Max Nestler
October 23, 2026
Lesezeit
17
Minuten
Wärmepumpe
Arten & Systemleistung

Grundwasserwärmepumpe (Wasser-Wasser-Wärmepumpe) 2026: Kosten, Brunnen

Eine Grundwasserwärmepumpe, auch Wasser-Wasser-Wärmepumpe genannt, holt Wärme aus dem Grundwasser. Ein Förderbrunnen pumpt das Wasser zur Wärmepumpe, ein Schluckbrunnen leitet es abgekühlt zurück. Das Gerät kostet laut ADAC 10.000 bis 20.000 Euro, hinzu kommen Installation und die Brunnenanlage.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Grundwasserwärmepumpe und Wasser-Wasser-Wärmepumpe meinen dasselbe System mit Förder- und Schluckbrunnen.
  • Kosten: Gerät laut ADAC 10.000 bis 20.000 €, Installation 7.000 bis 15.000 €, Brunnenanlage laut Portalen 4.000 bis 15.000 €.
  • Wasserbedarf rund 0,25 m³/h je kW Verdampferleistung (LfULG), bei 10 kW Heizleistung rund 1,9 m³/h.
  • Brunnen meist 5 bis 20 m tief und mindestens 15 m auseinander, Schluckbrunnen in Fließrichtung dahinter.
  • Datenblätter nennen COP 5,5 bis 6,1 bei W10/W35; unabhängige JAZ-Messungen für Grundwasser gibt es kaum, ein Feldtest in Lahr maß im Mittel 3,1.
  • Bundesweit Bohranzeige und in der Regel wasserrechtliche Erlaubnis; Bayern: vereinfachtes Verfahren bis 50 kJ/s nach Art. 70 BayWG mit PSW-Gutachten.
  • § 46 WHG seit 23.12.2025: Entnahme für die Wärmeversorgung im Haushalt unter Bedingungen erlaubnisfrei, Wiedereinleitung nicht erfasst.
  • KfW 458 seit 21.07.2026: 30 % Grundförderung, max. 28.000 € förderfähig für die 1. Wohneinheit, kein Effizienzbonus mehr für Wasser als Wärmequelle.

Was kostet eine Grundwasserwärmepumpe 2026?

Eine Grundwasserwärmepumpe kostet 2026 im Einfamilienhaus mit Gerät, Installation und Brunnenanlage zusammen rund 21.000 bis 50.000 Euro, hinzu kommen Genehmigung und Testbohrung. Die Spanne ist eine eigene Addition der ersten 3 Posten aus der Tabelle. Die Kosten einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe unterscheiden sich von der Luft-Wärmepumpe vor allem durch die Erschließung der Wärmequelle.

PostenSpanne 2026Quelle
Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Gerät)10.000–20.000 €ADAC, Stand Sommer 2026
Installation, Förderpumpe, Filtertechnik7.000–15.000 €ADAC, Stand Sommer 2026
Brunnenanlage mit 2 Brunnen4.000–15.000 €Portal- und Anbieterangaben
Genehmigung mit Testbohrungrund 4.000 €Herstellerangabe Bosch
Wartungrund 150 € pro Jahrdena, Bosch

Kurz eingeordnet: Der ADAC nennt für Wärmepumpen im Einfamilienhaus insgesamt meist 20.000 bis 50.000 Euro. Für die Brunnen nennen nur Portale und Anbieter Preise: teils 4.000 bis 7.000 Euro, teils 8.000 bis 15.000 Euro. Hinzu kommen Pumpversuch, Wasseranalyse und Gutachten. Holen Sie für die Brunnenanlage ein eigenes Angebot ein. Kosten anderer Systeme zeigt der Beitrag Was kostet eine Wärmepumpe mit Einbau?.

Wie funktioniert eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?

Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe fördert Grundwasser, entzieht ihm Wärme und leitet es abgekühlt in denselben Grundwasserleiter zurück. Grundwasser hat laut Bosch und co2online ganzjährig etwa 8 bis 12 °C. Der Ablauf hat 5 Schritte:

1. Fördern: Eine Tauchpumpe im Förderbrunnen, auch Saugbrunnen genannt, hebt das Grundwasser an.

2. Wärme übertragen: Ein Wärmetauscher gibt die Wärme an das Kältemittel ab. Das Wasser kühlt dabei meist um 4 bis 5 Kelvin ab.

3. Verdampfen und verdichten: Das Kältemittel verdampft. Ein elektrisch angetriebener Verdichter hebt Druck und Temperatur an.

4. Heizen: Im Verflüssiger gibt das Kältemittel die Wärme an Heizung und Warmwasser ab, ein Expansionsventil senkt den Druck.

5. Zurückleiten: Der Schluckbrunnen, auch Sickerbrunnen genannt, führt das abgekühlte Wasser in den Untergrund zurück.

Oft trennt ein Zwischenwärmetauscher das Brunnenwasser vom Kältekreis. Dann fließt das Grundwasser nur durch diesen Tauscher, nicht durch das Gerät selbst. Auch dieser Tauscher setzt Grenzwerte für die Wasserqualität voraus.

Wie schneidet die Grundwasserwärmepumpe im Vergleich zu Sole und Luft ab?

Die Grundwasserwärmepumpe nutzt eine ganzjährig gleichmäßig warme Quelle, kostet mit Brunnen aber ähnlich viel wie eine Erdwärmesonde und braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis. Die folgende Tabelle vergleicht die 3 Wärmepumpen-Arten im Einfamilienhaus.

MerkmalGrundwasserSole (Erdsonde)Luft-Wasser
WärmequelleGrundwasser, ca. 8–12 °CErdreich über SondeAußenluft, wetterabhängig
JAZkaum Messdaten (Lahr 2013: Ø 3,1), Hersteller 4,5–5,0Ø 4,3 im Feld (Fraunhofer ISE)Ø 3,4 im Feld (Fraunhofer ISE)
Investition inkl. Erschließung21.000–50.000 €25.000–49.000 €15.000–31.000 €
GenehmigungBohranzeige und wasserrechtliche ErlaubnisBohranzeige, Erlaubnis bei Grundwasserkontaktkeine wasserrechtliche
Platz2 Brunnen, mind. 15 m AbstandBohrpunkt, Zufahrt für BohrgerätAußengerät mit Abstand zum Nachbarn

Kurz eingeordnet: Die Investitionen addieren die ADAC-Spannen für Gerät, Installation und Erschließung, für Brunnen gelten Portalangaben. Die Fraunhofer-Werte stammen aus dem Projekt WP-QS im Bestand (2025), ohne Grundwasser-Kategorie. Weitere Systeme zeigt der Beitrag Wärmepumpen-Arten im Überblick.

Was sagen COP und JAZ über die Effizienz aus?

Der COP ist ein Laborwert im Prüfpunkt, die Jahresarbeitszahl (JAZ) misst die Effizienz im echten Betrieb über ein ganzes Jahr. Ein COP von 5 heißt: Aus 1 kWh Strom entstehen 5 kWh Wärme, 4 davon stammen aus dem Grundwasser. Hersteller nennen den COP im Prüfpunkt W10/W35 nach EN 14511, also 10 °C Wasser und 35 °C Vorlauf. Die dena gibt bei 10 °C Quelltemperatur COP-Spannen von 5,8 bis 7,4 für 35/28 °C an, bei 55/45 °C nur 3,9 bis 5,9. Niedrige Vorlauftemperaturen zahlen sich also stark aus.

Für die JAZ gibt es kaum unabhängige Messdaten speziell für Grundwasser. Die dena nennt eine typische JAZ von 4,5, Hersteller 4,5 bis 5,0. Das Fraunhofer ISE hat im Feldtest „WP Effizienz“ (2007 bis 2010) nur 3 Wasser-Wasser-Anlagen gemessen. Der Bericht schreibt: „Mit drei Anlagen sind Wasser-Wärmepumpen nur im geringen Maß vertreten und können daher nicht fundiert ausgewertet werden.“

Ein Feldtest der Lokalen Agenda 21 Lahr (2013) kam für Grundwasserwärmepumpen in Einfamilienhäusern im Mittel nur auf eine JAZ von 3,1. Als Ursache nennt der Bericht zu enge Bohrlöcher und zu stark ausgelegte Förderpumpen. Der Strom der Brunnenpumpe zählt zur JAZ des Gesamtsystems. Wie die Kennzahl berechnet wird, erklärt der Beitrag Jahresarbeitszahl.

Gibt es einen Testsieger bei Grundwasserwärmepumpen?

Nein, im Wärmepumpen-Test 10/2025 hat Stiftung Warentest nur 5 Luft-Wasser-Wärmepumpen geprüft. Zu Grundwasser- und Erdwärmepumpen heißt es dort: „Die Geräte sind nicht Teil dieses Tests.“ Die Tabelle zeigt stattdessen 3 Herstellerdatenblätter im Prüfpunkt W10/W35.

ModellHeizleistungCOPKältemittelDatenblatt
Stiebel Eltron WPW-I 10 H 400 Premium10,0 kW5,8R410Aohne Datum
Dimplex WI 14TU13,3 kW6,1R410A07/2020
Renson TERREAN 2516 kW5,5 (vorläufig)R290 (Propan)02/2026

Kurz eingeordnet: Die Werte sind Herstellerangaben unter Prüfbedingungen, keine Testergebnisse. Im Betrieb liegt die Effizienz durch höhere Vorlauftemperaturen und Pumpenstrom darunter. Nach den bisherigen BEG-Förderbedingungen sollen ab dem 01.01.2028 nur noch Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel wie R290 gefördert werden.

Für welche Grundstücke eignet sich eine Grundwasserwärmepumpe?

Eine Grundwasserwärmepumpe eignet sich nur, wenn Lage, Wassermenge, Wasserchemie und Platz gleichzeitig passen. Fällt ein Kriterium durch, scheidet das System meist aus. Die Checkliste nennt Richtwerte aus Behörden- und Herstellerunterlagen.

KriteriumRichtwertQuelle
Lagekeine Altlastenfläche, Wasserschutzgebiet meist ausgeschlossen, Zone III je nach Land im EinzelfallArt. 70 BayWG, Stadt Köln
Grundwasserstockwerknur oberstes, nicht gespanntes GrundwasserWWA München
Brunnentiefewirtschaftlich meist bis 15–20 mco2online, Bosch
WasserchemieEisen < 0,2 mg/l, Mangan < 0,1 mg/l, pH > 6,8Herstellerangabe ait-deutschland
Wassertemperaturganzjährig mindestens 7 °CLfULG Sachsen, ait-deutschland
Brunnenabstandmindestens 15 mdena, Bosch

Kurz eingeordnet: In Bayern zeigt die Standortauskunft im UmweltAtlas des Landesamts für Umwelt (LfU) eine erste Einschätzung. Sie stuft Standorte als „möglich“, „möglich (Einzelfallprüfung)“ oder „nicht möglich“ ein. Dazu nennt sie den Flurabstand und die Mächtigkeit des Grundwassers. Der Flurabstand ist die Tiefe vom Gelände bis zum Grundwasserspiegel. Ob genug Wasser fließt, zeigt erst ein Pumpversuch am Probebrunnen.

Welche Wasserwerte sind kritisch?

Kritisch ist sauerstoffarmes Grundwasser mit viel gelöstem Eisen oder Mangan, weil beide bei Kontakt mit Sauerstoff ausfallen. Diese Ablagerungen heißen Verockerung. Sie setzen Brunnen, Leitungen und Wärmetauscher zu. Der Hersteller ait-deutschland verlangt für seine Plattenwärmetauscher zur Systemtrennung unter anderem Eisen unter 0,2 mg/l, Mangan unter 0,1 mg/l und Chlorid unter 300 mg/l. Andere Hersteller setzen eigene Grenzwerte. Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nennt sauerstoffreiches, weiches bis mittelhartes Grundwasser mit über 3 mg/l Sauerstoff als ideal.

Das Wasserwirtschaftsamt München empfiehlt eine Analyse von Sauerstoff, Eisen und Mangan, wenn das Grundwasser sauerstoffarm sein könnte. Liegen die Werte darüber, klären Sie mit dem Fachbetrieb, ob die Anlage machbar ist.

Ein Fachvortrag beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG, 2016) beschreibt die Folgen. Im Wärmetauscher sinkt der Wärmeübergang, bis die Wärmepumpe ausfällt. Der Schluckbrunnen nimmt weniger Wasser auf und kann überlaufen. Abhilfe schaffen die Reinigung des Wärmetauschers und eine chemische oder mechanische Regenerierung der Brunnen.

Wie viel Grundwasser braucht die Anlage?

Eine Grundwasserwärmepumpe braucht rund 0,25 Kubikmeter Wasser pro Stunde je kW Verdampferleistung. So beziffert es das Merkblatt des LfULG. Die Verdampferleistung ist der Teil der Heizleistung, der aus dem Grundwasser kommt. Den Rest liefert der Strom. Die Tabelle rechnet den Wasserbedarf für typische Heizleistungen um, mit JAZ 4,5 und 2.000 Volllaststunden im Jahr.

HeizleistungVerdampferleistungWassermenge pro StundeWassermenge pro Jahr
6 kW4,7 kW1,2 m³ca. 2.300 m³
8 kW6,2 kW1,6 m³ca. 3.100 m³
10 kW7,8 kW1,9 m³ca. 3.900 m³
12 kW9,3 kW2,3 m³ca. 4.700 m³
15 kW11,7 kW2,9 m³ca. 5.800 m³

Kurz eingeordnet: Als Faustwert ergeben sich rund 200 Liter pro Stunde je kW Heizleistung. Die dena rechnet für 10 kW bei 4 Kelvin Abkühlung mit 2,2 Kubikmetern pro Stunde. Hersteller verlangen teils mehr, Dimplex für die WI 14TU 3,1 Kubikmeter pro Stunde bei 13,3 kW.

Manche Ratgeber teilen die Heizleistung zusätzlich durch die JAZ. Damit kommen sie auf rund 460 Liter pro Stunde für 12 kW. Das ist etwa um den Faktor 4 zu niedrig. Richtig gerechnet sind es bei JAZ 5 und 4,5 Kelvin Abkühlung rund 1,8 Kubikmeter pro Stunde, nach dem LfULG-Faustwert aus der Tabelle (JAZ 4,5) rund 2,3 Kubikmeter.

Wie tief muss ein Brunnen für die Wärmepumpe sein?

Brunnen für eine Grundwasserwärmepumpe reichen meist 5 bis 20 Meter tief, ab rund 15 bis 20 Metern wird die Anlage oft unwirtschaftlich. Diese Spanne nennen co2online und Bosch.

Die Grenze hängt vom Standort und der Anlagengröße ab. Das LfULG Sachsen nennt meist 20 bis 50 Meter. Ein Potenzialsteckbrief des Landkreises Ebersberg sieht ab rund 30 Metern Flurabstand nur noch eingeschränkt wirtschaftlichen Betrieb. In München erreichen die Bohrtiefen laut Stadtverwaltung selten mehr als 40 Meter, weil darunter die tertiären Schichten beginnen. Manche Standortauskünfte begrenzen die Bohrtiefe auch auf 5 bis 10 Meter. Tiefere Grundwasserstockwerke dürfen in Bayern nicht angebohrt werden. Ist das Grundwasser zu tief, bleibt die Sole-Wasser-Wärmepumpe mit geschlossenem Kreislauf eine Alternative.

Welchen Abstand brauchen Förder- und Schluckbrunnen?

Förder- und Schluckbrunnen sollten mindestens 15 Meter auseinanderliegen. Das empfehlen die dena und der Hersteller Bosch. Der Schluckbrunnen gehört in Fließrichtung des Grundwassers hinter den Förderbrunnen. Sonst saugt der Förderbrunnen das abgekühlte Wasser wieder an. Fachleute sprechen von einem thermischen Kurzschluss. Laut LfULG hängt der nötige Abstand von den hydrogeologischen Verhältnissen ab. Die abgekühlte Wasserfahne reicht meist über die Grundstücksgrenze hinaus.

Welche Genehmigung braucht eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?

Bundesweit braucht eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe eine Bohranzeige und in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis der unteren Wasserbehörde. Entnahme und Wiedereinleitung von Grundwasser sind Benutzungen nach § 9 Abs. 1 Nr. 4 und 5 Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Dafür verlangt § 8 WHG grundsätzlich eine Erlaubnis. Seit dem 23.12.2025 gibt es für die Entnahme eine Ausnahme in § 46 WHG, erklärt im Bayern-Abschnitt.

Vor dem Bohren fallen 2 Anzeigen an:

  • Wasserbehörde: Bohranzeige nach § 49 WHG mindestens 1 Monat vor Bohrbeginn.
  • Geologischer Dienst: Anzeige nach § 8 Geologiedatengesetz spätestens 2 Wochen vor Bohrbeginn.

In Wasserschutzgebieten entscheiden Land und Schutzgebietsverordnung. Die Stadt Köln genehmigt in den Zonen I und II in der Regel keine Anlagen und prüft Zone III im Einzelfall. Ein Leitfaden des Umweltministeriums Baden-Württemberg (2009) schließt auch die Zonen III und IIIA aus und lässt erst Zone IIIB mit Zwischenkreis zu. Fragen Sie deshalb früh bei der unteren Wasserbehörde nach.

Welche Genehmigung braucht eine Grundwasserwärmepumpe in Bayern?

In Bayern braucht eine Grundwasserwärmepumpe eine Bohranzeige und eine wasserrechtliche Erlaubnis, bis 50 kJ/s im vereinfachten Verfahren nach Art. 70 Bayerisches Wassergesetz (BayWG). 50 kJ/s entsprechen 50 kW Verdampferleistung. Das deckt laut Behörden etwa Gebäude bis 3 Wohneinheiten ab.

Das vereinfachte Verfahren gilt nur unter 3 Bedingungen:

  • Leistung: höchstens 50 kJ/s Verdampferleistung.
  • Grundwasser: oberflächennahes, nicht gespanntes Grundwasser, Rückleitung in denselben Grundwasserleiter.
  • Lage: außerhalb von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten und eingetragenen Altlastenflächen.

Zuständig ist die Kreisverwaltungsbehörde, also das Landratsamt oder die kreisfreie Stadt. In München ist es das Referat für Klima- und Umweltschutz. Größere Anlagen brauchen eine beschränkte Erlaubnis nach Art. 15 BayWG im regulären Verfahren ohne Zulassungsfiktion. Das Gutachten erstellt dann das Wasserwirtschaftsamt.

Wie läuft das Verfahren Schritt für Schritt?

Das Verfahren läuft in 5 Schritten, von der Standortauskunft bis zur Erlaubnis.

1. Standort prüfen: Standortauskunft im UmweltAtlas Bayern abrufen.

2. Bohrung anzeigen: Bohranzeige nach § 49 WHG mindestens 1 Monat vor Bohrbeginn einreichen. Die Brunnen muss laut WWA München ein nach DVGW W 120 oder gleichwertig zertifizierter Fachbetrieb bauen.

3. Probebrunnen testen: Pumpversuch und Wasseranalyse durchführen. Pumpversuche bis 144 Stunden sind erlaubnisfrei.

4. Gutachten einholen: Ein Privater Sachverständiger in der Wasserwirtschaft (PSW) prüft die Anlage. Sein Gutachten ist Pflicht. Die Liste der PSW führt das LfU.

5. Erlaubnis beantragen: Antrag mit Lageplänen, Brunnenausbau, Versuchsergebnissen und Gutachten einreichen.

Entscheidet die Behörde nicht innerhalb von 3 Monaten nach vollständigem Antrag, gilt die Erlaubnis als erteilt. Das heißt Zulassungsfiktion. Betreiben dürfen Sie die Anlage erst mit Erlaubnis. Die Landeshauptstadt München verlangt dafür in der Regel bis zu 200 Euro Gebühr. Die Erlaubnis gilt dort meist 15 bis 20 Jahre. Auch Temperaturgrenzen setzt die Behörde. Regensburg erlaubt höchstens 6 Kelvin Abkühlung, München höchstens 5 Kelvin.

Was hat sich 2025 und 2026 geändert?

Seit dem 23.12.2025 ist die Entnahme von Grundwasser für die Wärmeversorgung im Haushalt bundesrechtlich unter Bedingungen erlaubnisfrei, die Ausnahme erfasst aber nicht die Wiedereinleitung, und Behörden in Bayern verlangen weiter eine Erlaubnis. Das Geothermie-Beschleunigungsgesetz vom 22.12.2025 (BGBl. 2025 I Nr. 348) hat § 46 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG ergänzt. Erlaubnisfrei ist danach die Entnahme „für den Haushalt einschließlich der Wärmeversorgung über den Entzug von Wärme aus dem Wasser“. Voraussetzung: Es sind keine signifikanten nachteiligen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt zu besorgen. Die Rückleitung über den Schluckbrunnen nennt die Vorschrift nicht, für sie sieht § 46 WHG keine Ausnahme vor. Nach § 46 Abs. 3 WHG können die Länder zudem für diese Fälle wieder eine Erlaubnis vorschreiben.

Das Wasserwirtschaftsamt München schreibt im Bohranzeige-Formular vom Januar 2026: „Die spätere Entnahme und Versickerung von Grundwasser bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis.“ Klären Sie deshalb vor der Planung mit der Kreisverwaltungsbehörde, welches Verfahren gilt.

Neu ist in Bayern auch der Wassercent. Seit dem 01.07.2026 kostet entnommenes Grundwasser 10 Cent pro Kubikmeter. 5.000 Kubikmeter pro Kalenderjahr sind frei, 2026 anteilig 2.500 Kubikmeter. Ausgenommen sind Entnahmen zur thermischen Nutzung, wenn das Wasser ohne weitere Beeinträchtigung seiner Beschaffenheit zurückgeführt wird (Art. 78 Abs. 3 BayWG).

Kann eine Grundwasserwärmepumpe im Sommer kühlen?

Ja, eine Grundwasserwärmepumpe kann passiv kühlen, ohne dass der Verdichter läuft. Das kühle Grundwasser nimmt Wärme aus dem Heizkreis auf. Laut Baunetz Wissen laufen dabei nur die Pumpen, bei der Grundwasserwärmepumpe also auch die Brunnenpumpe. Räume lassen sich so in der Regel um rund 5 °C kühlen.

Spürbar wirkt die passive Kühlung vor allem über Flächenheizungen wie die Fußbodenheizung. Die Vorlauftemperatur muss über dem Taupunkt bleiben, sonst bildet sich Kondenswasser. Die Wasserbehörde begrenzt zudem die Einleittemperatur, in Regensburg und München auf höchstens 20 °C. Aktive Kühlung und weitere Systeme erklärt der Beitrag Kühlen mit der Wärmepumpe.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?

Die Vorteile liegen in der stabilen Wärmequelle und dem leisen Betrieb, die Nachteile in Genehmigung, Wasserchemie und Brunnenkosten. Die Tabelle fasst je 4 Punkte zusammen, überwiegend nach dem Factsheet der dena (01/2024).

VorteileNachteile
konstante Quelltemperatur, monovalenter Betrieb möglichwasserrechtliche Erlaubnis, in Schutzgebieten oft ausgeschlossen
kein Außengerät, rund 40–50 dB(A) im HausEisen und Mangan können Brunnen und Tauscher zusetzen
passive Kühlung im Sommer möglichPumpversuch, Analyse und Gutachten vor dem Bau
Lebensdauer rund 20 Jahretiefere Brunnen erhöhen Bohr- und Pumpenstromkosten

Kurz eingeordnet: Monovalent heißt, die Wärmepumpe deckt den Wärmebedarf allein. Bei flachem, sauerstoffreichem Grundwasser überwiegen die Vorteile, bei tiefem oder eisenhaltigem Wasser die Nachteile.

Lohnt sich die Grundwasserwärmepumpe gegenüber der Luft-Wärmepumpe? Das 42watt-Rechenbeispiel

Im 42watt-Rechenbeispiel spart eine Grundwasserwärmepumpe gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe rund 210 bis 450 Euro Strom pro Jahr. Annahmen: Einfamilienhaus im Bestand mit 20.000 kWh Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser. Die Luft-Wärmepumpe erreicht die Fraunhofer-JAZ von 3,4. Für die Grundwasserwärmepumpe gelten 3 Szenarien mit JAZ 4,0, 4,5 und 5,0, Brunnenpumpe eingerechnet. Strom kostet im Wärmepumpentarif im Schnitt 24 Cent pro kWh (Verbraucherzentrale NRW). Der Grundpreis ist bei beiden gleich und fällt aus dem Vergleich heraus. Die Mehrkosten gegenüber der Luft-Wärmepumpe setzt das Beispiel mit 10.000 Euro an. Mit Genehmigung, Testbohrung und teurerem Gerät können sie deutlich höher liegen.

SzenarioStromverbrauchStromkostenErsparnisAmortisation 10.000 €
Luft-Wasser, JAZ 3,45.882 kWh1.412 €––
Grundwasser, JAZ 4,05.000 kWh1.200 €212 €rund 47 Jahre
Grundwasser, JAZ 4,54.444 kWh1.067 €345 €rund 29 Jahre
Grundwasser, JAZ 5,04.000 kWh960 €452 €rund 22 Jahre

Kurz eingeordnet: Die Mehrkosten für die Brunnen holt die Stromersparnis in diesem Beispiel erst nach 22 bis 47 Jahren herein. Mit Haushaltsstrom zu 37,0 Cent (BDEW 2026) steigt die Ersparnis auf 326 bis 696 Euro. Die Amortisation sinkt dann auf rund 14 bis 31 Jahre. Günstiger wird die Rechnung bei flachem Grundwasser und niedrigen Brunnenkosten. Erreicht die Anlage nur die JAZ 3,1 aus dem Lahrer Feldtest, kostet sie im Betrieb sogar rund 140 Euro mehr pro Jahr als die Luft-Wärmepumpe. Nicht enthalten sind Preissteigerungen, Zinsen und Kosten für eine Brunnenregenerierung. Die Vergleichsanlage beschreibt der Beitrag Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Welche Förderung gibt es 2026 für die Grundwasserwärmepumpe?

Die Grundwasserwärmepumpe wird über die KfW-Heizungsförderung 458 mit 30 % Grundförderung gefördert, seit dem 21.07.2026 ohne eigenen Bonus für Wasser als Wärmequelle. Der frühere Effizienzbonus von 5 Prozentpunkten ist entfallen. Einige Ratgeber nennen ihn noch. Die Erschließung der Wärmequelle zählt laut Bundesverband Wärmepumpe (Stand 10/2025) zu den förderfähigen Kosten.

  • Klimageschwindigkeitsbonus: 16 Prozentpunkte für Selbstnutzende beim Tausch einer funktionstüchtigen Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder einer mindestens 20 Jahre alten Gas- oder Biomasseheizung. Ab dem 01.02.2027 sinkt er halbjährlich um 4 Prozentpunkte, zuerst auf 12 Prozentpunkte.
  • Einkommensbonus: 40, 30 oder 10 Prozentpunkte für Selbstnutzende mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000, 40.000 oder 50.000 Euro. Mit einem kindergeldberechtigten Kind unter 18 Jahren steigen die Grenzen einmalig um 10.000 Euro.
  • Obergrenze: 70 %, für Selbstnutzende mit zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000 Euro (mit Familienzuschlag 40.000 Euro) 80 %.
  • Förderfähige Kosten: höchstens 28.000 Euro für die 1. Wohneinheit. Ab dem 01.02.2027 sinkt der Betrag halbjährlich um 750 Euro, zuerst auf 27.250 Euro.

Wichtig für die Kostenrechnung: Schon eine Luft-Wärmepumpe liegt in realen Angeboten oft über 28.000 Euro, auch wenn die ADAC-Spanne in der Vergleichstabelle niedriger beginnt. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ermittelte in 160 Angeboten im Schnitt rund 36.000 Euro. Die Mehrkosten der Brunnen bleiben dann ungefördert. Laut KfW-Ankündigung vom 08.07.2026 soll die Grundförderung ab dem 1. Quartal 2027 auf 15 % sinken. Für in der EU gefertigte Wärmepumpen ist ein Wertschöpfungsbonus von 15 Prozentpunkten angekündigt. Stellen Sie den Antrag vor Beginn der Arbeiten.

Häufige Fragen zur Grundwasserwärmepumpe

Verbraucht eine Grundwasserwärmepumpe Wasser?

Nein, eine Grundwasserwärmepumpe entzieht dem Grundwasser nur Wärme und leitet die gesamte Menge zurück. Der Schluckbrunnen gibt das Wasser in denselben Grundwasserleiter ab.

Gilt der bayerische Wassercent für Grundwasserwärmepumpen?

Nein, Entnahmen zur thermischen Nutzung sind vom Wassercent ausgenommen, wenn das Wasser ohne weitere Beeinträchtigung seiner Beschaffenheit zurückfließt. Zudem sind 5.000 Kubikmeter pro Kalenderjahr frei, 2026 anteilig 2.500 Kubikmeter. Eine Anlage mit 10 kW Heizleistung fördert bei 2.000 Volllaststunden und knapp 2 Kubikmetern pro Stunde rund 3.900 Kubikmeter im Jahr.

Was tun, wenn das Grundstück nicht geeignet ist?

Ist Grundwasser nicht nutzbar, bleibt die Erdwärmesonde als Erdwärme-Alternative. Sie arbeitet mit geschlossenem Kreislauf und kommt ohne Wasserentnahme aus. Auslegung und Kosten erklärt der Beitrag Erdwärmesonde.

Lohnt sich ein Brunnen bei 30 Metern Tiefe?

Bei 30 Metern Tiefe wird ein Grundwasserbrunnen oft unwirtschaftlich, die Grenze hängt aber vom Standort ab. Bosch sieht sie bei rund 15 bis 20 Metern, ein Potenzialsteckbrief für den Landkreis Ebersberg bei rund 30 Metern Flurabstand. Das LfULG Sachsen nennt meist 20 bis 50 Meter. Bohrkosten und Pumpenstrom steigen mit jedem Meter.

Quellen & Belege

ADAC (Wärmepumpe: Funktion, Kosten, Förderung, Stand 21.07.2026); Bosch Home Comfort (Grundwasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpe, 2026); dena (Factsheet Wasser-Wasser-Wärmepumpe, 01/2024); co2online (Wasser-Wasser-Wärmepumpe, 24.09.2026); ait-deutschland (Plattenwärmetauscher WT); Stiebel Eltron, Glen Dimplex und Renson (technische Datenblätter WPW-I 10 H 400 Premium, WI 14TU 07/2020, TERREAN 02/2026); Stiftung Warentest (Wärmepumpen im Test, 10/2025); LfULG Sachsen (Merkblatt Grundwasserwärmepumpenanlagen); Umweltministerium Baden-Württemberg (Leitfaden Grundwasserwärmepumpen, 04/2009); Stadt Köln (Wasser-Wasser-Wärmepumpe, 09/2026); HLNUG (Fachgespräch Erdwärme, Vortrag In-situ-Enteisenung, 09/2016); Baunetz Wissen (Aktive und passive Kühlung mit Wärmepumpen); Bayerisches Landesamt für Umwelt (UmweltAtlas Bayern, FAQ Geothermie); Wasserwirtschaftsamt München (Antragsunterlagen 03/2022; Bohranzeige 01/2026); Stadt Regensburg (Infoblatt Grundwasserwärmepumpe, 02/2023); Landeshauptstadt München (Referat für Klima- und Umweltschutz, 18.01.2024); Landratsamt München (29.09.2023); Energieagentur Ebersberg-München (Potenzialsteckbrief, 14.10.2022); Wasserhaushaltsgesetz §§ 8, 9, 46, 49 (Fassung 22.12.2025); Geologiedatengesetz § 8; Bayerisches Wassergesetz Art. 15, 65, 70, 78; Bayerisches Umweltministerium und Rödl & Partner (Wassercent, 2026); Fraunhofer ISE (WP Effizienz, Kurzfassung; WP-QS, 11/2025); Lokale Agenda 21 Lahr (Feldtest Elektro-Wärmepumpen, 09/2013); Verbraucherzentrale NRW (Marktcheck Wärmepumpenstromtarife, 02/2026); BDEW-Strompreisanalyse 2026; Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und Stiftung Warentest (06/2025); KfW (Merkblatt 458, Stand 09/2026; Pressemitteilung 08.07.2026); Bundesverband Wärmepumpe (Förder-Ratgeber, 10/2025).