Mineralwolle-Dämmung 2026: Fassade, Dach & Kosten je Stärke
Mineralwolle ist der Sammelbegriff für Steinwolle und Glaswolle. Beide Fasertypen dämmen Fassade, Dach und Dachboden mit ähnlichen Grundeigenschaften, unterscheiden sich aber in Rohdichte, Schallschutz und Preis. Dieser Beitrag zeigt Dämmstärken und Kosten je Anwendungsfall und ordnet Mineralwolle gegenüber ihren beiden Unterarten ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Sammelbegriff: Mineralwolle umfasst Steinwolle und Glaswolle
- Wärmeleitfähigkeit: Bemessungswert 0,035 W/(mK) als GEG-Berechnungsgrundlage
- Brandklasse: A1, nicht brennbar bei beiden Mineralwolle-Arten
- GEG-Zielwert Bestand: 0,24 W/(m²K) für Fassade, Dach und oberste Geschossdecke
- Typische Fassadenstärke: 120 bis 160 mm für den GEG-Zielwert
- Kosten Fassade komplett: rund 100 bis 150 €/m² inklusive Einbau
- Entsorgung: neue Mineralwolle = Abfallschlüssel 170604, nicht gefährlich
- Gesundheit: seit dem 1.6.2000 nur noch biolösliche, nicht krebserzeugende Mineralwolle zulässig
Welche Dämmstärke und Kosten brauchen Sie je Anwendungsfall?
Die passende Mineralwolle-Stärke hängt vom Bauteil ab. Fassade, Steildach und Dachboden benötigen unterschiedliche Dicken, um den GEG-Zielwert von 0,24 W/(m²K) zu erreichen. Die folgende Tabelle zeigt die drei häufigsten Anwendungsfälle mit Stärke, U-Wert-Bezug und Kosten.
| Anwendungsfall | Übliche Dämmstärke | U-Wert-Faustregel (GEG Bestand) | Kosten je m² (Material) | Kosten je m² (inkl. Einbau) |
|---|---|---|---|---|
| Fassade (WDVS) | 100–200 mm, meist 120–160 mm | ca. 120–130 mm erreichen 0,24 W/(m²K) | ca. 15–25 € (bei 100 mm) | ca. 100–150 € |
| Steildach, Zwischensparren | 140–220 mm, je nach Sparrenhöhe | 0,24 W/(m²K), abhängig von Sparrentiefe | ca. 6–12 € | ca. 40–80 € |
| Dachboden / oberste Geschossdecke | 160–200 mm (nicht begehbar), mehr bei begehbarer Ausführung | 0,24 W/(m²K), Nachrüstpflicht § 47 GEG | ca. 10–14 € | ca. 20–35 € (nicht begehbar), 40–80 € (begehbar) |
Für die Fassade gilt: 120 bis 130 mm Mineralwolle mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(mK) erreichen als Faustregel den GEG-Zielwert von 0,24 W/(m²K) für die Bestandssanierung. Marktübliche Fassadenplatten gibt es in 60, 100, 120, 140, 160 und 200 mm Stärke; 60 mm kommt vor allem bei einer Aufdopplung bestehender Dämmung zum Einsatz. Am Dach bestimmt die Sparrenhöhe die maximale Zwischensparren-Stärke, am Dachboden richtet sich die Dicke danach, ob die Fläche begehbar bleiben soll.
Mineralwolle, Steinwolle, Glaswolle: Was ist der Unterschied?
Mineralwolle ist keine eigene Materialsorte, sondern der Oberbegriff für zwei mineralische Faserdämmstoffe: Steinwolle aus vulkanischem Gestein und Glaswolle aus Altglas, Sand und Kalk. Beide erreichen die Brandschutzklasse A1 und gelten damit als nicht brennbar. Sie unterscheiden sich in Rohdichte, Schallschutz und Preis.
| Merkmal | Steinwolle | Glaswolle |
|---|---|---|
| Rohdichte (Richtwert) | ca. 30–150 kg/m³ | ca. 12–60 kg/m³ |
| Brandklasse | A1, nicht brennbar | A1, nicht brennbar |
| Schallschutz | hoch, durch höhere Rohdichte | gut, etwas geringer als Steinwolle |
| Preis | etwas höher als Glaswolle | meist günstiger |
| Typischer Einsatzort | Fassade (WDVS), Bereiche mit hohem Schallschutzbedarf | Zwischensparren-Dach, leichte Konstruktionen |
Steinwolle eignet sich wegen der höheren Rohdichte gut für die Fassade und für Bauteile mit hohen Schallschutzanforderungen. Glaswolle ist leichter und lässt sich zwischen Sparren einfacher verarbeiten. Ausführliche Produkteigenschaften, Verarbeitung und Herstellerdaten lesen Sie in den beiden Einzelartikeln: Dämmen mit Steinwolle und Glaswolle-Dämmung.
Mineralwolle-Dämmung an der Fassade
An der Fassade läuft Mineralwolle meist als Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Die Platten werden geklebt und zusätzlich mit Tellerdübeln befestigt, da Mineralwolle im Gegensatz zu EPS nicht allein durch Kleber hält. Bei einer 140-mm-Dämmung und Gesamtkosten von rund 120 €/m² kostet die Fassadendämmung eines Einfamilienhauses mit 120 m² Wandfläche etwa 14.400 €. Details zu Aufbau, Putzsystemen und Förderung für die Fassade lesen Sie im WDVS-Ratgeber und im Beitrag zur Fassadendämmung.
Mineralwolle-Dämmung am Dach
Am Steildach kommt Mineralwolle meist als Zwischensparrendämmung zum Einsatz, seltener als Aufsparrendämmung. Die Sparrenhöhe begrenzt die maximale Stärke zwischen den Sparren; reicht sie nicht aus, ergänzt eine Untersparrendämmung die fehlende Dicke. Den vollständigen Vergleich der Dachdämmvarianten inklusive Kosten und Förderung finden Sie im Beitrag Dachdämmung.
Mineralwolle auf dem Dachboden und der obersten Geschossdecke
Für unbeheizte Dachböden schreibt § 47 GEG eine Mindestdämmung der obersten Geschossdecke vor, sofern diese die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nicht bereits erfüllt. Der Zielwert liegt bei 0,24 W/(m²K), identisch mit dem Wert für Dachflächen (GEG, Anlage 7 zu § 48). Nicht begehbare Flächen dämmen Sie mit ausgerolltem Klemmfilz; für eine begehbare Fläche ist eine tragfähige Unterkonstruktion mit entsprechend höherer Dämmstärke notwendig.
Befestigung: Welche Dübel brauchen Sie für Mineralwolle-Dämmung?
Mineralwolle-Dämmplatten an der Fassade werden immer zusätzlich gedübelt, eine reine Klebung reicht nicht aus. Tellerdübel übernehmen zwei Aufgaben: Sie tragen die Windsoglast ab und drücken die Platten mit Anpressdruck gegen den Untergrund, damit sich das Material nicht delaminiert. Gängige Dübeltypen sind Schlag-, Schraub- und Senkdübel; Schraubdübel lassen sich versenkt setzen und mit einer Mineralwoll-Rondelle bündig abdecken. Mineralwolle benötigt wegen der geringeren Materialfestigkeit häufig größere Dübelteller als EPS-Dämmungen.
Mineralwolle entsorgen: Was gilt für alte und neue Dämmstoffe?
Bei der Entsorgung unterscheidet die Abfallwirtschaft zwischen alter und neuer Mineralwolle. Seit dem 1.6.2000 dürfen nur noch biolösliche Mineralwolle-Dämmstoffe hergestellt und eingebaut werden; diese "neue" Mineralwolle fällt unter den Abfallschlüssel 170604 und gilt als nicht gefährlicher Abfall. Vor 1996 hergestellte "alte" Mineralwolle wurde in den 1990er-Jahren als potenziell krebserregend eingestuft und muss unter dem Abfallschlüssel 170603\* als gefährlicher Abfall entsorgt werden. Für Rückbau und Sanierung gilt zusätzlich die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 521. Da sich alte und neue Mineralwolle optisch nicht unterscheiden lassen, gilt zurückgebautes Material ohne Nachweis als gefährlicher Abfall.
Mehr Förderung mit dem individuellen Sanierungsfahrplan
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht die Förderung für Dämmmaßnahmen um 5 Prozentpunkte. Seit der BEG-Reform vom 21.7.2026 gilt dieser Bonus nur noch für den Kostenanteil oberhalb von 30.000 €, nicht mehr für die gesamte Investitionssumme. Wann sich ein iSFP für Ihr Sanierungsvorhaben lohnt, erfahren Sie im Beitrag Wann lohnt sich ein iSFP?; den Ablauf der Erstellung erklärt der Beitrag Individueller Sanierungsfahrplan.
Häufig gestellte Fragen zur Mineralwolle-Dämmung
Ist Mineralwolle gefährlich oder gesundheitsschädlich?
Moderne Mineralwolle ist bei fachgerechtem Einbau nicht gesundheitsschädlich. Seit dem 1.6.2000 dürfen in Deutschland nur noch biolösliche Mineralfaser-Dämmstoffe hergestellt und eingebaut werden, deren Fasern sich im Körper auflösen und nachweislich nicht krebserzeugend sind (Umweltbundesamt, Factsheet Mineralwolle). Ordnungsgemäß eingebaute Mineralwolle führt laut Umweltportal NRW bei normaler Raumnutzung zu keiner erhöhten Faserkonzentration in der Raumluft. Vor 1996 hergestellte "alte" Mineralwolle gilt dagegen als krebsverdächtig beziehungsweise krebserzeugend; bei Abbruch- und Sanierungsarbeiten an solchen Altbeständen greift die TRGS 521 mit besonderen Schutzmaßnahmen. Während der Verarbeitung neuer Mineralwolle können feine Fasern Haut und Atemwege reizen, weshalb Schutzkleidung und Atemschutz zum Standard gehören.
Was sind die Nachteile von Mineralwolle-Dämmung?
Mineralwolle verliert bei Kontakt mit Feuchtigkeit einen Großteil ihrer Dämmwirkung, eine funktionierende Dampfbremse ist deshalb Pflicht. An der Fassade braucht sie zusätzlich zur Klebung Tellerdübel, was den Montageaufwand gegenüber reinen Klebesystemen erhöht. Bei der Verarbeitung können Fasern Haut und Atemwege reizen, sodass Schutzausrüstung notwendig ist. Alte, vor 1996 hergestellte Mineralwolle muss bei Rückbau als gefährlicher Abfall behandelt werden.
Ist Mineralwolle für Fassade und Dach gleichermaßen geeignet?
Ja, beide Anwendungsfälle nutzen Mineralwolle regelmäßig, jedoch mit unterschiedlichen Anforderungen an Stärke und Befestigung. An der Fassade übernimmt meist Steinwolle wegen der höheren Rohdichte und des Schallschutzes den größten Anteil, am Dach kommt wegen des geringeren Gewichts häufiger Glaswolle zum Einsatz.
Umweltbundesamt, Umweltportal NRW, Gesetze im Internet (Gebäudeenergiegesetz, Anlage 7 zu § 48), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (TRGS 521), KfW.


