand mit hohen Vorlauftemperaturen

Kurz eingeordnet: Das kalte Netz verteilt fast nur Erdreichtemperatur und verliert deshalb kaum Wärme. Dafür braucht jedes Haus eine eigene Wärmepumpe. Das warme Netz liefert fertige Heizwärme bis zur Hausübergabestation, der Übergabestelle zur Hausheizung. Das hilft Altbauten mit hohem Temperaturbedarf.

Was bedeutet kalte Nahwärme der 5. Generation?

Kalte Nahwärme ist ein Netz, das Wasser oder Sole nahe der Erdreichtemperatur zu den Häusern pumpt. Sole ist ein frostsicheres Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz beschreibt das Prinzip so: „Kalte Nahwärmenetze arbeiten mit niedrigen Übertragungstemperaturen.“ Im Projekt Wüstenrot liegt die Netztemperatur zwischen 0 und 18 °C.

Die Wärmepumpe im Haus hebt diese Temperatur auf Heiz- und Warmwasserniveau. Im Sommer funktioniert das Netz umgekehrt. Die Häuser geben Raumwärme ins Netz ab und kühlen dabei passiv. Diese Wärme lädt das Erdreich zugleich wieder auf.

Welche Wärmequellen nutzen Geothermie-Nahwärmenetze?

Geothermie-Nahwärmenetze nutzen vor allem 3 Quellen: Erdwärmesonden, Flächenkollektoren und Agrothermie. In einigen Netzen kommen weitere Quellen hinzu, etwa in Offenbach an der Queich.

  • Erdwärmesonden: senkrechte Bohrungen, in Altenahr je 120 Meter tief, gebündelt in einem Sondenfeld.
  • Flächenkollektoren: Rohrschlangen wenige Meter tief unter einer Freifläche, in Bad Nauheim in 2 Lagen in 1,5 und 3 Metern Tiefe.
  • Agrothermie: Kollektorrohre etwa 2 Meter tief unter einem Acker, der weiter bewirtschaftet wird.
  • Ergänzungen: Brunnenwasser, Abwärme oder Solarthermie speisen zusätzlich ein.

Wie eine einzelne Sonde ausgelegt wird, erklärt der Beitrag Erdwärmesonde.

Wann ist ein warmes Netz mit Großwärmepumpe sinnvoll?

Ein warmes Netz mit Großwärmepumpe passt dort, wo viele Bestandsgebäude hohe Vorlauftemperaturen brauchen. Ein Beispiel ist Schwerin. Dort fördern die Stadtwerke Thermalwasser aus rund 1.300 Metern Tiefe. Es kommt mit 56 °C an die Oberfläche. 4 Wärmepumpen heben es auf 75 bis 80 °C. Laut Stadtwerken soll die Anlage, die seit 2023 läuft, rund 15 % des Schweriner Fernwärmebedarfs decken. Bei so großen Netzen gelten die Preisregeln der Fernwärme, die der Beitrag Fernwärme-Kosten erläutert.

Welche Geothermie-Nahwärmenetze gibt es in Deutschland?

In Deutschland laufen mehrere kalte Nahwärmenetze mit Erdwärme, vor allem in Neubaugebieten. Die folgende Auswahl stützt sich auf Betreiber, Forschungsprojekte und Fachpresse.

ProjektWärmequelleUmfangStand
Bad Nauheim Süd (Hessen)Kollektorfeld 2 × 11.000 m²140 Gebäude, ca. 400 Wohneinheitenin Betrieb seit 2019
Wüstenrot (Baden-Württemberg)Agrothermie-Kollektor23 Gebäude, Netz ca. 0,5 kmin Betrieb seit Anfang der 2010er
Schrobenhausen (Bayern)119 Erdwärmesonden64 Wohngebäude und 1 KitaBohrung 2023/2024
Altenahr-Altenburg (Rheinland-Pfalz)75 Sonden à 120 mca. 100 Objekte geplant, Bestand30 angeschlossen (09/2024)
Offenbach an der Queich (Rheinland-Pfalz)Sondenfeld, Brunnen, Solarthermie500 kW, Netz ca. 1,4 kmvorgestellt 09/2025

Kurz eingeordnet: Die meisten Netze versorgen Neubauten, weil diese mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen. Altenahr zeigt, dass kalte Netze auch im Bestand funktionieren. Dort sollen nach der Flut von 2021 rund 100 Objekte, darunter 2 Schulen, angeschlossen werden. Rund 30 waren es im September 2024. Gefördert wurde das Netz mit knapp 1,8 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln. In Offenbach an der Queich kamen von 3,6 Millionen Euro Baukosten knapp 1,4 Millionen Euro aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze.

Was zeigen die Messdaten aus Bad Nauheim?

Bad Nauheim erreicht laut Projektauswertung eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 4,3. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe pro kWh Strom im Jahresmittel liefert. Bohrungen sind in Bad Nauheim verboten, weil die Stadt in einem Heilquellenschutzgebiet liegt. Die Stadtwerke verlegten deshalb Kollektoren in 2 Lagen, in 1,5 und 3 Metern Tiefe. Das Netzwasser hat im Jahresmittel 10 bis 12 °C.

Im Februar 2026 fielen die Systemtemperaturen unter 0 °C. Die Versorgung war laut Projektteam trotzdem nicht gefährdet. Im Sommer liefert das Netz rund 237 MWh Kälte pro Jahr. Das Fazit nach 5 Jahren Betrieb laut Fachmagazin ZfK (15.06.2026): Die Technik könne „mit gutem Gewissen“ weiterempfohlen werden.

Was kostet der Anschluss an ein kaltes Nahwärmenetz?

Der Anschluss an ein kaltes Nahwärmenetz kostet in den recherchierten Beispielen einmalig rund 10.000 bis 20.000 Euro, dazu kommen Grund- und Arbeitspreis. Die Spanne hängt stark davon ab, ob die Wärmepumpe im Paket enthalten ist. Ein öffentliches Preisblatt der Stadtwerke Tecklenburger Land für das Neubaugebiet Niestadtweg in Mettingen zeigt die Posten im Detail. Es hat den Stand 12/2023 und gilt für 2024, aktuelle Preise können über die Preisgleitformel abweichen.

Posten (Mettingen, Gültigkeit 2024)Preis bruttoArt
Baukostenzuschuss Netz6.758,89 €einmalig
Hausanschluss bis 20 m1.199,00 €einmalig
Hausstation mit Wärmepumpe bis 7 kW11.711,24 €einmalig
Grundpreis mit Rundum-Service1.778,83 €pro Jahr
Arbeitspreis bis 15 MWh89,80 € je MWhpro Jahr

Kurz eingeordnet: Einmalig fallen in Mettingen rund 19.670 Euro an. Der Grundpreis enthält laut Preisblatt den Ökostrom für die Wärmepumpe, Wartung, Reparaturen und den Ersatz der Wärmepumpe bei Defekt. Kühlen ist passiv inklusive. Beide Preise können sich über eine Preisgleitformel ändern. Andere Netze trennen Netz und Wärmepumpe. In Schrobenhausen etwa zahlen Bauleute laut Genossenschaft (Stand 2022) 33,25 Euro brutto pro m² Grundstück für das Netz, einen Baukostenzuschuss und rund 50 Euro netto Grundgebühr im Monat.

Lohnt sich das Netz gegenüber der eigenen Wärmepumpe? Das 42watt-Rechenbeispiel

Mit dem Vollservice-Tarif aus Mettingen kostet ein Neubau über 20 Jahre rund 71.400 Euro, eine eigene Luft-Wärmepumpe rund 41.500 Euro. Annahmen:

  • Gebäude: Neubau-Einfamilienhaus, 9.000 kWh Wärme pro Jahr für Heizung und Warmwasser.
  • Netz: Preisblatt Mettingen, brutto, ohne Preisänderung.
  • Eigene Anlagen: Mittelwerte der ADAC-Kostenspannen für Gerät und Installation (Stand Sommer 2026). Erdsonde 80 m zu 75 Euro pro Meter (Mitte der Herstellerspanne von 50 bis 100 Euro), das liegt unter der ADAC-Spanne von 8.000 bis 16.000 Euro für die Bohrung.
  • Effizienz: JAZ 3,4 für Luft und 4,3 für Erdsonde (Fraunhofer-ISE-Feldmessungen in Bestandsgebäuden).
  • Strom: Wärmepumpentarif 24 Cent pro kWh plus 140 Euro Grundpreis (Marktcheck Verbraucherzentrale NRW, 02/2026), Wartung 150 Euro pro Jahr.
  • Förderung: keine, weil die KfW-Heizungsförderung nur für bestehende Gebäude gilt.
VarianteEinmaligPro JahrSumme 20 Jahre
Kalte Nahwärme (Mettingen)19.669 €2.587 €71.410 €
Eigene Luft-Wasser-Wärmepumpe23.000 €925 €41.500 €
Eigene Sole-Wärmepumpe mit Sonde31.000 €792 €46.840 €

Kurz eingeordnet: Der Netztarif ist in diesem Beispiel rund 25.000 bis 30.000 Euro teurer. Der Grund ist der hohe Grundpreis. Er deckt aber Leistungen ab, die in der eigenen Rechnung fehlen: Reparaturen, den Austausch der Wärmepumpe und das Kühlen. Ein neues Gerät mit Installation kostet laut ADAC-Spannen ab rund 15.000 Euro. Andere Netze verlangen laufend weniger. Eine Zusammenstellung des Planungssoftware-Anbieters nPro (Stand 2022) nennt Mischpreise kalter Netze von 14,2 bis 24,2 Cent pro kWh. In Mettingen liegt der laufende Mischpreis bei 28,7 Cent. Ob die Wärmepumpe im Preis steckt, unterscheidet sich je Netz. Vergleichen Sie deshalb immer das konkrete Preisblatt.

Ein Netzanschluss lohnt sich vor allem in 3 Fällen:

1. Bohrverbot: Im Wasser- oder Heilquellenschutzgebiet ist eine eigene Sonde oft nicht oder nur mit Auflagen erlaubt.

2. Wenig Platz: Das Grundstück ist zu klein für Kollektor oder Außengerät.

3. Kühlbedarf: Sie wollen im Sommer leise und günstig kühlen.

Worauf sollten Sie im Wärmeliefervertrag achten?

Prüfen Sie vor Vertragsabschluss 4 Punkte: Laufzeit, Preisgleitformel, Eigentum der Wärmepumpe und Anschlusszwang. Für Wärmelieferverträge gilt in der Regel die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV). Ob sie auch greift, wenn das Netz nur kaltes Netzwasser liefert, ist rechtlich nicht abschließend geklärt.

  • Laufzeit: höchstens 10 Jahre (§ 32 Abs. 1), ohne Kündigung 9 Monate vor Ablauf je 5 Jahre Verlängerung.
  • Preisgleitformel: Erfragen, an welche Indizes Grund- und Arbeitspreis gekoppelt sind.
  • Eigentum: Klären, wem die Wärmepumpe gehört und wer sie ersetzt.
  • Anschlusszwang: Fragen, ob eine Satzung der Gemeinde den Anschluss vorschreibt.

Das Bundeskabinett hat am 26.08.2026 Eckpunkte für ein Wärmenetzpaket beschlossen. Vorgesehen sind eine Plattform für Preistransparenz, mit Ausnahmen für kleine Netze, und eine nachträgliche Preisaufsicht durch eine Bundesbehörde. Ein Gesetz liegt noch nicht vor (Stand 13.10.2026).

Welche Förderung gibt es für Nahwärmenetze und Hausanschlüsse?

Die Förderung teilt sich: Netzbetreiber erhalten die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), Hausbesitzende im Bestand die KfW-Heizungsförderung 458. Welches Programm greift, hängt von der Netzgröße und vom Eigentum der Wärmepumpe ab.

FallProgrammFörderung
Netz mit mehr als 16 Gebäuden oder mehr als 100 WohneinheitenBEW (BAFA)bis 40 % der förderfähigen Ausgaben
Wärmepumpe im Haus gehört dem NetzbetreiberBEW (BAFA)mit dem Netz gefördert
Kleines Gebäudenetz bis 16 Gebäude und 100 Wohneinheiten errichtenBEG (BAFA)Heizungsförderung
Anschluss eines Bestandsgebäudes an ein NetzKfW 458ab 30 %, max. 70 bzw. 80 %

Kurz eingeordnet: Für Hausbesitzende zählt meist die letzte Zeile. Gehört die Wärmepumpe Ihnen, richtet sich die Förderung laut Förderdatenbank des Bundes „allein nach der BEG“. Im Neubaugebiet gibt es keinen Heizungszuschuss. Die Netzförderung kann dort aber den Baukostenzuschuss senken.

Was zahlt die BEW für Netzbetreiber?

Die BEW fördert neue Wärmenetze mit bis zu 40 % der förderfähigen Ausgaben, höchstens 100 Millionen Euro je Antrag. Das BAFA zahlt dabei höchstens die Lücke zur Wirtschaftlichkeit. Neue Netze müssen zu mindestens 75 % aus erneuerbaren Energien oder Abwärme gespeist werden. Für zentrale Wärmepumpen, die ins Netz einspeisen, gibt es zusätzlich eine Betriebskostenförderung. Hauswärmepumpen in kalten Netzen sind davon ausgenommen, auch wenn sie dem Betreiber gehören. Sie beträgt bei Netzstrom höchstens 9,2 Cent je kWh Umweltwärme und endet 10 Jahre nach Inbetriebnahme. Antragsberechtigt sind unter anderem Unternehmen, Kommunen, Contractoren und eingetragene Genossenschaften.

Was zahlt die KfW beim Anschluss eines Bestandsgebäudes?

Die KfW fördert den Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz seit dem 21.07.2026 mit 30 % Grundförderung plus Boni. 2 Boni sind möglich:

  • Klimageschwindigkeitsbonus: 16 % für Selbstnutzende beim Tausch einer funktionstüchtigen Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder einer mindestens 20 Jahre alten Gas- oder Biomasseheizung. Ab 01.02.2027 sinkt er halbjährlich um 4 Prozentpunkte.
  • Einkommensbonus: 40, 30 oder 10 % bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 30.000, 40.000 oder 50.000 Euro. Mit mindestens einem minderjährigen, kindergeldberechtigten Kind im Haushalt steigen die Grenzen einmalig um 10.000 Euro.

Förderfähig sind höchstens 28.000 Euro für die 1. Wohneinheit. Ab 01.02.2027 sinkt dieser Betrag halbjährlich um 750 Euro. Die Förderung ist auf 70 % begrenzt, bei Einkommen bis 30.000 Euro (mit Kind 40.000 Euro) auf 80 %. Besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang, fördert die KfW nur den Netzanschluss, keine Einzelheizung. Ob Ihr Baukostenzuschuss förderfähig ist, klären Sie vor dem Antrag mit der KfW oder einer Energieeffizienz-Expertin. Ablauf und Antrag beschreibt der Beitrag KfW-Förderung für Wärmepumpen. Für Wärmepumpen hat die KfW ab dem 1. Quartal 2027 eine neue Struktur angekündigt: 15 % Grundförderung plus 15 % Bonus für in der EU gefertigte Geräte.

Wie funktionieren Genossenschaftsmodelle bei Nahwärme?

Bei einem Genossenschaftsmodell gehören Sondenfeld und Netz einer Genossenschaft, in der auch Anschlussnehmende Mitglied werden können. Die Genossenschaft plant, finanziert und betreibt das Netz. Ein Beispiel ist die Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt eG. Sie hat laut europäischem Genossenschaftsverband REScoop über 900 Mitglieder. Ein Anteil kostet dort 100 Euro. Ihr erstes kaltes Netz versorgt 40 Häuser in Königsmoos, ein weiteres das Baugebiet in Schrobenhausen.

Für ein Genossenschaftsnetz sprechen 3 Punkte:

1. Mitsprache: Mitglieder stimmen in der Generalversammlung ab und können so den Kurs der Genossenschaft mitbestimmen.

2. Förderzugang: Eingetragene Genossenschaften können die BEW beantragen.

3. Kostenorientierung: Überschüsse können an Mitglieder zurückfließen oder Preise senken.

Ein Risiko bleibt: Ehrenamtliche Vorstände brauchen für Bau und Abrechnung professionelle Partner, etwa Stadtwerke oder Planungsbüros.

Welche Rolle spielt die kommunale Wärmeplanung?

Die kommunale Wärmeplanung zeigt, wo Wärmenetze geplant sind, verpflichtet Hausbesitzende aber nicht zum Anschluss. Nach § 23 Abs. 4 Wärmeplanungsgesetz hat der Plan keine rechtliche Außenwirkung. Auch ein ausgewiesenes Netzgebiet „bewirkt keine Pflicht, eine bestimmte Wärmeversorgungsart tatsächlich zu nutzen“ (§ 27 WPG).

Seit dem 29.07.2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es hat die 65-%-Pflicht für neue Heizungen gestrichen. Damit hängt keine Heizungspflicht mehr am Wärmeplan. Was jetzt für neue Heizungen gilt, fasst der Beitrag GEG und GModG zusammen. Einen Anschlusszwang kann eine Gemeinde nur über eine gesonderte Satzung anordnen. Den Stand der Planung in Ihrer Gemeinde finden Sie über den Beitrag kommunale Wärmeplanung.

Häufige Fragen zu Geothermie-Nahwärme

Brauchen Sie bei kalter Nahwärme eine eigene Wärmepumpe?

Ja, bei kalter Nahwärme braucht jedes Gebäude eine Wärmepumpe. Je nach Netz kaufen Sie das Gerät selbst oder der Betreiber stellt es im Paket. Vom Eigentum hängen Förderung, Wartung und Ersatz ab.

Funktioniert kalte Nahwärme im Altbau?

Ja, kalte Nahwärme funktioniert im Altbau, wenn die Heizflächen mit moderaten Vorlauftemperaturen auskommen. Das Netz in Altenahr versorgt auch Bestandsgebäude. Bei sehr hohem Temperaturbedarf ist ein warmes Netz mit Großwärmepumpe oft die bessere Wahl.

Ist ein Geothermie-Netz besser als eine eigene Erdwärmepumpe?

Ein Geothermie-Netz ist nicht automatisch günstiger als eine eigene Erdwärmepumpe. Im 42watt-Rechenbeispiel liegt die eigene Sole-Wärmepumpe über 20 Jahre rund 24.600 Euro unter dem Vollservice-Tarif. Einen Überblick zur eigenen Anlage gibt der Beitrag Heizen mit Erdwärme.

Können Sie mit kalter Nahwärme im Sommer kühlen?

Ja, kalte Nahwärme kann Gebäude im Sommer passiv kühlen. Die Wärme aus den Räumen fließt ins Netz und regeneriert das Erdreich. In Bad Nauheim liefert das Netz so rund 237 MWh Kälte pro Jahr.

Quellen & Belege

ZfK (Bad Nauheim, 07.03.2019, 22.07.2019 und 15.06.2026); TH Nürnberg (Projekt EnVisaGePlus Wüstenrot, 2017–2021); nPro Energy (Datenbank kalte Nahwärmenetze und Preiszusammenstellung, Stand 2022); top agrar (Agrothermie, 02.06.2023); Energieagentur Rheinland-Pfalz (Leitfaden Kalte Nahwärme, Stand 05/2021); Bauer Resources (Sondenfeld Kellerbergbreite Schrobenhausen); REScoop.eu (Bürger-Energie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt); Bürgerenergie Bayern (Kalte Nahwärme Schrobenhausen); Solarserver (Altenahr, 03.09.2024); Bundesumweltministerium (Pressereise Offenbach an der Queich, 01.09.2025); Stadtwerke Schwerin (Pressemitteilung 07.04.2022); Solarserver (Schwerin, 05.05.2023); Stadtwerke Tecklenburger Land (Preisblatt Kalte Nahwärme Niestadtweg Mettingen, Gültigkeit 2024); ADAC (Wärmepumpe Kosten, Stand Sommer 2026); Fraunhofer ISE (Feldmessungen Wärmepumpen, 2025); Verbraucherzentrale NRW (Marktcheck Wärmepumpenstromtarife, 02/2026); BAFA (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze, Richtlinie vom 01.08.2022, Stand 2026); Förderdatenbank des Bundes (BEW); KfW Merkblatt 458 (Stand 09/2026); AVBFernwärmeV § 32; Bundesregierung (Eckpunkte Wärmenetzpaket, 26.08.2026); Wärmeplanungsgesetz §§ 23, 27; Gebäudemodernisierungsgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 226).